16. Juni 2019

Rentenerhöhung: plötzlich droht die Steuerpflicht

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums rutschen circa 48.000 Rentner in die Steuerpflicht

Rentner können sich auch in diesem Jahr über mehr Geld freuen: Im Westen wird die Rente um 3,18 Prozent angehoben, aufgrund der Rentenangleichung in den neuen Bundesländern sogar um 3,91 Prozent. Mit dieser positiven Entwicklung steigen aber auch die steuerlichen Pflichten. Wir haben beim Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland e. V. (Steuerring) nachgefragt und mit Rudolf Gramlich, Leiter der Steuerfachabteilung, gesprochen.

© © Steuerring


Herr Gramlich, können Rentner aufgrund der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2019 erstmals in die Steuerpflicht geraten?

Das ist durchaus möglich. Der Grundfreibetrag ist zwar im Jahr 2019 von 9000 Euro auf 9168 Euro pro Person gestiegen, die Renten werden aber prozentual stärker erhöht als der Grundfreibetrag. Nach statistischen Angaben des Bundesfinanzministeriums rutschen damit circa 48 000 Rentner in die Steuerpflicht.

Und dann steigt noch der steuerpflichtige Anteil an der Rente?

Ja, allerdings nur für Neurentner. Wer 2018 in den Ruhestand ging, musste 76 Prozent versteuern. 2019 sind es bereits 78 Prozent. Für Neurentner ab dem Jahr 2040 gehören dann 100 Prozent der Rente zum steuerpflichtigen Einkommen.

Wer schon längere Zeit Rentner ist hat einen niedrigeren Prozentsatz. Jeder Rentner kann somit leicht den steuerpflichtigen Anteil errechnen.

Leider nicht. Wer zum Beispiel 2010 in den Ruhestand ging, muss 60 Prozent seiner Rente versteuern. Der Prozentsatz bleibt grundsätzlich erhalten. Allerdings werden alle Rentenerhöhungen ab dem Jahr 2011 im vollen Umfang dem steuerpflichtigen Anteil hinzugerechnet. Tatsächlich ist der steuerpflichtige Anteil unserer Beispielperson 2019 höher als 60 Prozent. Auch deshalb sollten Rentner prüfen, ob sie bereits steuerpflichtig sind.

Manchmal wird die Auffassung vertreten, dass eine Rentenerhöhung nichts bringt. Die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung und die möglichen Steuern „fressen“ alles auf, oder es verbleibt sogar ein Minus. Können Sie das bestätigen?

Diese Angst ist unbegründet. Die Anteile für Kranken- und Pflegeversicherung betragen maximal neun Prozent. Sollte man aufgrund der Rentenerhöhung tatsächlich in die Steuerpflicht rutschen, beginnt die Besteuerung mit dem niedrigen Eingangssteuersatz von circa 15 Prozent. Beispiel: Bei einer Rentenerhöhung von 600 Euro im Jahr beläuft sich die Abgabelast auf etwa 144 Euro. Es bleiben somit 456 Euro übrig.

Ab welcher Rentenhöhe sollte sich ein Rentner mit seinen steuerlichen Pflichten beschäftigen?

Wer Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezieht, ledig ist und im Jahr 2018 erstmals Rente erhalten hat, sollte bei einer Jahresbruttorente von circa 12 000 Euro nachrechnen. Liegen neben der gesetzlichen Rente noch Einnahmen aus einer Betriebsrente oder weitere Einkünfte – zum Beispiel aus einer Vermietung – vor, setzt die Steuerpflicht früher ein.

Ein Rentnerehepaar muss ab einer gemeinsamen Jahresbruttorente von 24 000 Euro achtsam sein.

Gibt es für Rentner bei der Steuer­erklärung eine Abgabepflicht und muss er von sich aus handeln?

Ein Rentner ist dazu verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, wenn er mit all seinen Einkünften über den Grundfreibetrag von 9.000 Euro (Steuerjahr 2018) kommt. Ob er auch Steuern zahlen muss, ist damit aber nicht gesagt. Er sollte auf jeden Fall selbst aktiv werden und nicht auf eine Aufforderung vom Finanzamt warten.

Wie kann ein Rentner Steuern ­sparen?

Indem er eine Steuererklärung macht. Denn Ausgaben für beispielsweise Versicherungsbeiträge, Spenden, Krankheitskosten oder Pauschbeträge für behinderte Menschen verrechnet das Finanzamt mit dem steuerpflichtigen Teil der Rente. Der Handwerkerbonus von 20 Prozent der Arbeitskosten steht Rentnern selbstverständlich auch zu.

Unterstützung durch den Steuerring

Ihnen ist das alles zu kompliziert? Dann wenden Sie sich an den Steuerring. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie über das Infotelefon unter der Nummer 0800 9 78 48 00 oder unter www.steuerring.de. Selbstverständlich unterstützt Sie auch Ihr VdK-Orts- oder Kreisverband gerne bei der Suche.

0800 9 78 48 00 (kostenfrei)

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Rudolf Gramlich/klem

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