26. April 2016

Von Vorbildern und
schwarzen Schafen

Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz stellt Ergebnisse des Wahllokaltests zur Landtagswahl 2016 vor

Zur Landtagswahl haben die VdK-Ortsverbände wieder fleißig Wahllokale getestet. Die gute Nachricht: Das Problembewusstsein steigt – immer mehr Gemeinden achten auf barrierefreie Wahllokale. Die schlechte Nachricht: Trotz gesetzlicher Vorgaben sind immer noch nicht alle öffentlichen Gebäude barrierefrei. Und mancher „Wiederholungstäter“ ist auch dabei.

Von links: Willi Jäger und der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch im Gespräch mit Projektleiterin Nadine Gray. | © Michael Finkenzeller


„Unser Wahllokal-Test ist ein guter Indikator, wie es mit Barrierefreiheit in Rheinland-Pfalz aussieht“, erläutert VdK-Projektleiterin Nadine Gray; sie hat den Testbogen entworfen und die Einsendungen ausgewertet. „Landesweit zeigt sich, dass Barrierefreiheit auf dem Vormarsch ist – zumindest in öffentlichen Gebäuden, die ja als Wahl­lokale genutzt werden.“ Waren vor sieben Jahren bei der Bundestagswahl 2009 nur knapp über die Hälfte der Wahllokale barrierefrei, so sind es nun über 80 Prozent! Gleichzeitig fiel die Zahl der schwer zugänglichen Gebäude unter 17 Prozent. Barrierearme Wahllokale machen bloß noch einen kleinen Anteil von 1,55 Prozent aus.

Trend in die richtige Richtung: Wahllokale werden immer barrierefreier. | © VdK


Beachten müsse man bei diesen guten Zahlen allerdings, dass sie nur einen kleinen Ausschnitt der Barrierefreiheit in Rheinland-Pfalz zeigen. Denn nicht-öffentliche Gebäude wie Geschäfte oder Arztpraxen schneiden deutlich schlechter ab, so Gray. Vergangenes Jahr hatte eine VdK-Umfrage ergeben, dass 65 Prozent der rheinland-pfälzischen Arztpraxen nicht barrierefrei sind. Aber insgesamt verbessere sich das Problembewusstsein von Jahr zu Jahr. „Toll ist, dass die meisten Gemeinden bemüht sind, jedem Menschen die Wahl im Wahllokal vor Ort zu ermöglichen und sie nicht mit Briefwahl abspeisen“, lobt Gray. „Zum Beispiel haben einige kleinere Orte keine barrierefreien Gemeindehäuser, auch weil ein Umbau zu teuer wäre. Die richteten ihre Wahllokale dann in Seniorenwohnstiften, Hotels oder Gaststätten ein, die für jeden zugänglich sind. Diese Flexibilität ist wirklich vorbildlich.“

Die Ergebnisse des Wahllokaltests besprach Jäger mit dem Landesbehindertenbeauftragten Mat­thias Rösch, der das VdK-Engagement ausdrücklich würdigte. „Der Wahllokaltest ist für mich eine gute Arbeitsgrundlage. Ich bespreche die Ergebnisse mit dem Landeswahlleiter und den Kollegen aus dem Innenministerium. So können wir die ‚schwarzen Schafe‘, von denen einige als ‚Wiederholungstäter‘ in der Liste auftauchen, gezielt ansprechen und an den richtigen Stellen nachbohren.“ Insgesamt gehe es in Rheinland-Pfalz mit der Barrierefreiheit voran, aber es bleibe viel zu tun. Deswegen sei es wichtig, dass alle gesellschaftlichen Gruppen an einem Strang ziehen.

Das bekräftigte auch VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger: „Wir als VdK kämpfen seit Jahrzehnten für Barrierefreiheit. Leider schauen viele Menschen nur auf ihr allernächstes Umfeld: Wer Arbeit hat, denkt nicht an Arbeitslose. Wer reich ist, den interessieren nicht die Armen. Und wer gehen kann, dem ist der Rollstuhlfahrer egal. Es dauert, diese eingefahrenen Denkmuster vollständig aufzubrechen.“ Deswegen habe der VdK die aktuelle Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ gestartet. Auf der Internetseite www.weg-mit-den-barrieren.de kann sich jeder Besucher als Unterstützer eintragen und auf einer digitalen Landkarte Barrieren markieren.

Michael Finkenzeller

Schlagworte Barrierefrei | VdK-Wahllokal-Check

VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren"

Anlässlich der VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren!" lässt der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz in diesem Video Torsten Petermann zu Wort kommen. Der VdKler aus Traisen bei Bad Kreuznach sitzt nach einem schweren Unfall im Rollstuhl und erklärt anschaulich, wie viel es bei der Privatwirtschaft in Sachen Barrierefreiheit zu tun gibt.

VdK-TV: VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren" - Barrierefreiheit im Verkehr

Im Rahmen seiner bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ fordert der Sozialverband VdK umfassende Barrierefreiheit im Bereich Verkehr, also auf Straßen, Schienen und in der Luft. Ein drastisches Beispiel für die immer noch mangelhafte Barrierefreiheit in Deutschland zeigt die Ortsbegehung am Bahnhof Obernhof in Rheinland-Pfalz – hier kann der Bahnsteig nur über eine steile Treppe erreicht werden.

VdK-Aktion
Button zur Kampagne Weg mit den Barrieren: Ein Männchen mit Rollator vor einer unüberwindbaren Treppe
Der Startschuss für die bundesweite VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ ist gefallen. Mit konkreten Forderungen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen richtet sich der VdK an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen. Herzstück der Kampagne ist die „Landkarte der Barrieren“. Mitmachen ist einfach: Wer eine Barriere entdeckt, trägt sie auf www.weg-mit-den-barrieren.de ein.

VdK-Befragung
Zwei Männer sitzen vor einer blauen Wand mit dem Schriftzug VdK.
Nur zehn Prozent der Allgemeinmediziner oder Fachärzte sind für Ältere oder behinderte Menschen ohne Barrieren erreichbar. Das ergab eine VdK-Telefonbefragung unter 558 (zehn Prozent) der rund 5.400 Arztpraxen in Rheinland-Pfalz. „Barrierefreiheit ist das Thema der Zukunft“, sagte VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger auch mit Blick auf den demografischen Wandel. „Deswegen muss sie stärker gefördert werden.“

Weg mit den Barrieren! - Spot zur VdK-Kampagne

Spot zur VdK-Kampagne "Weg mit den Barrieren!". Untertitel sind verfügbar.
Kampagnenmotiv von "Weg mit den Barrieren!" - Ein Männchen mit Rollator scheitert an einer unüberwindbaren Treppe


Mit der bundesweiten VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ richtet sich der VdK an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen. Herzstück der Kampagne ist die „Landkarte der Barrieren“. Mitmachen ist einfach: Wer eine Barriere entdeckt, trägt sie auf www.weg-mit-den-barrieren.de ein.

© VdK

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© Michael Finkenzeller

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Symbolfoto: Zwei junge Frauen bei der Beratungsstelle einer Krankenkasse.
© AOK-Mediendienst

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