5. Januar 2018

Sparkassen wollen barrierefreier werden

Rheinland-Pfalz hat Vorreiterrolle – VdK verlangt Sanktionen

Im Werben um Kunden setzen Sparkassen verstärkt auf den barrierefreien Ausbau ihrer Filialen. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Saarland und der Region Hessen-Thüringen haben sich insgesamt rund 60 Kassen zu Maßnahmen verpflichtet, wenn Sanierungen oder Neubauten anstehen. Doch die Forderungen des VdK gehen noch weiter.

Stufen, Stufen, Stufen: Rollstuhlfahrer können diesen Eingang der Sparkasse nicht nutzen. | © Pixabay


Es geht um Rampen, Lifte oder Geldautomaten, die auch von Rollstuhlfahrern problemlos genutzt werden können. Damit wollen die Sparkassen einen Mehrwert schaffen und sich von Konkurrenten abgrenzen. Nach Auffassung von Behindertenverbänden haben Sparkassen beim Thema barrierefreier Ausbau eine Vorreiterrolle. Volksbanken und Privatbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank betonen zwar ebenfalls, das Thema sei ihnen wichtig und sie machten Fortschritte. Zentrale Selbstverpflichtungen haben sie aber nicht.

Es geht nicht nur um Baumaßnahmen, sondern auch um Zusatztechnik: So verfügen Geldautomaten über Kopfhörer-Anschlüsse, womit Sehbehinderten die Funktionen vorgelesen werden können. Prospekte und Formulare sollen zudem auch in Blindenschrift oder in Großbuchstaben vorliegen. Außerdem wurde Technik gekauft, mit der Schwerhörige leichter mit dem Bankpersonal sprechen können. Zudem sind einige Geldautomaten so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer unter die Maschine fahren und dadurch besser an die Tastatur kommen.

Positives Beispiel

Beispiel für eine Baumaßnahme: Die Zentrale der Sparkasse in Pforzheim wurde so umgebaut, dass Rollstuhlfahrer nun trotz der Hanglage eigenständig ins Gebäude kommen können.

Baden-Württembergs Sparkassenverbandschef Peter Schneider hält die Baumaßnahmen auch betriebswirtschaftlich für sinnvoll. "Wenn man sich die Demografie anschaut, werden bald sehr viele Menschen mit persönlichem Handicap Bankfilialen aufsuchen", sagte Schneider. Die Investitionen bedienten nicht nur eine steigende Nachfrage, sondern sie nützten der Sparkasse auch im harten Wettbewerb mit anderen Bankhäusern. "Über den reinen Preiswettbewerb etwa mit reinen Internetbanken können wir nicht bestehen - wir als öffentlich-rechtliche Institute müssen stattdessen einen Mehrwert generieren, damit die Kunden uns als ihr Finanzinstitut wählen." Der behindertengerechte Ausbau sei so ein Mehrwert.

Die Statistik stützt solche Überlegungen: Rund zehn Prozent der Bundesbürger gelten als schwerbehindert, Tendenz steigend. Gemeint sind aber nicht nur Gehbehinderte, sondern auch Kranke - wer zum Beispiel an die Dialyse muss, gilt ebenfalls als schwerbehindert.

Alle Sparkassen in Rheinland-Pfalz dabei

Trotz der Vorreiterrolle: Meilenweit vorne sind die Sparkassen noch nicht. So liegt der baden-württembergische Sparkassenverband unter den eigenen Erwartungen. Eigentlich sollten alle 51 Südwest-Kassen die Selbstverpflichtung von 2013 bis Ende 2017 unterschrieben haben, bisher taten dies nur 26. Es gebe mitunter noch Bedenken wegen der Kosten, begründete Schneider die Verspätung. "Solche Bedenken sind aber weitgehend unbegründet, denn viele Projekte zur Barrierefreiheit kosten nicht viel." Bei Neu- oder Umbauten planten die meisten Sparkassen ohnehin schon behindertengerecht. Schneider zeigte sich zuversichtlich, dass in naher Zukunft alle 51 Sparkassen in Baden-Württemberg der Zielvereinbarung beitreten werden.

Der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz ist weiter - alle 23 Sparkassen haben die Vereinbarung aus dem Jahr 2012 unterschrieben. In Hessen-Thüringen sind es zwar erst sieben von 49 Kassen in dieser Region, die Vereinbarung ist aber erst von 2016. Andere Sparkassenverbände - etwa im Rheinland, Westfalen-Lippe, Niedersachsen und in Ostdeutschland - habe keine solche Selbstverpflichtung abgeschlossen.

Es sei gut, dass es beim Thema Fortschritte gebe, sagte Brigitte Schick, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Baden-Württemberg. "Aber glücklich bin ich nicht - ich hätte mir mehr gewünscht." Sie appellierte an alle Sparkassen, eine entsprechende Vereinbarung zu unterschreiben. "Barrierefreiheit hilft allen Menschen, auch Müttern mit Kinderwagen und älteren Menschen."

VdK fordert Strafen bei Nichteinhaltung

Der Sozialverband VdK sieht die Vereinbarungen der Sparkassen zwar positiv, bemängelt aber, dass es keine Sanktionen bei Nichteinhaltung geben würde. "Zielvereinbarungen eignen sich zur Aufklärung, Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung, sie sind aber kein wirksames Instrument zur Durchsetzung des Menschenrechts auf Barrierefreiheit", sagte eine VdK-Sprecherin. Notwendig sei ein Gesetz, das die Privatwirtschaft zur barrierefreien Gestaltung von Dienstleistungen und Produkten verpflichte.

dpa

Schlagworte Barrierefreiheit | Sparkassen

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