11. Oktober 2017

Kommentar

„Gut Ding will Weile haben!“ Dieses Sprichwort gilt leider nicht für die Überarbeitung des Pflege-TÜVs. Bereits bei seiner Einführung im Jahr 2009 ist der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz an die Öffentlichkeit gegangen und hat das Bewertungssystem als „nicht aussagekräftig“ kritisiert. Auf Kosten der Pflegebedürftigen wurden die Bewertungen schöngerechnet, um zum Beispiel medizinische Unterversorgung zu vertuschen. Doch erst 2016 wurde die Benotung von Pflegeheimen auf Eis gelegt.

Seitdem verzögert sich die Einführung eines neuen Bewertungssystems immer weiter. Jetzt soll es frühestens 2019 so weit sein. Dieses soll angeblich ganz auf Noten und eine übersichtliche Gesamtbewertung verzichten. Stattdessen sollen harte Kriterien wie der Anteil der Pflegebedürftigen mit Druckgeschwüren und weiche Indikatoren wie Freizeitmöglichkeiten separat aufgeführt werden. Zusätzlich sollen die Prüfergebnisse des Medizinischen Dienstes veröffentlicht werden.

Das klingt, als müssten sich Betroffene durch viel Text lesen, bevor sie sich für ein Heim entscheiden. Und wirklich wichtige Kriterien wie die medizinische Versorgung oder der Personalschlüssel sind wieder nicht hervorgehoben. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn das für die Überarbeitung des Pflege-TÜVs zuständige Gremium weitere zehn Jahre beraten würde.

Die Krux liegt im System. In dem zuständigen „Qualitätsausschuss“ sitzen die gleichen Leute, die bereits 2009 die Bewertungskriterien für den Pflege-TÜV festgelegt haben; Vertreter der Kassen und der Heim- und Pflegedienste, die wenig Interesse an einer negativen Bewertung haben. Sprecher der Pflegebedürftigen haben nur ein Rede-, aber kein Stimmrecht. Deshalb werden wir als Sozialverband in der Öffentlichkeit weiter Alarm schlagen und den Pflegebedürftigen eine Stimme geben!

Ihr
Willi Jäger,
Landesverbandsvorsitzender

Schlagworte Pflege-TÜV | Pflegeheime | Bewertungssystem

Hintergrund

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Pflege-TÜV
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