30. August 2017

Die Einsamkeit vorm Radio

Anni Mohr, ältestes VdK-Mitglied in Rheinland-Pfalz

Mit 105 Jahren ist Anni Mohr aus Konz das älteste Mitglied im Sozialverband VdK Rheinland- Pfalz; vor fast 70 Jahren kam sie zum damaligen „Bund der ­Körperbehinderten und Hinterbliebenen“. Dort fand sie, wofür sie selbst lebte und lebt:
Familie.

Anni Mohr aus Konz ist 105 Jahre alt. | © Michael Finkenzeller


Es war kein fröhliches Ereignis, wenn sich Anni Mohr und ihre zwei Töchter 1949 vor dem Radio versammelten. Ängstlich und hoffnungsvoll lauschten sie den vielen Namen, die aus dem Lautsprecher drangen, Namen von Kriegsheimkehrern. Doch Johann Mohr, Annis Mann und Vater von Anne und Brunhilde, blieb vermisst. Das letzte Lebenszeichen war ein Brief vom 14. Januar 1945, in dem er schrieb: „Ich habe gehört, dass die Russen wieder zum Großangriff angetreten sind“, und ein paar Zeilen weiter: „Hoffentlich habe ich Glück“.

„Er war ein guter Mann“, sagt Anni Mohr und schaut auf das alte Schwarzweißfoto, das die Wand ihres kleinen Zimmers der Seniorenresidenz „Zur Buche“ schmückt. Daneben hängen bunte Familienfotos, gegenüber ihre gerahmte VdK-Jubiläumsurkunde zur 65-jährigen Mitgliedschaft. Aufgeräumt und stimmig wirkt Anni Mohr mit ihren 105 Jahren, genauso wie ihre Kleidung: Gemusterter Blazer mit schwarzem Revers, passend dazu eine weiße Armbanduhr, Goldkette und lederne Handtasche.

Eine Million Soldatenwitwen gab es in Deutschland; Annie Mohr wusste lange nicht, ob sie dazugehört. In den „Bund der Körperbehinderten und Hinterbliebenen“, der heute Sozialverband VdK heißt, trat sie trotzdem ein. Jahrelang wartete sie auf ihren Johann, vergebens. „Immer, wenn es geschellt hat, dachte ich, er kommt noch“, erzählt sie. Familie und Freunde rieten, ihn für tot zu erklären, um Anspruch auf Witwenrente zu erhalten.

Anni Mohr weigerte sich zunächst, wollte ihren Mann nicht aufgeben. Schließlich gab sie nach, ging aufs Amt. Danach hätte Anni Mohr wieder heiraten können, schließlich war sie erst Anfang 30. Aber sie wollte nicht. Zwei Kinder zog sie groß, arbeitete als Verkäuferin und danach als Reinigungskraft bei einem Baumaschinenhersteller, betreute später drei Enkel und pflegte ihre demenzkranke ältere Schwester bis zu ihrem Tod. „Erst mit 85 habe ich angefangen, für mich selbst zu leben“, sagt sie und lacht.

Der Sozialverband VdK begleitete sie durch die Jahrzehnte, fast ein ganzes Leben lang. Sie traf Menschen mit ähnlichen Schicksalen, die sich gegenseitig unterstützten, und nahm begeistert an den VdK-Ausflügen teil. Bis zu ihrem 100. Geburtstag wohnte Anni Mohr noch zu Hause, dann zog sie um in den Seniorenstift. Ihre Familie besucht sie regelmäßig, ihre Enkel fahren mit ihr durch die Stadt, und zu ihren Geburtstagen kommen über 60 Gäste.

Freunde und Verwandte sagen, Anni Mohr hätte die Familie immer gestärkt und zusammengehalten. Diese Hingabe bekommt sie nun ganz selbstverständlich zurück. Und genauso selbstverständlich klingt ihre Antwort auf die Frage, ob es in ihrem Alter nicht sinnvoll sei, die VdK-Mitgliedschaft zu kündigen. „Da trete ich nicht aus!“ sagt Anni Mohr und ergänzt: „Der VdK war immer gut zu mir.“

Michael Finkenzeller

Schlagworte VdK-Mitglied

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