13. August 2019

Wenn das Eis zum Luxus wird

Kinderarmut: Studie zeigt wachsende soziale Ungleichheit – Sozialverband VdK fordert mehr Teilhabe

Zoobesuche, Eisessen, Freibad - für die meisten Kinder ist das selbstverständlich, für arme Kinder ein seltener Luxus. Und ihre Situation verschlechtert sich stetig, auch in Rheinland-Pfalz. Das zeigt eine neue Studie des Paritätischen Gesamtverbands. Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz fordert Gegenmaßnahmen nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene.

Eisliebe: Doch wer arm ist, schaut anderen beim Essen zu. | © Dmitry Lobano / fotolia.com

Arme Familien haben weniger Geld für ihre Kinder zur Verfügung als noch vor zehn Jahren, so eine Studie des Paritätischen Gesamtverbands. Reiche können sich dagegen immer mehr leisten. Das bundesweite Problem betrifft auch Rheinland-Pfalz, wo die Kinderarmutsquote mit 20,8 Prozent leicht über dem Durchschnitt liegt. Die Folgen für die Betroffenen sind schwerwiegend. „Ein gleichberechtigtes Aufwachsen ist für Kinder in einkommensarmen Haushalten nicht möglich. Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich manifestiert sich am Ende im sozialen Ausschluss der Kinder“, so Andreas Aust, ein Mit-Autor der Studie.

„Wenn arme Kinder immer weiter abgehängt werden, haben wir bald eine verlorene Generation“, warnt Willi Jäger, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz. „Denn wer das Gefühl hat, nicht dazuzugehören, leidet darunter und hat weniger Selbstbewusstsein. Das beeinträchtigt die schulischen Leistungen und später den Berufsweg.“

Für die Studie hatten Forscher sich die Konsummöglichkeiten von Familien angeschaut. Dafür untersuchten sie Daten des Statistischen Bundesamts von 2003 bis 2013 aus rund 6,8 Millionen Haushalten.

So konnten sich die ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte mit einem Kind nur 364 Euro für ihr Kind leisten. Die reichsten zehn Prozent gaben dagegen im Schnitt 1.200 Euro im Monat aus. Durchschnittlich lagen die Ausgaben für ein Kind bei rund 600 Euro. Besonders groß waren die Unterschiede beim sozialen Grundbedarf. Insgesamt konnten die ärmsten Paarhaushalte gerade einmal 44 Euro pro Monat für Freizeit, Unterhaltung und Kultur mit Verpflegung ihres Kindes ausgeben; preisbereinigt sind das fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahre.

„Und bei mehreren Kindern oder Alleinerziehenden dürfte die Situation noch dramatischer sein“, ergänzt Jäger. Tatsächlich belasten Ausgaben für Kinder arme Familien sehr stark. Durchschnittlich lagen die Konsumausgaben für ein Kind bei 21,5 Prozent. Bei zwei Kindern stieg der Anteil auf 32,7 Prozent, bei drei auf 41,8 Prozent. Alleinerziehende mit einem Kind waren mit 35,1 Prozent überdurchschnittlich belastet; bei zwei Kindern stieg der Anteil an den Gesamtausgaben sogar auf 45,3 Prozent.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband möchte einen Rechtsanspruch auf Teilhabe im Kinderund Jugendgesetz festschreiben. Manche Leistungen wie der steuerliche Kinderfreibetrag würden die Spaltung noch vertiefen, weil sie Besser- und Spitzenverdiener stärker entlasteten als den Durchschnitt. Kinder bräuchten mehr kostenlose Freizeitangebote und höhere Hartz-IV-Sätze.

„Die Forderungen richten sich an die Bundesregierung, aber auch das Land kann mehr tun“, so VdK-Landesverbandsvorsitzender Jäger. „Das Bildungs- und Teilhabepaket reicht nicht aus, damit Kinder wirkliche Teilhabe erleben. Denn viel hängt von den Eltern ab. Wer jeden Cent fürs alltägliche Leben braucht, abseits auf dem Land wohnt oder schlicht keine Lust hat, bringt sein Kind nicht in die Theatervorstellung. Teilhabe muss auch dort angeboten werden, wo die Kinder sind: in der Schule!“ Dafür müsse die Landesregierung entsprechende Gesetze erlassen und die Schulen finanziell ausstatten.

„Und wer behauptet, das koste zu viel Geld, sollte sich überlegen, wie viel ein späterer Sozialfall kostet“, so Jäger abschließend. „Wenn wir frühzeitig Ausgrenzung verhindern und damit den Kindern alle Lebenswege offenhalten, dann haben wir alles richtig gemacht.“

Michael Finkenzeller

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