27. Juni 2017

Urlaubsabgeltung vor Arbeitslosigkeit

Was bei der Geldleistung zu beachten ist

War eine Person länger krank, bevor ihr gekündigt wurde, kann sie Anspruch auf den nicht genommenen Jahresurlaub geltend machen. Diese sogenannte Urlaubsabgeltung kann als Geldleistung vom Arbeitgeber ausgezahlt werden. Bei Arbeitslosigkeit führt dies aber zu einer Verschiebung der Zahlung des Arbeitslosengeldes nach hinten. Außerdem sind noch weitere Besonderheiten zu beachten.

aradies adé: Aufgrund einer Erkrankung können viele ihren Jahres­urlaub nicht nehmen. | © Pixabay

Vor Arbeitslosigkeit ist niemand geschützt. Oftmals ist eine dauerhafte Erkrankung die Ursache dafür. Wer länger als 78 Wochen wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig ist, wird oft beschäftigungslos. Beschäftigungslos ist ein Arbeitnehmer dann, wenn sein Arbeitsverhältnis weiterhin besteht, aber die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Dann muss er sich bei der Agentur für Arbeit als arbeitslos melden, um auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine passende Beschäftigung zu suchen.

Auch wenn eine Person ein ganzes Arbeitsjahr lang krankgeschrieben war, hat sie einen Anspruch auf Jahresurlaub. Dieser kann oft nicht genommen werden. Dann kann Urlaubsabgeltung als Geldleistung beim Arbeitgeber beantragt werden. Denn der Jahresurlaub verfällt grundsätzlich am 31. März des Folgejahres, wenn er nicht rechtzeitig beantragt und genommen wird.

Manchmal wird einem Arbeitnehmer aufgrund der Erkrankung gekündigt. Auch in solchen Fällen ist noch an den nicht verbrauchten Urlaub zu denken und gegebenenfalls bei dem Arbeitgeber die Abgel­tung zu beantragen.
Eine solche Urlaubsabgeltung führt bei Arbeitslosigkeit allerdings zu einer Verschiebung der Zahlung des Arbeitslosengeldes nach hinten. Diese sogenannte Ruhezeit schmälert die Dauer des Bezuges von Arbeitslosengeld nicht, aber es wird in dieser Zeit auch kein Arbeitslosengeld gezahlt. Die Dauer der Ruhezeit entspricht der Anzahl der Werktage, für die die Urlaubsabgel­tung gezahlt wurde. Erst nach Ablauf dieser Zeit wird das Arbeitslosengeld gezahlt.

Kein Versicherungsschutz

Die Urlaubsabgeltung selbst verlängert das bisherige Beschäftigungsverhältnis nicht, sondern stellt ausschließlich einen Ausgleich für nicht genommenen Urlaub dar. In dieser Zeit besteht deshalb auch kein Krankenversicherungsschutz als Arbeitnehmer. Versicherungsschutz besteht nur im Sinne des nachgehenden Anspruchs für vier Wochen nach dem Ausscheiden aus dem Beschäftigungsverhältnis bei Personen, die keine Möglichkeit haben, familienversichert zu sein und vorher pflichtversichert waren; zum Beispiel alleinstehende, vormals abhängig Beschäftigte.

Zudem sind Urlaubsabgeltungszeiten keine Anwartschaftszeiten für einen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Deshalb kann es sinnvoll sein, mit dem Arbeitgeber eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses für den Zeitraum der Zahlung der Urlaubsabgeltung zu vereinbaren, um Nachteile zu vermeiden. Diese können sich im Einzelfall unterscheiden: Beispielsweise, wenn für die Anwartschaft eines längeren Anspruchs auf Arbeitslosengeld noch ein Monat für die Rahmenfrist fehlt oder, wenn jemand vorher freiwillig gesetzlich krankenversichert war.

Manchmal wird aus einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit eine Erwerbsunfähigkeit, die häufig zum Bezug einer Erwerbsminderungsrente führt. Sollte dann eine Urlaubsabgeltung ausgezahlt werden, gilt diese in vielen Fällen als Hinzuverdienst. Aber Vorsicht! Ab dem 1. Juli 2017 gelten jährliche Hinzuverdienstgrenzen (6300 Euro im Jahr). Somit kann dieser Hinzuverdienst rentenschädlich sein, wenn die jährliche Hinzuverdienstgrenze insgesamt überschritten wird.

Ida Schneider

Schlagworte Urlaubsabgeltung | Arbeitslosigkeit


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