17. Juni 2020

„Als ob ich einen neuen Opa hätte“

Zwei Generationen, eine Freundschaft: Die Schülerin Jola und der Pflegeheimbewohner Andreas Krayer schreiben sich regelmäßig. Die Brieffreundschaft entstand durch die VdK-Aktion „Pinsel-Post“. Mittlerweile haben sie sich getroffen.

© privat


Es sind nur ein paar Schritte von Jolas Bushaltestelle zum AWO-Seniorenzentrum in Mayen, wo sie ihre Briefe für Andreas Krayer abgibt. Die Elfjährige und der 67-Jährige führen seit April eine Brieffreundschaft. Die Idee kam Jola, als sie bei der VdK-Aktion „Pinsel-Post“ mitmachte. „Ich habe damals einen Osterbrief ans Heim geschrieben, wusste aber nicht, wer ihn bekommt. Herr Krayer hat mir geantwortet, das hat mich total gefreut. Jetzt schreiben wir uns die ganze Zeit.“

Für Andreas Krayer ist die Brieffreundschaft mit Jola eine der wenigen Lichtblicke im grauen Pflegealltag: „Ich gehöre hier zu den Jüngsten, die meisten Bewohner sind 20 Jahre älter, viele schon dement. Da fehlt mir ein bisschen die Ansprache.“ Der Diplom-Mathematiker ist geistig fit, aber körperlich angeschlagen durch eine geschädigte Halswirbelsäule und die Spätfolgen einer Darm-Operation. „Früher gab es wenigstens Gehirntraining und Gesangsstunden, aber selbst das ist seit Corona gestrichen“, seufzt er. Momentan blieben ihm nur die Gespräche mit seiner 91-Jährigen Mutter, die ebenfalls in dem Heim wohnt. „Die Zeit vergeht so langsam. Aber die Briefe von Jola richten mich auf.“

Jola selbst ist auch dankbar, dass sie durch die VdK-Pinsel-Post ihren Brieffreund kennengelernt hat. „In Mayen habe ich eine Oma, aber die anderen wohnen weit weg in Pforzheim. Als die erste Antwort kam, fühlte es sich an, also ob ich einen neuen Opa hätte.“ Toll sei auch, dass Herr Krayer ihr bei den Schulaufgaben helfen will: „Für mich ist Mathe ein rotes Tuch, aber er kennt sich super aus!“

Inzwischen haben sich die beiden kennengelernt und auf Anhieb verstanden. „Ich hab‘ viel über die Gegend hier erfahren“, erzählt Jola nach ihrem Besuch im Pflegeheim. „Zum Beispiel weiß ich jetzt, wo man die besten Pfifferlinge findet!“ Umgekehrt zeigte sie Herrn Krayer, wie man auf dem Handy kurze Videoclips aufnehmen und bearbeiten kann.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner plant Jolas Familie, ein Balkonkonzert zu organisieren. „Meine Eltern haben mit dem Heim gesprochen, und wir dürfen eine Anlage auf dem Parkplatz aufbauen. Dann fragen wir die Bewohner nach ihren Musikwünschen, und das spielen wir dann.“ Andreas Krayer stellt sich auf viel Schlagermusik ein, würde aber am liebsten Rock hören: „Wenn irgendwas von ‚The Who‘ dabei ist, wäre ich schon glücklich.“

Michael Finkenzeller

Schlagworte Pinsel-Post | Freundschaft

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