21. Juni 2018

Steuertipps für Menschen mit Behinderung

„Steuerring“ informiert über Nachteilsausgleiche

Therapien, Fahrtkosten, Medikamente oder Pflegeleistungen – eine Behinderung bedeutet in den meisten Fällen zusätzliche finanzielle Belastungen. Wie diese sich mindern lassen, hat der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland e. V. (Steuerring) bereits vor zwei Jahren in einem Artikel beschrieben. Doch seitdem hat es ein paar Änderungen gegeben – vor allem beim Pflegepauschbetrag.


Je nach Grad der Behinderung (GdB) gewährt das Finanzamt den Betroffenen steuerliche Pauschbeträge in unterschiedlicher Höhe (siehe Tabelle). Voraussetzung ist ein Beleg des Versorgungsamts, das ab einem GdB von 50 einen Schwerbehindertenausweis ausstellt. Bei einem niedrigeren GdB erhält man lediglich eine Bescheinigung – und kann den Pauschbetrag nur dann in der Einkommensteuererklärung geltend machen, wenn die körperliche Beweglichkeit dauerhaft eingeschränkt ist.

Ändert sich der GdB im Laufe eines Jahres, gilt stets der höhere Pauschbetrag, da es sich um einen Jahresbetrag handelt. Neben dem GdB bezieht das Finanzamt noch die sogenannten Merkzeichen bzw. Nachteilsausgleiche mit ein (siehe Tabelle). So erhöht sich der Pauschbetrag zum Beispiel auf 3.700 Euro, wenn im Schwerbehindertenausweis ein „H“ (hilflos) oder „Bl“ (blind) vermerkt ist.

Wichtig: Steht der Pauschbetrag einem steuerlich zu berücksichtigenden Kind zu, das diesen nicht selbst in Anspruch nimmt, dürfen die Eltern den Pauschbetrag in ihrer Steuererklärung beantragen. Hat ein Ehepartner eine Behinderung, besteht die Möglichkeit, den entsprechenden Steuerbonus zu teilen – wenn die Verheirateten zwei einzelne Steuererklärungen abgeben.

Pauschbetrag-Alternative

Als Alternative zum Pauschbetrag setzen Menschen mit Behinderung ihre Aufwendungen als „außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art“ an. Der Nachteil: Das Finanzamt kürzt die Gesamtaufwendungen um eine „zumutbare Belastung“. Diese richtet sich nach dem Einkommen, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Welche Lösung besser ist, muss im Einzelfall errechnet werden.

Zusätzlich sind Krankheitskosten, die die „zumutbare Belastung“ überschreiten, abzugsfähig. Dazu zählen zum Beispiel Medikamente, Rechnungen von Ärzten oder Heilpraktikern, Brillen, Zahnarztrechnungen, Zuzahlungen im Krankenhaus oder eine physikalische Therapie. Voraussetzung für deren Anerkennung ist die Vorlage einer ärztlichen Verordnung (Rezept). Ausnahme: Ein Arzt verordnet als Dauertherapie ein nicht- verschreibungspflichtiges Medikament, das grundsätzlich in der Apotheke selbst gekauft wird.

Bei einem GdB von 70 und dem Merkzeichen „G“ oder einem GdB von mindestens 80 berücksichtigt das Finanzamt Aufwendungen für Privatfahrten mit dem PKW bis zu einer Höchstgrenze von 3.000 Kilometer pro Jahr. Mit den Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ sind es sogar bis zu 15.000 Kilometer; allerdings ist dann ein Nachweis über die Fahrten erforderlich.

Aufwendungen für Pflege

Darüber hinaus gehören Pflegeaufwendungen vorrangig zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Das Finanzamt zieht von den Aufwendungen eine zumutbare Belastung ab. Für den hierdurch nicht berücksichtigten Teil können Steuerzahler eine Steuerermäßigung von 20 Prozent beantragen.
Erstattungen der Pflegeversicherung müssen im Vorfeld allerdings abgezogen werden. Eine Besonderheit ist beim Pflegegeld zu beachten: Dieses mindert zwar die außergewöhnlichen Belastungen, jedoch nicht den Betrag für die Steuerermäßigung.

Pflegepauschbetrag

Wer eine Person mit dem Merkzeichen „H“ oder dem Pflegegrad 4/5 in deren oder dem eigenen Haushalt pflegt, dem steht zusätzlich ein Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro zu. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die pflegende Person keine Einnahmen für die Pflege erhält. Der Pflegepauschbetrag steht auch Eltern zu, deren Kind die Voraussetzungen erfüllt.

Steuerbescheid ändern

Grundsätzlich gilt: Sowohl die Bescheide über den Pflegegrad 4/5 als auch über GdB und Merkzeichen sind für das Finanzamt bindend. Wurden die Vorteile in einem bestandskräftigen Steuerbescheid nicht erfasst, ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Änderung möglich.

Hilfe im Haushalt

Das Finanzamt erstattet auch die Kosten für sogenannte „haushaltsnahe Dienstleistungen“. Ist eine Person angestellt, die typische Hausarbeiten wie Waschen, Putzen oder Kochen als Minijob verrichtet, übernimmt das Finanzamt auf Antrag 20 Prozent der Kosten, höchstens jedoch 510 Euro. Zudem sind andere haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse oder Pflege- und Betreuungsleistungen steuerlich begünstigt mit 20 Prozent; die entsprechende Steuerermäßigung kann aber höchstens nur 4.000 Euro betragen. Achtung: Wenn bereits Pauschbeträge oder „außergewöhnliche Belastungen“ angerechnet wurden, ist ein zusätzlicher Steuerbonus nicht möglich.

Persönliche Beratung

Wer das zu kompliziert findet und eine persönliche Beratung möchte, muss Mitglied beim Steuerring werden. Da der Steuerring ein Kooperationspartner des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz ist, entfällt für VdK-Mitglieder die Aufnahmegebühr. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Interessierte über das Infotelefon 0800 7 74 86 22, die Internetseite www.steuerring.de oder über den VdK-Kreisverband.

Helen Arnd

Schlagworte Pauschbetrag | Pflege | Kosten

Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz und der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland e. V. haben für ihre Mitglieder eine Kooperation abgeschlossen. | weiter
Hintergrund ist, dass der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz nur in sozialrechtlichen aber nicht in steuerrechtlichen Angelegenheiten beraten darf. Steuerrechtliche Fragen stellen sich aber oft in Zusammenhang mit Schwerbehinderung, Rente oder Pflege. Damit die VdK-Mitglieder auch in diesem Bereich eine gute und günstige Beratung erhalten, hat der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz eine Kooperation mit dem Steuerring vereinbart.
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Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz bietet für seine Mitglieder Beratung in allen Angelegenheiten des Sozialrechts.