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Rezeptfreie Medikamente

Nr. 5 - Stand: Juni 2007

Kostenübernahme für rezeptfreie Medikamente
durch die Krankenkassen

Nach dem Gesundheitsreformgesetz dürfen rezeptfreie Medikamente grundsätzlich nicht mehr zu Lasten der Krankenkasse verordnet werden (Ausnahmen gelten nur für Kinder bis zum 12. Lebensjahr und für Heranwachsende bis zum 18. Lebensjahr, wenn bei ihnen Entwicklungsstörungen vorliegen).

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in einem Katalog festgelegt, welche Arzneimittel von diesem Kostenübernahmeverbot ausgenommen sind, weil sie als Therapiestandard zur Behandlung schwer wiegender Erkrankungen gelten:

Abführmittel
nur zur Behandlung von Erkrankungen im Zusammenhang mit Tumorleiden, Megacolon, Divertikulose, Diveritikulitis, Mukovisidose, neurogener Darmlähmung, vor diagnostischen Eingriffen, bei phoshatbindender Medikation bei chronischer Niereninsuffizienz, Opiat-sowie Opoidtherapie und in der Terminalphase

Acetylsalicylsäure
(bis 300 mg/ Dosiseinheit) als Thrombozyten-Aggregationshemmer in der Nachsorge von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie nach arteriellen Eingriffen

Acetylsalicylsäure und Paracetamol
nur zur Behandlung schwerer und schwerster Schmerzen in Co-Medikation mit Opioiden

Acidosetherapeutika
nur zur Behandlung von dialysepflichtiger Nephropathie und chronischer Niereninsuffizienz sowie bei Neoblasmose

Antihistaminika
nur in Notfallsets zur Behandlung bei Bienen-, Wespen-, Hornissengift- Allergien
nur zur Behandlung schwerer, rezidivierender Urticarien
nur bei schwerwiegendem, anhaltendem Pruritus
nur zu Behandlung bei schwerwiegender allergischer Rhinitis, bei der eine topische nasale Behandlung mit Glukokortikoiden nicht ausreichend ist

Antimykotika
nur zur Behandlung von Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum

Antiseptika und Gleitmittel
nur für Patienten mit Katheterisierung

Arzneistofffreie Injektions-/Infusions-, Träger- und Elektrolytlösungen sowie parenterale Osmodiuretika bei Hirnödem (Mannitol, Sorbitol)

Calciumverbindungen
(mind. 300 mg Calcium-Ion/ Dosiereinheit) und Vitamin D (freie oder fixe Kombination)
nur zur Behandlung der manifesten Osteoporose
nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich einer mindestens sechsmonatigen Steroidtherapie in einer Dosis von wenigstens 7,5 mg Prednisolonäquivalent bedürfen
bei Bisphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit

Calciumverbindungen als Monopräparate
nur bei Pseudohypo- und Hypoparathyreodismus
bei Bisphosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit

Citrate
nur zur Behandlung von Harnkonkrementen

E. coli Stamm Nissle 1917
nur zur Behandlung der Colitis ulcerosa in der Remissionsphase bei Unverträglichkeit von Mesalazin

Eisen-(II)-Verbindungen
nur zur Behandlung von gesicherter Eisenmangelanämie

Flohsamen und Flohsamenschalen
nur zur unterstützenden Quellmittel-Behandlung bei Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom und HIV-assoziierter Diarrhoen

Folsäure und Folinate
nur bei Therapie mit Folsäureantagonisten sowie zur Palliativbehandlung des kolorektalen Karzinoms

Gingko-biloba-Blätter-Extrakt
(Aceton-Wasser-Auszug, standardisiert) nur zur Behandlung der Demenz

Hypericum perforatum-Extrakt
(hydroalkoholischer Extrakt, mind. 300 mg pro Applikationsform) nur zur Behandlung mittelschwerer depressiver Episoden

Iodid
nur zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Iod-Verbindungen
nur zur Behandlung von Ulcera und Dekubitalgeschwüren

Kaliumverbindungen
als Monopräparate nur zur Behandlung der Hypokaliaemie

Lactulose und Lactitol
nur zur Senkung der enteralen Ammoniakresorption bei Leberversagen im Zusammenhang mit der hepatischen Enzephalopathie

Lösungen und Emulsionen
zur parenteralen Ernährung einschließlich der notwendigen Vitamine und Spurenelemente

Magnesiumverbindungen, oral
nur bei angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen

Magnesiumverbindungen, parenteral
nur zur Behandlung bei nachgewiesenem Magnesiummangel und zur Behandlung bei erhöhtem Eklampsierisiko

