Interview mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Er hat die gleiche Abkürzung wie der Sozialverband VdK, allerdings mit großem „D“: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge VDK. Gegründet 1919 nach dem Ersten Weltkrieg, erhält und betreut er Kriegsgräberstätten im Ausland.Zum Volkstrauertag sprach die VdK-ZEITUNG mit dem rheinland-pfälzischen VDK-Vorsitzenden Martin Haller und dem Geschäftsführer Carsten Baus. Dabei ging es um Erinnerungskultur, Comics und die AfD

© Foto: Maurice Bonkat


Klingeldose, Friedhöfe und Kränze am Volkstrauertag: So kennen viele den Volksbund. Zeitgemäß klingt das nicht.
Martin Haller: Also, wenn wir eines sind, dann zeitgemäß! Wir sind eine humanitäre Organisation, die sich für Frieden auf der ganzen Welt einsetzt. Die Kriegsgräber sind dabei Ausgangspunkt unserer Arbeit.

Carsten Baus: Die zwei Weltkriege sind die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts, und die Friedhöfe sind Mahnmale dieses unvorstellbaren Leids. Wenn Sie auf einem Friedhof wie Ysselsteyn stehen zwischen 34 000 Kreuzen, unter denen 34 000 junge Männer liegen, dann spürt man förmlich das unvorstellbare Leid, das jeder Krieg über die Bevölkerung bringt.

Ysselsteyn ist ein deutscher Soldatenfriedhof hinter der niederländischen Grenze. Wie viele solcher Friedhöfe gibt es im Ausland?

Martin Haller: Es gibt 833 Friedhöfe in 46 Ländern, um die wir uns kümmern. Das ist eine staatliche Aufgabe, die seit 1954 durch Gesetz dem Volksbund zur selbstständigen Ausführung übertragen ist. Aus diesem Grund ist auch der Bundespräsident seit jeher immer auch der Schirmherr des Volksbunds. Diese Kriegsgräberstätten sind uns anvertraut. Wir pflegen sie, begleiten Umbettungen und organisieren Fahrten und Gedenkveranstaltungen.

Carsten Baus: Hier beginnt übrigens auch ein ganz wichtiger Teil unserer pädagogischen Arbeit. Denn wir halten nicht nur Vorträge oder schreiben Comic-Wettbewerbe für Schüler aus. Wir führen auch Jugendlager durch, wo sich zum Beispiel deutsche und französische Jugendliche treffen und auf den Friedhöfen arbeiten. Und wer als Jugendlicher zum Beispiel unkompliziert nach Russland reisen will, kann das mit dem VDK machen. Das ist für die Teilnehmer immer eine prägende Erfahrung, denn sie lernen sehr unmittelbar eine neue Kultur kennen. Damit tragen wir übrigens maßgeblich zur Völkerverständigung bei. Ein Diplomat hat mal gesagt, der VDK sei einer der besten deutsche Botschafter!


Das hört sich so an, als ob Sie einen politischen Auftrag haben.

Carsten Baus: Der Volksbund VDK ist eine Interessenvertretung für den Frieden, genauso wie der Sozialverband VdK eine Interessenvertretung für soziale Gerechtigkeit ist. Natürlich versuchen wir, Einfluss auf die Politik zu nehmen.Es sind Abgeordnete des Bundestags, die über deutsche Auslandseinsätze entscheiden. Wir wollen sie daran erinnern, dass sie für Menschenleben verantwortlich sind. Immerhin sind seit den 90er-Jahren 109 Bundeswehrsoldaten im Dienst gestorben. Wir müssen die Vergangenheit kennen, um in der Gegenwart die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist auch ein wichtiger Ansatz unserer Arbeit im Land, denn unsere Schularbeit, einschließlich der Fahrten zum Beispiel nach Verdun, wird ja auch von der Landesregierung unterstützt.


Seit ein paar Jahren gibt es politisch einen „Rechtsruck“. Beeinflusst Sie das in Ihrer Arbeit?

Carsten Baus: Als Volksbund sind wir parteipolitisch neutral. Allerdings stößt diese Neutralität an Grenzen, wenn eine Partei nicht auf dem Boden der Verfassung steht oder menschliches Leid geringschätzt oder verhöhnt. Zum Beispiel haben wir einen Unvereinbarkeitsbeschluss zur NPD. Mit denen reden wir nicht.

Auch der AfD wird vorgeworfen, rechtsextreme Tendenzen zu haben…

Martin Haller: Die AfD hat in den letzten Wochen deutlich gemacht, dass sie mit Gedenk- und Erinnerungskultur nichts am Hut hat. In Chemnitz haben AfD-Abgeordnete offen mit Rechtsextremen demonstriert und sich weiße Rosen ins Knopfloch gesteckt. Die weiße Rose ist ein Zeichen des christlich-humanistischen Widerstands gegen Hitler und die Nazi-Zeit. Das ist eine Verhöhnung der NS-Opfer, eine bewusste Provokation, falsch, schäbig und unentschuldbar.

Carsten Baus: Schockierend war, dass niemand aus der AfD-Parteispitze derart offene rechtsextreme Umtriebe kritisiert. Die wollen Geschichte umdeuten und haben dabei keine Ahnung von Versöhnung, die als grenzüberschreitender Prozess immer international angelegt sein muss. So lange das von der AfD nicht verstanden wird, kann sie für uns kein Ansprechpartner sein.

Was ist Ihre Botschaft zum Volkstrauertag?

Martin Haller: Im Krieg kann der Mensch nur verlieren!

Carsten Baus: Der Volksbund bestreitet seine Arbeit zu mehr als 70 Prozent aus Spenden.Also wenn Sie in der nächsten Zeit jemanden mit einer VDK-Spendendose sehen: Spenden Sie!

Schlagworte Kriegsgräberfürsorge | Interview | VDK

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