2. Dezember 2019

Es geht um Tod, Schmerz und Angst

Ehrenamtliche kümmern sich in Kliniken um Beschwerden

Patientenfürsprecher haben in Krankenhäusern ein offenes Ohr für Nöte, Sorgen und Beschwerden von Kranken. Doch längst nicht jeder kennt die Ehrenamtlichen und ihre Aufgaben.

© AOK-Mediendienst


Dem Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz berichten seine Mitglieder immer wieder, dass sie als Patienten Hemmungen haben, bei Problemen Pflegepersonal oder Klinikleitung direkt anzusprechen und zu kritisieren. Deshalb sind Patientenfürsprecher wichtige Anlaufstellen in der Klinik. Sowohl sie als auch der VdK setzten sich für das Wohl der Patienten ein. Während der VdK jedoch die sozialrechtlichen Ansprüche seiner Mitglieder durchsetzt - zum Beispiel über Widersprüche oder Klagen - nehmen Fürsprecher eher eine vermittelnde Position ein.

Lore Müller ist Patientenfürsprecherin in der Mainzer Universitätsmedizin. Kaum ist die 75-Jährige auf eine der zentralen Straßen auf dem Klinikgelände eingebogen, kommt sie aus dem Grüßen kaum noch heraus. Fast jeder kennt sie - Ärzte, Pfleger, Patienten, Haustechniker. Vor 52 Jahren kam sie an die größte rheinland-pfälzische Klinik, erst als Krankenschwester, dann als Pflegedienstleitung für verschiedene Kliniken. Seit Beginn ihrer Rente vor neun Jahren ist sie Patientenfürsprecherin und kümmert sich ehrenamtlich um Nöte, Sorgen und Beschwerden von Kranken.

200 Beschwerden pro Jahr


"Am Anfang war das nicht so einfach", erinnert sie sich. Plötzlich habe sie als ehemalige Bedienstete auf der anderen Seite gestanden. Was sie braucht: ein offenes Ohr, Einfühlungsvermögen und Geduld. "Man kann manchmal nur bitten und nicht gleich auf den Tisch hauen." Zweimal in der Woche bietet sie eine Sprechstunde an. Es gebe auch ein klinikinternes Beschwerdemanagement. Doch viele wendeten sich lieber an sie als unabhängige Ansprechpartnerin. "Es ist häufig immer noch so, dass Patienten Hemmungen haben, sich auf der Station zu beschweren." Sie fürchteten zu Unrecht, nicht mehr so gut behandelt zu werden.

Müller sieht sich als Vermittlerin zwischen Patient, Angehörigen und Klinikpersonal. Patienten wenden sich persönlich, per Mail, Brief oder Telefon an sie. Rund 200 Beschwerden landen pro Jahr auf Müllers Tisch - die hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. Früher sei es häufig um mehrfache Verlegungen von Operationen gegangen, heute werde öfter kritisiert, dass unzureichend kommuniziert werde. Auch Patientenverfügungen seien seit wenigen Jahren ein großes Thema, Angehörige oder Betreuer sähen sich nicht immer genügend eingebunden.

Der Sprecher aller Fürsprecher


Müllers Kollege an der DRK Fachklinik Bad Neuenahr, einem Fachkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ist Udo Stratmann. Der 72 Jahre alte pensionierte Förderschullehrer ist dort seit sechs Jahren aktiv und auch eine Art Sprecher aller Fürsprecher in Rheinland-Pfalz. Er sagt, viele Menschen wüssten noch immer nicht, dass es diese Ansprechpartner in Kliniken gebe. Er wünscht sich, dass alle Patienten bei der Aufnahme einen Zettel mit Infos dazu an die Hand bekämen. Das werde in den Kliniken unterschiedlich gehandhabt.

Müller zufolge drehen sich Beschwerden bei Fürsprechern immer wieder um das Essen, die Reinigung von Bett und Zimmer, Telefon- und Fernsehanlagen oder Wartezeiten bei klinikinternen Transporten. "Das Gesundheitswesen verändert sich", sagt Müller. Das beobachte sie an Häusern in ganz Deutschland. Es fehle an Personal; Mitarbeiter seien vielfach überlastet und neue Fachkräfte seien nur schwer zu finden.

Die nicht immer einfache Situation für Pfleger und Ärzte müsse mit berücksichtigt werden, sagt Müller. Auch sie würden sich manches anders wünschen. Wichtig sei bei ihrem Job eine gewisse Priorisierung bei Beschwerden. "Sie müssen ein Gefühl dafür haben, was dringlich ist." So oder so sucht Müller möglichst schnell das persönliche Gespräch. Das komme in Zeiten von Mails und dergleichen zu kurz.

93 Ansprechpartner in Rheinland-Pfalz


Insgesamt gibt es in Rheinland-Pfalz dem Gesundheitsministerium zufolge 93 Patientenfürsprecher in Kliniken. Geregelt ist alles im Landeskrankenhausgesetz. Dort heißt es etwa, für jedes Krankenhaus ist vom zuständigen Kreis- oder Stadtrat im Einvernehmen mit dem Krankenhausträger ein Fürsprecher zu wählen, Klinik-Angestellte sind nicht wählbar. Dem Gesetz nach sollen Fürsprecher Anregungen und Beschweren von Patienten oder deren Bezugspersonen entgegennehmen und prüfen, Klinikgremien und Behörden darüber berichten, auch Fürsprecher unterliegen einer Verschwiegenheitspflicht.

Lore Müller in Mainz berichtet, manche Fälle ließen sich mit einem Telefonat erledigen, andere seien sehr komplex. Es gehe viel um Tod, Schmerz, Angst - auch von Angehörigen. "Das sind dann Gespräche, die mich zum Teil noch lange beschäftigen", sagt Müller. Zwei Jahre will sie noch weitermachen, dann möchte sie ihr Amt an eine Nachfolgerin abgeben.

dpa/Christian Schultz

Schlagworte Patient | Patientenfürsprecher | Klinik | VdK

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