Mexitenhydrochlorid
nur zur Behandlung des Parkinson-Syndroms

Mistel-Präparate, parenteral
auf Mistellektin normiert, nur in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität

Niclosamid
nur zur Behandlung von Bandwurmbefall

Nystatin
nur zur Behandlung von Mykosen bei immunsupprimierten Patienten

Ornithinaspartat
nur zur Behandlung des hepatischen (Prae-)Coma und der episodischen, hepatischen Enzephalopathie

Pankreasenzyme
nur zur Behandlung chronischer, exokriner Pankreasinsuffizienz oder Mukoviszidose

Phosphatbinder
nur zur Behandlung der Hyperphosphatämie bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialyse

Phosphatverbindungen
bei Hypophosphatämie, die durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann

Salicylsäurehaltige Zubereitungen (mindestens 2in der Dermatotherapie als Teil der Behandlung der Psoriasis und hyperkeratotischer Ekzeme

Synthetischer Speichel
nur zur Behandlung krankheitsbedingter Mundtrockenheit bei rheumatischen oder onkologischen oder Autoimmun-Erkrankungen

Synthetische Tränenflüssigkeit
Bei Autoimmun-Erkrankungen (Sjögren-Syndrom mit deutlichen Funktionsstörungen des Grades 2, Epidermolysis bullosa, occulärem Pemphigoid), Fehlen oder Schädigung der Tränendrüse, Facialisparese oder bei Lagophtalmus

Vitamin K
als Monopräparate nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann

Wasserlösliche Vitamine
auch in Kombinationen nur bei der Dialyse

Wasserlösliche Vitamine, Benfotiamin und Folsäure
als Monopräparate nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann (Folsäure: 5 mg/ Dosiseinheit)

Zinkverbindungen
als Monopräparat nur zur Behandlung der enteropathischen Akrodermatitis und durch Haemodialysebehandlung bedingten nachgewiesenen Zinkmangel sowie zur Hemmung der Kupferaufnahme bei Morbus Wilson

Arzneimittel zur sofortigen Anwendung:
Antidote bei akuten Vergiftungen
Lokalanaesthetika zur Injektion
Apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die im Rahmen der ärztlichen Behandlung zur sofortigen Anwendung in der Praxis verfügbar sein müssen, können verordnet werden, wenn entsprechende Vereinbarungen zwischen den Verbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen getroffen werden.

Topische Anästhetika und/ oder Antiseptika
nur zur Selbstbehandlung schwer wiegender generalisierender blasenbildender Hauterkrankungen (z. B. Epidermolysis bullosa, hereditaria; Pemphigus)

L-Methion
nur zur Vermeidung der Steineneubildung bei Phosphatsteinen bei neurogener Blasenlähmung, wenn Ernährungsempfehlungen und Blasenentleerungstraining erfolglos geblieben sind

Levocarnitin
nur zur Behandlung bei endogenem Carnitinmangel

Butylscopolamin, parenteral
nur zur Behandlung in der Palliativmedizin

Harnstoffhaltige Dermatika mit einem Harnstoffgehalt von mindestens 5nur bei gesicherter Diagnose bei Ichtyosen, wenn keine therapeutischen Alternativen für den jeweiligen Patienten indiziert sind

Bei Fragen oder Problemen:
Unsere Patientenberatungsstellen informieren Sie gerne!

Unabhängige Patientenberatung Gießen
Liebigstraße 15, 35390 Gießen Ihre Ansprechpartner:
Tel.: 0 64 1 – 301 33 45 Anne Katrin Olischläger (Juristin)
E-Mail: giessen@unabhaengige-patientenberatung.de Daniela Poppe (Sozialpädagogin)
Sprechstunden: montags 15 - 19 Uhr, Dr. Friedhelm Meyer (Psychologe)
dienstags 9 - 12 Uhr,
donnerstags 9 - 15 Uhr, freitags 9 - 12 Uhr

Alsfeld
Hersfelder Straße 1, 36304 Alsfeld Ihre Ansprechpartner:
Telefon 0 66 31 – 35 56 Jürgen Michaelis
Telefax 0 66 31 – 35 56 Joachim Reibeling
eMail: patientenberatung.alsfeld@vdk.de
Sprechstunden: mittwochs 13 - 17 Uhr
Kassel
Wolfsschlucht 6 a, 34117 Kassel Ihre Ansprechpartnerin:
Telefon 05 61 - 9 20 70 80 Erika Günther
Telefax 05 61 - 78 07 67
eMail: patientenberatung.kassel@vdk.de
Sprechstunden: donnerstags 14 - 18 Uhr

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