31. März 2020

Digitaler Wandel im Gesundheitswesen!?

VdK-Bestandsaufnahme: Welche Angebote gibt es im Land?

In der Corona-Pandemie rufen alle nach digitalen Alternativen. Plötzlich soll möglich werden, was lange als Zukunftsmusik galt. Der VdK hat bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus mit Gesundheitsexperten darüber gesprochen, wie digital das Gesundheitswesen in Rheinland-Pfalz ist. Eine ernüchternde Bestandsaufnahme:

In Rheinland-Pfalz gibt es wenige digitale Anwendungen und auch einen Arzt mit Online-Sprechstunde sucht man vergeblich. | © AdobeStock/Elnur

Video-Sprechstunden

Seit 2019 dürfen Ärzte Online- oder Videosprechstunden anbieten und können diese Leistung abrechnen. Doch wer bei der Internet-Suchmaschine „Google“ die Begriffe „Hausarzt“ und „Online-Sprechstunde in Rheinland-Pfalz“ eingibt, dem werden null Treffer angezeigt. Auch eine Suche über die „Ärzte-Finder“-Seite der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz hilft nicht weiter. Gibt es also keinen einzigen Arzt in Rheinland-Pfalz, der Online-Sprechstunden anbietet? „Nicht alle Ärzte bewerben ihr Leistungsangebot im Internet, daher ist eine Google-Recherche nur begrenzt aussagefähig“, erklärt Stefan Holler, Sprecher der (KV) Rheinland-Pfalz in einem Gespräch vor Ausbruch des Coronavirus. „Es gibt mehrere Ärzte, die dieses neue Instrument zumindest testen.“

Fazit des VdK: Video-Sprechstunden in Rheinland-Pfalz befinden sich noch in der Testphase. Doch scheint die Coronakrise plötzlich einige Ärzte zum Umdenken zu bewegen. Schade, dass es erst einer Krise bedurfte, um die Digitalisierung voranzutreiben. Voraussetzung bleibt aber, dass alle Haushalte mit Breitband-Internetzugängen ausgestattet sind. Doch genau hier gibt es in ländlichen Regionen immer noch Probleme.

App auf Rezept

Seit Anfang des Jahres können Gesundheits-Apps fürs Handy auf Rezept von der Krankenkasse bezahlt werden. Der VdK hat bei zwei großen Krankenkassen in Rheinland-Pfalz, der Techniker und der AOK, nachgefragt. Während bei der AOK Anfang 2020 noch keine Anfragen bezüglich der App vorlagen, gab es bei der Techniker Krankenkasse (TK) zumindest ein paar. Cornelia Benzing, Pressesprecherin der TK Rheinland-Pfalz: „Dies liegt daran, dass das Gesetz zwar zum Januar in Kraft getreten ist, jedoch noch keine konkreten Regelungen bestehen. Ebenso ist die Grundlage für die Umsetzung, die Rechtsverordnung noch nicht in Kraft. In dieser sind die Anforderungen, die die Hersteller von digitalen Gesundheitsanwendungen erfüllen müssen, benannt. Daher gibt es aktuell auch noch keine digitale Anwendung, die von Krankenkassen erstattet werden kann.“ Beide Krankenkassen rechnen aber mit einer steigenden Anfrage in der zweiten Jahreshälfte.

Fazit des VdK: Noch haben Patienten keinen Nutzen von der neuen Gesetzesregelung für Apps, da die nötigen Rahmenbedingungen fehlen. Schade, dass hier die Bürokratie den digitalen Fortschritt verzögert. Denn dass sinnvolle Apps gerade für chronisch Kranke eine Hilfe und Erleichterung sein können, zeigen Krankenkassen-eigen Apps. So wird laut TK zum Beispiel die Allergie-App „Husteblume“ von Heuschnupfen-Geplagten gut angenommen.

E-Akte kommt 2021

Die elektronische Akte (E-Akte) soll Patienten zur freiwilligen Nutzung ab 2021 angeboten werden. Grundsätzlich soll jeder Versicherte seine E-Akte selbst verwalten und bestimmen, welche Daten darin gespeichert werden und wer diese einsehen darf. Was genau die digitale Patientenakte enthalten soll und kann, ist noch nicht bekannt. Geplant ist zum Beispiel ein digitaler Impfpass, der in die E-Akte übertragen werden kann. So sollen zum Beispiel Mediziner und Patienten sehen können, wann und wo die letzte Tetanus-Impfung stattfand. Angedacht ist auch, dass das Zahn-Bonusheft sowie die U-Untersuchungen für Kinder und der Mutterpass in die E-Akte übernommen werden.

Einige Krankenkassen sind beim Thema E-Akte dem Gesetzgeber schon voraus. Mit der App „TK-Safe“ bietet die Techniker Krankenkasse ihren Mitgliedern bereits eine elektronisTK-Sprecherin Benzing. „Das zeigt sehr eindrucksvoll, dass ein entsprechender Bedarf vorhanden ist.“ Aus Nutzerbefragungen weiß die TK, dass insbesondere die Übertragung der TK-Abrechnungsdaten sehr gut ankommt. So erhalten Patienten einen Überblick über Diagnosen und Kosten. Dies habe es in dieser Form noch nie gegeben, so Benzing.

