17. Mai 2018

Gemeindeschwester - Erste Bilanz

In dreieinhalb Jahren die Themen Einsamkeit und Betreuung im Alter in Angriff zu nehmen und Lösungen anzubieten, ist ambitioniert. Das Land hat sich an dem Baustein Prävention versucht und im Juli 2015 das Projekt Gemeindeschwester plus ins Leben gerufen. Das Sozialministerium zog am Dienstag ein halbes Jahr vor Projektende eine positive Bilanz. Und das tun auch die Gemeindeschwestern selbst.

© imago/Sven Simon


„Es ist faktisch einfach falsch, dass Altern immer im Heim enden muss," sagt eine von ihnen. Maria Di Geraci-Dreier betreut die Verbandsgemeinden Wörrstadt und Wöllstein (Landkreis Alzey-Worms). Um bisher etwa 140 Menschen hat sie sich bei ihren Hausbesuchen gekümmert, mehr als die Hälfte davon 85 Jahre und älter.

Di Geraci-Dreier bezeichnet das Projekt als „unbedingt erfolgreich". So sieht es auch Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Sie spricht von einem großen Gewinn für Senioren. Die Untersuchung der Universität Köln bestätige, „dass wir die alten Menschen aus der Vereinsamung geholt haben", sagte die Ministerin. Oft seien es die einfachen Dinge, die die Lebensfreude zurückbrächten. 2,9 Millionen Euro kostet Gemeindeschwester plus. Damit finanziert das Land neben Evaluation und Sachkosten 18 Gemeindeschwestern.

Die formulierten Ziele lauten, eine Lücke der Unterstützung und Beratung für alte Menschen zu schließen, Netzwerke in strukturschwachen Regionen aufzubauen und Senioren zu helfen, ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten. Es geht also darum, ein Angebot für alte Menschen zu schaffen, das vor der Pflege ansetzt.

Laut Di Geraci-Dreier gelingt das. Unter anderem, „weil die Beratung so individuell und flexibel ist". Sie hilft beim Lesen der Post oder Einstellen des Anrufbeantworters, versucht, einen Überblick über verschiedene Beratungs- und Versorgungsangebote zu geben. Oder ist Ansprechpartner. „Wir machen von allem ein bisschen", sagt die gelernte Krankenpflegerin. Und das immer auf Augenhöhe, betont Di Geraci-Dreier. „Wir wollen nicht die Rolle des Besserwissers einnehmen. Es gehe vielmehr um Zuhören, Nachfragen, Hingucken."

Für den Sozialverband VdK ist dies einer der Hauptgründe, die für das Projekt sprechen. „Gut ist, dass die Gemeindeschwestern Zeit mitbringen, die Pflegekräfte nicht haben", sagt Sprecherin Katie Göttlinger. Der VdK begrüße das Projekt aber nur als Ergänzungsleistung. „Es kann kein Ersatz für die derzeit etwa 2000 fehlenden Pflegekräfte im Land sein. Solle es zwar auch nicht, aber man dürfe auch das große Problem nicht vergessen. Trotzdem: Gerade für ländliche Gebiete sei die Rückmeldung positiv."

Wie es weitergeht, steht nicht abschließend fest. Laut Bätzing-Lichtenthäler sind für 2019 und 2020 Finanzmittel eingeplant. Wie viel Geld konkret zur Verfügung gestellt werden kann, wollte die Sozialministerin nicht sagen. Ziel sei es, die „Gemeindeschwester plus" in den bestehenden Modellkommunen weiterzuführen und neue hinzuzunehmen.

Allerdings sieht Bätzing-Lichtenthäler auch die Kommunen und Pflegekassen in der Verantwortung. Das Projekt sei ein Weg, Pflege hinauszuzögern. „Und es ist eine Möglichkeit für die Pflegekassen, Geld zu sparen", erklärte die Ministerin. Deshalb müsse es im Sinne der Kassen sein, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

Di Geraci-Dreier findet, es sei gelungen, gerade in strukturschwachen Regionen einen neuen Weg zu beschreiten. Und der ganz persönliche Blick der Gemeindeschwester? „Das ist eine ganz wertvolle Arbeit, die auch mir selbst ganz viel gibt." Weitermachen würde sie auf jeden Fall.

dpa

Schlagworte Gemeindeschwester | Bilanz | Rheinland-Pfalz

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