22. Mai 2014

Gesetzlich oder privat versichern?

Krankenversicherung: 55-Jährige aufgepasst!

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Versicherungsnehmer von einer privaten in eine gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren darf?

Die Versicherungskarte. | © Margot Kessler/Pixelio

In der gesetzlichen Krankenversicherung wird zwischen einer Pflicht- und einer freiwilligen Versicherung unterschieden. Pflichtversichert sind vor allem Arbeitnehmer mit Einkünften, die die so genannte Versicherungspflichtgrenze – auch Jahresarbeitsentgeltsgrenze (JAEG) genannt – nicht übersteigen. Wer ein Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze hat, kann zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung wählen. Die Grenze liegt derzeit bei 4.462,50 Euro brutto pro Monat beziehungsweise 53.550 Euro Brutto-Jahresgehalt.

Für diejenigen, die bereits 2002 privat versichert waren, liegt die Grenze bei 4.050 Euro monatlich (48.600 Euro jährlich). Wer genau so viel oder weniger verdient, ist automatisch pflichtversichert. Eine Versicherungspflicht kann zudem im Falle von Arbeitslosigkeit entstehen. Eine Gehaltsveränderung im Laufe des Jahres wirkt sich erst auf das kommende Jahr aus.

Beitragspflichtiges Einkommen senken

Für Rückkehrwillige in die gesetzliche Versicherung, deren Einkommen knapp über der Versicherungspflichtgrenze liegt, besteht die Möglichkeit, mit Einzahlungen in eine betriebliche Altersvorsorge das beitragspflichtige Einkommen zu senken. Die Sozialversicherungspflicht dieser Einkünfte entsteht dann erst in der Zukunft.

Aber auch eine kurze Zeit der Versicherungspflicht genügt, damit Privatversicherte auf Dauer wieder gesetzlich versichert bleiben können. Hierzu reicht bereits die kurzzeitige Aufnahme einer versicherungspflichtigen Tätigkeit beziehungsweise der Mitversicherung in der Familienversicherung aus. Durch die Anschlussversicherung nach Paragraf 188 Absatz 4 Fünftes Sozialgesetzbuch setzt sich die Versicherung mit dem Tag nach dem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht oder mit dem Tag nach Ende der Familienversicherung als freiwillige Mitgliedschaft fort. Diese Regelung gilt seit dem 1. August 2013. Vorher war eine einjährige Vorversicherungszeit in der gesetzlichen Krankenversicherung erforderlich.

Innerhalb von zwei Wochen wechseln

Eine „freiwillige Mitgliedschaft“ in der gesetzlichen Versicherung ist, wie der Name schon sagt, nicht zwingend. Betroffene können innerhalb von zwei Wochen nach dem Hinweis der gesetzlichen Krankenkasse über die Austrittsmöglichkeiten ihren Austritt aus der selbigen erklären. Hierbei muss jedoch nachgewiesen werden, dass ein anderweitiger Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall – etwa ein neuer Vertrag bei einer privaten Krankenversicherung – besteht.

Wer allerdings bereits 55 Jahre oder älter ist, kann nur dann als Pflichtmitglied in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren, wenn er innerhalb der letzten fünf Jahre zumindest zeitweise gesetzlich krankenversichert war. Durch Zeiten der Arbeitslosigkeit werden 55-Jährige und Ältere nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig. Da die beschriebenen Voraussetzungen für einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung kaum erfüllt werden, spielt für diese Personengruppe die neue „obligatorische Anschlussversicherung“ – eine freiwillige Weiterversicherung – auch kaum eine Rolle. Ihnen bleibt die Möglichkeit eines Tarifwechsels innerhalb der privaten Krankenversicherung, um eventuell die Beiträge zu reduzieren.

Marlen Holnick

Schlagworte gesetzliche Krankenversicherung | private Krankenversicherung

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