Fazit des VdK: Dafür, dass bereits in wenigen Monaten die E-Akte allen Versicherten freiwillig zur Verfügung stehen soll, ist bisher wenig über ihre Funktionen bekannt. Auf Nachfrage stehen jedoch sowohl die Krankenkassen als auch die KV RLP der Einführung positiv gegenüber.

KV-Sprecher Stefan Holler begrüßt, dass für Ärzte, die Patienten bei der Anlage und Verwaltung ihrer Daten in der E-Akte beraten, eine Vergütung vorgesehen ist. Jan Rößler, Sprecher der AOK, findet es gut, dass der Versicherte selbst bestimmen kann, welche Dokumente er in seine E-Akte einstellt: “Somit bleibt er Herr seiner Daten.“

Ältere abgehängt?

Auch wenn die Digitalisierung im Gesundheitswesen eher gemächlich voranschreitet, was ist mit älteren oder technisch ungeübten Menschen? Wie sollen sie mit den Neuerungen umgehen? TK-Sprecherin Cornelia Benzing beruhigt, die Papierform werde weiterhin bestehen bleiben. Außerdem: „Die elektronische Patientenakte bietet auch einen Zugang ohne Smartphone. Mit der elektronischen Gesundheitskarte und einer PIN können Leistungserbringer - nach Freigabe durch den Nutzer - Daten in die Akte einspielen oder abrufen“, sagt Benzing.

Zusätzlich soll es ab 2022 eine Vertreter-Regelung geben, so dass vom Versicherten beauftragte Geschwister oder Freunde die E-Akte verwalten könnten.

Fazit des VdK: Niemand muss derzeit befürchten, dass er durch digitale Neuerungen im Gesundheitswesen abgehängt wird. Alle neuen Leistungen wie Apps oder E-Akte sind eine ergänzende Leistung zu dem bisherigen Angebot. Für einige werden sie eine Erleichterung im Alltag sein. Aber wer sie nicht nutz, hat keine Nachteile.

Corona-Pandemie als Entwicklungsschub?


Und wer weiß, vielleicht wird die Corona-Krise für einen digitalen Entwicklungsschub im Gesundheitswesen sorgen. Der VdK wird nach der Krise noch einmal mit Gesundheitsexperten zu dem Thema sprechen, um zu sehen, was sich verändert hat.

Katie Göttlinger

Schlagworte Online-Sprechstunde | Telemedizin | Gesundheut | Digital | App | Rezept

Wo Telemedizin getestet wird

Eine Ärztin misst im Videochat Blutdruck mit einer Patientin. | © AdobeStock/M.Dörr & M.Frommherz

Patienten mit Herzinsuffizienz haben im Eifelkreis Bitburg-Prüm zwischen den Arztbesuchen zu Hause Gewicht, Blutdruck und Puls gemessen; diese Daten wurden dann automatisch an ein Telemedizinzentrum übertragen. Zusätzlich entsteht im Projekt „Herzverbund Rheinland-Pfalz“ beim Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein am Standort St. Elisabeth-Krankenhaus Mayen seit 2019 ein Telemedizin-Zentrum, das 100 Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten eng begleitet. Eine Smartphone-App ermöglicht die Erfassung wichtiger Werte mit Hilfe moderner Messgeräte und die Übertragung an das Monitoring-Team. Die App bietet auch ein digitales Gesundheitstagebuch und nützliche Hilfen für den Umgang mit der Erkrankung.

Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen aus Eifel, Hunsrück und Westerwald wurde 2017 und 2018 telemedizinisch betreut. Die Betroffenen übertrugen per App und ein Funkmessgerät Daten an einen Arzt, der daraufhin die Behandlung immer wieder anpasste.

Psychisch kranke Patienten konnten in einer Krise per Video-Chat Hilfe in der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach erhalten.

Mit dem Projekt „Telemedizin-Assistenz“ will das Sozialministerium nichtärztliche Praxisassistentinnen telemedizinisch fortbilden. Die Telemedizinassistenten sollen bei Hausbesuchen Gesundheitswerte digital an die Praxis übermitteln. Videotelefonate zwischen Patienten und Arzt sollen auch möglich sein. Das Vorhaben soll als Modellprojekt in vier vorwiegend ländlichen Regionen für zwei Jahre getestet werden. Voraussetzung: In den Regionen wollen sich genügend Arztpraxen beteiligen.

+++ Wichtige Hinweise +++
+++ VdK-Beratungsangebot +++


Stand: 20. März 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Coronavirus muss der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz sein Beratungsangebot einschränken. Wir bitten alle Mitglieder, von persönlichen Vorsprachen abzusehen. Kontaktieren Sie Ihren zuständigen Kreisverband telefonisch, per Fax oder vorzugsweise per E-Mail. Die Adressen finden Sie hier.

An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit großem Engagement und an der Grenze der Belastbarkeit arbeiten. Es ist eine schwierige Zeit, in der wir alle zusammenhalten müssen.

Wir beobachten die Nachrichtenlage und informieren Sie auf unserer Homepage, per Newsletter und auf den sozialen Medien.

Rolf Burdack,
Landesverbandsgeschäftsführer

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Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz schult ehrenamtliche Richter. Mehr Infos

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Symbolfoto: Zwei junge Frauen bei der Beratungsstelle einer Krankenkasse.
© AOK-Mediendienst

Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz bietet für seine Mitglieder Beratung in allen Angelegenheiten des Sozialrechts.

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