17. März 2020

Mit dem Taxi zum Arzt?

Krankenfahrten ohne Vorabgenehmigung der Krankenkasse

Wer kennt sie nicht, die Bürokratie bei Behörden? Unverständliche Fragen im Antrag, lange Bearbeitungszeiten, Warten auf Genehmigung oder Ablehnung. Bei der Krankenversicherung gibt es immerhin eine hilfreiche Nachbesserung: So greift bei den Fahrten zu ambulanten Behandlungen beim Arzt oder Zahnarzt seit 2019 eine gesetzliche Neuregelung.

Eine Straße, auf der Taxis fahren.
Hallo Taxi! Wer zum Arzt muss, kann nicht immer selbst dorthin fahren oder sich von einem Angehörigen bringen lassen. | © Pixabay

Die Neuerung kommt Versicherten mit den Pflegegraden 4 und 5 zugute. Auch Personen mit Pflegegrad 3 werden berücksichtigt, wenn ihre Mobilität dauerhaft eingeschränkt ist. Auch Menschen, die eine Schwerbehinderung haben und das Merkzeichen „aG“ für eine außergewöhnliche Gehbehinderung, „Bl“ für Blindheit oder „H“ für Hilflosigkeit, sollen entlastet werden. Diese Patient*innen können für ärztlich verordnete Fahrten zu einer Praxis auch ohne vorherige Erlaubnis der gesetzlichen Krankenkasse ein Taxi nehmen, für das die Kasse anschließend die Kosten übernimmt.

Grundlage der neuen Vorschrift ist eine sogenannte „Genehmigungsfiktion“. Dadurch gelten Krankenfahrten zu ambulanten Behandlungen für die genannten Personengruppen als genehmigt, sofern der Arzt eine ärztliche Verordnung ausgestellt hat. Man benötigt für die Fahrt daher keine Vorab-Genehmigung, sondern gibt die ärztliche Verordnung bei Fahrtbeginn dem Transportdienst.

Neben den Rechnungen für ein Taxi können die Krankenkassen auch Fahrten mit einem Privat-PKW, einem öffentlichen Verkehrsmittel oder etwa einem zur rollstuhlgerechten Mietwagen bezahlen. Welches Fahrzeug zu nehmen ist, richtet sich nach der jeweiligen medizinischen Notwendigkeit und wird vom Arzt festgelegt.

20 Cent pro Kilometer

Für die Fahrt mit einem PKW erhalten Versicherte 20 Cent pro Kilometer für die kürzeste Strecke zur medizinischen Einrichtung. Nutzt jemand ein öffentliches Verkehrsmittel, kann er oder sie seine Fahrkarte zur Kostenerstattung bei seiner Kasse einreichen.

Eine Einschränkung ist jedoch zu beachten: Die Kostenübernahme gilt nur für ambulante Behandlungen. Die Kosten werden nicht erstattet, wenn man beim Arzt ein Rezept abholen oder nach einem Befund fragen möchte.

Wichtig ist zudem, bei Taxifahrten vorher die Krankenkasse anzurufen, um zu klären, ob ein Vertrag mit einem Taxiunternehmen besteht und die Abrechnung für die Fahrt unmittelbar zwischen dem Taxiunternehmen und Krankenkasse erfolgt, oder man die Fahrt selbst bezahlen muss und danach die Kosten erstattet bekommt.

Gut zu wissen: In bestimmten Fällen können ärztlich verordnete Krankenfahrten zu ambulanten Behandlungen auch für andere Versicherte – nach vorheriger Genehmigung – übernommen werden. Dies gilt laut dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen etwa bei Fahrten zur onkologischen Strahlen- und Chemotherapie sowie zur ambulanten Dialysebehandlung.

Ärztlich verordnete Krankenfahrten zu einem stationären Klinik-Aufenthalt übernimmt die Krankenkasse automatisch, ohne dass der Patient zuvor eine Genehmigung einholen muss. Dies gilt auch für vor- und nachstationäre Behandlungen.

Grundsätzlich sind für Krankenfahrten Zuzahlungen zu leisten. Jeder Patient muss je Fahrt zehn Prozent der Kosten einer Beförderung, mindestens jedoch fünf Euro und höchstens zehn Euro, begleichen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass man die Kosten für eine Fahrt unter fünf Euro alleine trägt. Die Zuzahlung ist je Fahrtstrecke zu zahlen; auch dann, wenn das Fahrzeug auf Patienten wartet.

Jeder Patient ist gesetzlich dazu verpflichtet, Zuzahlungen bis zur persönlichen Belastungsgrenze zu übernehmen. Bei chronisch Kranken, die wegen derselben Krankheit in Dauerbehandlung sind, wird nur ein Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt herangezogen.

Ida Schneider

Schlagworte Krankenkasse | Kostenerstattung

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