8. Mai 2020

Rehabilitation in Zeiten von Corona

Das Coronavirus hat sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens durcheinandergebracht – auch die Rehabilitation bleibt nicht davon verschont. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Reha in Corona-Zeiten.

Reha in Zeiten von Corona? Unter bestimmten Voraussetzungen ist das möglich. | © pressfoto / Freepik

Sind die Reha-Kliniken aktuell geöffnet?


Das kann man allgemein so nicht sagen. Die Entscheidung trifft die Klinikleitung, sofern keine Verfügung eines örtlichen Gesundheitsamts vorliegt. Viele Reha-Kliniken sind weiterhin geöffnet; nur wenige mussten komplett schließen. Einige Einrichtungen haben aber einen Aufnahmestopp verhängt. In einigen Bundesländern, darunter Rheinland-Pfalz, werden Reha-Kliniken auch als Reserve-Krankenhaus vorgehalten, falls die Fallzahlen rasant steigen sollten.

Insbesondere Anschlussheilbehandlungen nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Krebstherapie werden weiterhin angeboten. Das gilt auch für Entgiftung und stationäre Reha für Abhängigkeitskranke.

Besuch sollte während der Reha nicht empfangen werden - auch nicht in der Kinder- und Jugendrehabilitation. Daneben wurden auch Gruppentherapien und Vorträge gestrichen oder umgeplant; die Schwimmbäder sind geschlossen.

Wie sieht es mit ambulanter Reha und Reha-Nachsorge aus?

Die meisten Gruppenangebote finden derzeit nicht statt. Einzelleistungen werden aber teilweise wieder angeboten, mitunter auch mit verändertem Zuschnitt. In vielen Fällen wird die Leistung auch per Telefon angeboten, zum Beispiel bei der ambulanten Rehabilitation Abhängigkeitskranker und der Suchtnachsorge.

Die Teilnahme ist aber immer freiwillig. Wer seine Nachsorge abbricht oder einzelne Termine ausfallen lässt, muss dafür derzeit nicht mit Konsequenzen rechnen, auch nicht bei der Bewilligung einer späteren Reha oder Rente.

Was passiert, wenn ich meine Reha abbrechen musste?


Viele Versicherte brachen ihre Reha ab, weil sie Vorerkrankungen haben oder weil sie wegen der Schul- und Kitaschließungen nun ihre Kinder betreuen müssen.

Eine ausgesetzte oder abgebrochene Reha-Maßnahme kann vereinfacht wieder aufgenommen werden, als sogenannte „Ersatz-Reha“. Die Reha-Kliniken haben dazu ein vereinfachtes Antragsformular von der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung gestellt bekommen, dass sie in nächster Zeit an RehabilitandInnen weiterleiten sollen, bei denen sie eine Weiterführung der Reha für notwendig erachten.

Kann ich jetzt meine bewilligte Reha antreten?

Sprechen Sie mit der Reha-Einrichtung, ob eine Reha derzeit möglich und sinnvoll ist. Fragen Sie sich aber auch selbst, ob Sie derzeit die Reise zur Klinik antreten wollen, und ob eine Reha für Sie aktuell eine Hilfe oder eine zusätzliche Belastung wäre.

Auch eine stufenweise Wiedereingliederung ist grundsätzlich weiterhin möglich, die Vorschriften haben sich nicht geändert. Sie kann bis zu sieben Tage unterbrochen werden. Dauert eine Unterbrechung länger, etwa weil der Arbeitgeber wegen der Pandemie geschlossen hat, gilt die Wiedereingliederung aber als beendet.

Was ist, wenn ich meine Reha aus Sorge vor einer Ansteckung verschieben möchte?


Es besteht derzeit keine Verpflichtung, eine Reha anzutreten. Man kann sich an den Reha-Träger wenden und eine Maßnahme unkompliziert verschieben. Versicherte, die von ihrer Krankenkasse oder der Arbeitsagentur zur Stellung eines Reha-Antrags aufgefordert worden sind, sollten die Verschiebung unbedingt auch mit dieser Stelle abklären.

Die Bewilligung einer Reha ist aktuell bis zu neun Monate gültig. Die Bewilligung einer Präventionsleistung gilt sogar für zwölf Monate. Auch die Fristen für Beginn, Unterbrechung und Abschluss einer Reha-Nachsorge sind derzeit um drei Monate verlängert, damit man Leistungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen kann. Anders sieht es bei der Anschlussheilbehandlung aus, die aus medizinischen Gründen nicht zu lange aufgeschoben werden sollte.

Im Übrigen sind Menschen, die tatsächlich an COVID-19 erkrankt sind oder sich in angeordneter Quarantäne befinden, gar nicht „rehafähig“. Sie können mit einem ärztlichen Attest die Reha ohne Weiteres absagen oder verschieben.

Kann ich weiterhin Reha-Anträge stellen?


Das ist möglich. Dabei sollten möglichst aussagekräftige ärztliche Unterlagen mit eingereicht werden, da der medizinische Dienst der Rentenversicherung derzeit keine persönlichen Begutachtungen durchführt. In Einzelfällen werden externe ärztliche Gutachterinnen und Gutachter benannt. Die Versicherten können eine persönliche Untersuchung aber ablehnen, ohne dass dies als mangelnde Mitwirkung eingestuft würde.

Was ist mit dem Übergangsgeld?

Die Zahlung von Übergangsgeld ist gesetzlich an die tatsächliche Durchführung einer Reha geknüpft. Wenn also keine Reha angetreten wird, findet auch keine Zahlung statt. Bei vorzeitigem Abbruch der Reha fließt das Übergangsgeld nur für den tatsächlich wahrgenommenen Zeitraum.

Bei beruflichen Bildungsmaßnahmen wird das Übergangsgeld weitergezahlt, weil an die Stelle des Präsenzunterrichts Onlinekurse oder Selbststudium treten. Die Bildungsträger sollen die hierfür erforderlichen Materialien zur Verfügung stellen.

Einige Versicherte müssen während einer Bildungsmaßnahme oder einer ambulanten Rehabilitation aber nun ihre Kinder betreuen, weil keine andere Betreuung mehr zur Verfügung steht. In diesen Fällen kann das Übergangsgeld bis zu zehn Tage im Jahr während der Betreuung weitergezahlt werden, ähnlich wie es auch beim Arbeitsentgelt der Fall ist.

Alternativen zum Übergangsgeld sind bei bestehender Erkrankung das Krankengeld oder, wenn der Anspruch bereits ausgeschöpft ist, das Arbeitslosengeld.

Moritz Ehl

Schlagworte Reha | Rehabilitation | Corona | Coronavirus

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