26. März 2019

Im Rollstuhl zu den Orang-Utans

Interview mit Aktivist, Buchautor und Filmemacher Benni Over

Der 28-jährige Benni Over aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz ist an schleichendem Muskelschwund erkrankt, sitzt im Rollstuhl und muss von einer Maschine beatmete werden. Das hält ihn nicht davon ab, gegen die Abholzung des Regenwalds zu kämpfen. Dafür ist er sogar nach Indonesien gereist. Mit der VdK-Redaktion sprach Benni Over über abenteuerliche Reisen, Palmöl als Klimakiller und Schildbürgerstreiche.

Benni Over geht auf die beschwerliche Reise in den indonesischen Dschungel. | © Over


Herr Over, Sie können nur noch Ihre Finger bewegen und das Sprechen fällt Ihnen schwer. Trotzdem sind Sie aktiver und engagierter als die meisten Menschen. Wie geht das?

Mit Herz, unbedingtem Willen, Kreativität und natürlich der Hilfe meiner Familie.

Sie haben sich die Rettung der Orang-Utans auf die Fahnen geschrieben. Wieso?

Orang-Utans spielen eine wichtige Rolle für den Regenwald, für das gesamte Öko-System. Zum Beispiel ernähren sie sich von Insekten wie zum Beispiel Termiten, die junge Urwaldbäume angreifen. Gleichzeitig düngt ihr Kot den Waldboden. Man bezeichnet sie auch als Gärtner des Regenwaldes. Trotzdem gehören Orang-Utans zu den akut bedrohten Tierarten. Der Mensch entreißt ihnen den Lebensraum. Ich habe mit eigenen Augen riesige gerodete Waldflächen gesehen, bin an kilometerlangen Palmölpflanzungen vorbeigefahren, habe vergiftete Flüsse überquert.

Sie sprechen von Ihrer Reise nach Indonesien im Jahr 2016. Wie haben Sie das organisatorisch gestemmt?

Das war ein hartes Stück Arbeit, sehr aufwendig. Zum Glück haben unsere Partner in Indonesien alles perfekt geplant. Allein die insgesamt zehn Flüge mit unterschiedlichen Fluggesellschaften waren eine Herausforderung. Ich reise ja nicht wie ein gesunder Mensch, sondern habe viel mehr Gepäck dabei: Vier große Koffer, zehn Handgepäckkoffer, Rucksäcke und mein Rollstuhl. Das ist ein riesiger logistischer Aufwand. Alles muss angemeldet werden. Bei den Fluggesellschaften müssen wir ein ärztliches Attest in deutscher und englischer Sprache vorlegen. Dann Fragebögen zu meiner Erkrankung ausfüllen. Für jedes einzelne medizinische Gerät muss ich eine Produktspezifikation vorlegen sowie Maße und Gewicht angeben. Und wenn ein Gerät bei der Fluggesellschaft nicht gelistet ist, dann heißt es: „Sorry, geht nicht.“

Warum fliegen Sie überhaupt 15.000 Kilometer um die halbe Welt? Umweltfreundlich ist das nicht gerade.

Das stimmt. Es ist ein hoher Preis, für den man aber viel bekommt. Nämlich Aufmerksamkeit. Ich kann Menschen und vor allem Kinder nur für die Regenwaldrettung begeistern, wenn ich sagen kann: Ich war da. Ich hab‘s gesehen. Ich will helfen.

Ihre Erfahrungen haben Sie in dem Buch „Im Rollstuhl zu den Orang-Utans“ veröffentlicht.

Ja. Das ist jetzt sogar auf indonesisch erschienen und wurde dort vom deutschen Botschafter vorgestellt! Außerdem habe ich das Kinderbuch „Henry rettet den Regenwald“ entworfen und einen Trickfilm gemacht.

Mit Ihren Bildern, Büchern und dem Film gehen Sie deutschlandweit auf Tour, vor allem an Schulen. Wie reagieren Kinder auf ihre Geschichte?

Kürzlich waren wir zum Beispiel in der Aloisiusschule in Ahrweiler. Die Reaktionen der 350 Kinder waren sehr berührend. Viele riefen laut: „Das ist ungerecht! Orang-Utans dürfen nicht für Palmöl getötet werden! Warum macht Frau Merkel nichts?“ Manchen stiegen Tränen in die Augen, manche jubelten, als Henry es im Film schafft, die Bulldozer mit einer Menschen-Affen-Kette zurückzudrängen. Aber die Vorträge sind natürlich auch für Erwachsene. Am 17. April gehen wir ins Mehrgenerationenhaus nach Neuwied und am 18. Juni nach Koblenz an die Universität.

Neben Orang-Utans und dem Regenwald informieren Sie auch über die Zusammenhänge von Palmöl, Klimawandel und Konsum. Was sind Ihre Hauptbotschaften?

Jeder von uns kann etwas tun, um den Regenwald zu retten. Das einfachste ist, nicht so viele Produkte zu kaufen, in denen Palmöl steckt. Denn Palmölplantagen sind der Grund, weshalb Urwälder abgeholzt werden – oft mit Brandrodung, die stark zum Klimawandel beiträgt.

In welchen Produkten ist Palmöl enthalten?

Fast überall! Verbraucher- und Umweltverbände schätzen, dass in jedem zweiten Supermarktprodukt billiges Palmöl steckt. Das Fett wird in Waschmitteln und Lippenstiften, Duschgelen und Shampoos, Fertigpizzen und Speiseeis gemischt, auch im sogenannten Bio-Diesel. Es klingt wie ein schlimmer Schildbürgerstreich: Um schädliche Autoabgase wie Kohlendioxid zu reduzieren, holzen wir Regenwälder ab, die Kohlendioxid aus der Luft filtern und speichern.

Um vor Ort zu helfen, haben Sie die Spendeninitiative „Bennis Wald“ gegründet.

Damit möchte ich ein Wiederaufforstungsprojekt in Indonesien unterstützen, das 500.000 Bäume pflanzen möchte. Die Kosten für Baumschule, Pflanzung und Pflege betragen knapp über eine Million Euro. Mein Ziel ist, dafür 100.000 Euro zu sammeln.

Eine gewaltige Summe...

Nur 50 Cent für jedes VdK-Mitglied in Rheinland-Pfalz – wenn jeder mitmachen würde.

Wie lautet Ihre Botschaft zusammengefasst in einem Satz?

Wenn der Wald leidet, leiden die Orang-Utans, die Menschen und die ganze Welt.

Sie möchten mehr zu Benni Over wissen oder spenden? Klicken Sie hier https://henry-rettet-den-regenwald.bildungsblogs.net


Im Rollstuhl zu den Orang-Utans

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  • Das einjährige Orang-Utan-Weibchen Mona ist vom Aussterben bedroht.
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  • Benni signiert sein Reisebuch.
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  • Benni und seine Ambulante Hilfe Kathrin zeichnen und kolorieren.
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  • Vortrag in der Aloisiusschule in Ahrweiler.
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Michael Finkenzeller

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