9. März 2020

Wenn Unterleibsschmerzen unerträglich sind

Endometriose: Die unterschätzte „Chamäleon-Krankheit“

Starke Unterleibsschmerzen und Blutungen bis hin zu unerfülltem Kinderwunsch: Endometriose hat unterschiedliche Symptome und viele Ausprägungen. Deshalb ist es schwierig, die Krankheit zu erkennen. Das größte Problem ist jedoch, dass immer noch zu wenige Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen von dieser Krankheit wissen.

"Stell dich nicht so an — da musst du als Frau durch!": Viele Frauen fühlen sich mit ihren Schmerzen im Regen stehen gelassen. Dabei kann die Ursache für starke Unterleibsschmerzen Endometriose sein. | © Aline de Nadai / Unsplash


„Im Schnitt dauert es sechs bis zehn Jahre bis Betroffene eine Diagnose erhalten“, sagt Dr. med. Robinson Ferrara, Leiter des Endometriosezentrums im Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden. In den letzten 15 Jahren hat er sich auf die Diagnose und Behandlung von Endometriose spezialisiert und viele Frauen nach ihrer langen Schmerz-Odyssee behandelt. „Viele Frauenärzte erkennen die Symptome nicht, weil sie denen von Regelschmerzen ähneln. Manche Gynäkologen belächeln Endometriose sogar als Modeerscheinung“, kritisiert Ferrara.

Dabei ist es eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen: 15 Prozent aller Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren haben Endometriose. Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 40.000 Frauen daran; etwa die Hälfte der Patientinnen leiden chronisch an dieser sogenannten „Chamäleon-Krankheit“. Ein Chamäleon kann die Form seines Körpers und seine Farbe ändern. Auch die Auswirkungen der Krankheit auf die Frauen kann unterschiedlicher nicht sein. Manche spüren nichts, manche haben starke Schmerzen und manche Frauen können nur noch eingeschränkt arbeiten gehen.

Was ist Endometriose?


Bei einer Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an. Dieses Gewebe reagiert auf hormonelle Veränderungen, kann dadurch wachsen und bluten. Es siedelt sich an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell an. Die meisten Frauen haben Unterleibsschmerzen vor und während der Periode und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Wenn die sogenannten „Endometriose-Herde“ Eileiter befallen, wird es für die Frauen schwierig, schwanger zu werden. Wie es dazu kommen kann, dass sich diese Herde bilden, ist bis heute unklar. Sie sind zwar gutartig, aber häufig chronisch.

Wie wird die Krankheit festgestellt?


Eine Diagnose kann erst durch eine Bauchspiegelung erfolgen; ein Ultraschall reicht dafür meistens nicht aus. Therapiert wird die Krankheit mit Schmerztabletten oder einer hormonellen Behandlung. Die Herde können auch operativ entfernt werden. Nach der Entfernung des Gewebes wird es besser, oft entstehen jedoch Herde wieder neu.

Dr. med. Robinson Ferrara operiert etwa 300 bis 350 Patientinnen im Jahr in Kirchheimbolanden. Neben dem Westpfalz-Klinikum gibt es in Rheinland-Pfalz noch ein zweites zertifiziertes Endometriosezentrum in der Mainzer Uniklinik. An beiden Standorten arbeiten speziell geschulte Ärztinnen und Ärzte.

Wie kann der VdK helfen?


Die gesundheitliche Situation kann sich bei manchen Frauen auf die Erwerbsfähigkeit auswirken. Unter bestimmten Voraussetzungen haben die Betroffenen einen Anspruch auf berufliche oder medizinische Rehamaßnahmen. Auch Umschulungsmaßnahmen sind möglich. Wenn sie nach diesen Maßnahmen immer noch nicht erwerbsfähig sind, könnten sie eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz kann den Betroffenen in diesen Fällen helfen und sie bei den Anträgen beraten. Stark betroffene Frauen weisen noch andere Erkrankungen auf, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen kann. In solchen Fällen kann gemeinsam mit dem Sozialverband VdK ein Antrag auf Schwerbehinderung gestellt werden.

Kontakt

Die VdK-Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Geschäftsstellensuche.

Martha Lubosz

Schlagworte Endometriose | Reha | Erwerbsminderungsrente | Schwerbehindertenausweis | Gynäkologie

Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

Auf der Internetseite der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. findet man viele Informationen über die Krankheit und zu Unterstützungsangeboten. Die Mitglieder des Vereins unterstützen sich auf ihrem Weg und teilen ihre Erfahrungen miteinander. Der Verein klärt nicht nur über die Krankheit auf, sondern gibt den Patientinnen eine Lobby, damit alle Betroffenen angemessene Unterstützung finden. Auf der Internetseite kann man eine Selbsthilfegruppe in der Nähe finden. In Rheinland-Pfalz gibt es Selbsthilfegruppen in Kirchheimbolanden, Koblenz, Mainz und Trier.

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