Berufskrankheiten im Blick

Ehrenamtliche Sozialrichter besprechen gemeinsam mit Experten komplizierte Praxisfälle

Wer zahlt eigentlich, wenn sich eine Mitarbeiterin im Homeoffice auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz auf der Kellertreppe verletzt? Und kann man bei „Burn-out“ von einer Berufskrankheit sprechen? Zu diesen Fragen informierte ein Rechtsreferent anlässlich der Arbeitstagung der 37 ehrenamtlichen Sozialrichter aus dem „Kreis der Versicherten“.

Jürgen Riebel (rechts), Vizepräsident am Landessozialgericht, moderierte die Arbeitsgruppen bei der Besprechung
ihrer Praxisfälle. | © Dominika Klemmer

Die gesetzliche Unfallversicherung ist wohl der am wenigsten bekannte Zweig der deutschen Sozialversicherung. Sie sichert alle Arbeitnehmer gegen die Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ab. Ob im Einzelfall ein Unfall oder eine Krankheit vorliegt, entscheidet zunächst der Unfallversicherungsträger. Doch nicht selten landen solche Fälle vor den Sozialgerichten, wo auch die vom VdK vorgeschlagenen, ehrenamtlichen Sozialrichter mitentscheiden müssen.

Um die Sozialrichter für ihre Aufgabe zu wappnen, gab Wolfgang Keller, Richter am Landessozialgericht a. D., den Teilnehmern einen praktischen Überblick über die Leistungsansprüche in der gesetzlichen Unfallversicherung Dabei erklärte er zunächst, wer überhaupt als versicherte Person in Frage kommt. Hauptsächlich sind dies Beschäftigte und Lernende, aber auch Kinder oder ehrenamtlich Tätige fallen darunter.

Keller erläuterte die verschiedenen Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten, die eine versicherte Person geltend machen kann. So handelt es sich beispielsweise um einen Wegeunfall, wenn sich eine Frau, die regelmäßig im Homeoffice arbeit, nach einem Messebesuch auf dem Weg zu ihrem Büro auf der Kellertreppe verletzt. Hingegen ist die Diagnose „Burn-out“ in der Regel kein Arbeitsunfall, zumal die Einwirkungen innerhalb einer Arbeitsschicht keine „wesentliche Mitursache“ einer schweren psychischen Erkrankung darstellen.

Abschließend stellte Keller verschiedene Leistungen vor, die verletzte oder erkrankte Personen im Leistungsfall beanspruchen können. Dazu gehören Präventionsmaßnahmen, Leistungen zur Rehabilitation und Entschädigung in Form von Verletztengeld, Übergangsgeld, Rente oder Leistungen bei der Pflege.

Am zweiten Schulungstag ging es dann von der Theorie in die Praxis: Unter der Anleitung von Jürgen Riebel, Vorsitzender Richter des Landessozialgerichts, diskutierten die Teilnehmer über echte Praxisfälle.

VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger dankte den ehrenamtlichen Richtern für ihr außerordentliches soziales Engagement und dafür, dass sie sich immer Zeit für Fortbildungen nehmen. Rund 1.000 ehrenamtliche Sozialrichter gibt es in Rheinland-Pfalz; zehn Prozent von ihnen stellt der Sozialverband VdK, davon kommen 37 aus dem „Kreis der Versicherten“ und 65 aus dem „Kreis der Versorgungsberechtigten und behinderten Menschen“. Auch Jürgen Abt, Leiter der VdK-Rechtsschutzstelle Rheinland-Pfalz, betonte die Bedeutung der ehrenamtlichen Richter für die Rechtspflege und dankte den Teilnehmern für ihr gesellschaftliches
Engagement.

Dominika Klemmer

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