2. Januar 2018

Neue Hülle für mehr Inklusion

VdK-Chef Jäger lobt "Schwer-in-Ordnung-Ausweis"

Rheinland-Pfalz ist eines der ersten Bundesländer, das den Wunsch nach einem „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ umsetzt. Ab sofort gibt es eine Kartenhülle mit dem Schriftzug „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“, die über den Schwerbehindertenausweis geschoben werden kann.

Daumen hoch von VdK-Chef Willi Jäger für den "Schwer-in-Ordnung-Ausweis". | © Michael Finkenzeller


Besonders junge Menschen mit Behinderung hatten das offizielle Dokument mit der Bezeichnung „Schwerbehindertenausweis“ als stigmatisierend und ausgrenzend empfunden.

Die Idee für die „Umbenennung“ des Ausweises hatte Ende 2017 eine 14-jährige Schülerin mit Down-Syndrom, die sich selbst einen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ gebastelt hatte. Die Landesregierung hat diese Idee nun aufgegriffen. Eine Kartenhülle mit der Aufschrift „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ kann ab sofort kostenfrei beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV) beantragt werden.

„Der Schwerbehindertenausweis ist ein amtliches Dokument und ist in seiner Form nicht veränderbar. Ohne auch nur ansatzweise die Behinderung nicht ernst nehmen zu wollen oder gar lächerlich zu machen, freut es mich, dass mit dieser Kartenhülle ein Weg gefunden wurde, die Idee der überwiegend Jüngeren in das Verwaltungsverfahren einzubinden“, betonte Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Kritik an Bearbeitungszeit

Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz begrüßt die Initiative der Landesregierung. "Die Hülle mit der Aufschrift ,Schwer-in-Ordnung-Ausweis` ist ein tolles Signal dafür, dass es in Ordnung ist, anders zu sein", sagt VdK-Chef Willi Jäger. Bei allem Lob für diese Aktion der Landesregierung dürfe aber nicht vergessen werden, dass es für Menschen mit Behinderung vor allem wichtig ist, schnell und unbürokratisch den Schwerbehindertenausweis zu bekommen.

"Aufgrund des Stellenabbaus beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung haben wir die Befürchtung, dass es auch künftig bei der Ausstellung des Schwerbehindertenausweises zu Verzögerungen kommen wird", so Jäger. Zurzeit liegt die durchschnittliche Bearbeitungsdauer je nach Standort des zuständigen Amts bereits bei vier bis sieben Monaten. Das ist aus Sicht des VdK deutlich zu lang. "Wenn das offizielle Dokument als Inhalt fehlt, nützt auch keine schöne Hülle," verdeutlicht der VdK-Landesvorsitzende.

Aktuell leben in Rheinland-Pfalz rund 786.000 Menschen mit Behinderung. Davon sind rund 430.000 Menschen schwerbehindert, das heißt, bei ihnen ist ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr festgestellt. Sie haben Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis.

Schlagworte Ausweis | Schwerbehinderung | Inklusion

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