Sozialverband VdK Trier erstreitet Sportrollstuhl für Schulkind

Inklusion im Sportunterricht: Sozialgericht verpflichtet Krankenkasse, dem elfjährigen Marcel einen modernen Rollstuhl zu bewilligen

Gemeinsamer Sport macht Kindern Spaß und fördert den Teamgeist. Umso schlimmer, wenn man ausgeschlossen ist; so wie der elfjährige Marcel S. Mit seinem Rollstuhl konnte er nicht am Schulsport teilnehmen. Er klagte mit Hilfe der VdK-Rechtsschutzstelle Trier vor dem Sozialgericht – und gewann.

Junger Mann fährt mit dem Rollstuhl eine Rampe hoch.
© Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Marcel ist bereits mehrere Jahre Mitglied im Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz. Er kam mit Arthrogryposis multiplex congenita auf die Welt. Hinter dem komplizierten Namen steht eine angeborene Einschränkung der Beweglichkeit, die verschiedene Gelenke wie Hände, Arme oder Hüften betreffen kann. Der Grundschüler ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Ein Integrationshelfer steht ihm im Alltag zur Seite. Um am Schulsport teilnehmen zu können, verordnete ihm der Arzt im Jahr 2013 einen Aktivrollstuhl inklusive Zubehör mit festem Sitz.

Doch die Krankenkasse lehnte den Kostenvoranschlag ab. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) erläuterte, dass der Umbau des vorhandenen Rollstuhls wirtschaftlicher und ein zweiter Aktivrollstuhl sozialmedizinisch nicht begründet sei. Für den Schulsport sei eine Versorgung mit Sporträdern für den vorhandenen Rollstuhl ausreichend. Zudem seien diese problemlos über die Steckachsen des Rollstuhls zu wechseln.

Daraufhin holte Marcels Mutter einen Kostenvoranschlag für zusätzliche Steckachsen mit Sporträdern beim Hersteller ein. Dieser erläuterte ausführlich, warum ein Umbau technisch nicht möglich sei. Doch die Kasse blieb bei ihrer Ablehnung. Marcels Mutter gab aber nicht so schnell auf.

Mitte des Jahres 2014 verordnete der zuständige Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin erneut einen Sport-Aktivrollstuhl. Marcels Mutter beantragte wiederum bei der Krankenkasse die Kostenübernahme. Sie hatte auch ein Schreiben der Schulleiterin erhalten. Diese bestätigte, dass Marcels Rollstuhl viel zu schwergängig für schnelles Fahren und rasche Richtungswechsel sei. Er benötige dringend einen geeigneten Rollstuhl für den Sportunterricht. Nur so könnten die Funktionen des Oberkörpers trainiert und erhalten werden. Auch Herz-Kreislaufsystem und Durchblutung würden profitieren. Der alte Rollstuhl verhindere, dass Marcel mit den anderen Kindern mithalten könne. Das stehe der Inklusion entgegen. Doch die Krankenkasse lehnte erneut ab.

Marcel legte mit Hilfe des VdK-Kreisverbands Mayen Widerspruch ein, den die Kasse zurückwies. Daraufhin erhob die VdK-Rechtsschutzstelle Trier Klage vor dem Sozialgericht. Dabei führte der VdK-Prozessbevollmächtigte Klaus Nummer auch an, dass ein anderer Mitschüler von seiner Krankenkasse ohne Probleme einen Sportrollstuhl bewilligt bekommen habe.

Die Klage war erfolgreich. Das Sozialgericht Trier entschied, dass die Krankenkasse Marcel mit einem Sportrollstuhl für den Schulsport versorgen muss. Der Besuch der Schule gehöre bei Kindern und Jugendlichen zu den Grundbedürfnissen des täglichen Lebens, so der Richter in seinem Urteil. Der Umbau des vorhandenen Rollstuhls für den gemeinsamen Sport sei sehr aufwendig. Auch die für einen Sportrollstuhl notwendige Schrägstellung der Räder ließe sich nicht vornehmen. Zudem sei es lebensfremd, bei einem Sportunterricht von ein oder zwei Schulstunden jedes Mal umzubauen, da Marcel zügig zur nächsten Unterrichtsstunde müsse. Jetzt kann Marcel vor und nach dem Sportunterricht schnell den Rollstuhl wechseln, um pünktlich im Unterrichtsraum zu sein.

sko

Schlagworte Inklusion | Rollstuhl | Sozialrecht | Krankenkasse | Hilfsmittel

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