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Sonderfürsorge 2005

"Soziale Gerechtigkeit muss praktiziert werden"

VdK-Präsident Walter Hirrlinger referierte am Samstagmorgen vor über 400 Zuhörern in der Mannaberghalle

Die vom VdK-Ortsverband Rauenberg liebevoll herbstlich dekorierte Mannaberghalle gab für die vom VdK-Kreisverband Heidelberg organisierte Gemeinschaftsveranstaltung für die in Sonderfürsorge stehenden Kriegsbeschädigten und den ihnen gleichgestellten Schwerbehinderten den passenden Rahmen. Zu den in Sonderfürsorge stehenden Kriegsbeschädigten und den ihnen gleichgestellten Schwerbehinderten zählen Personen mit besonders schweren Verletzungen und Behinderungen.

Landesverbandsgeschäftsführer Hans-Josef Hotz

VdK-Kreisverbandsvorsitzender Hans-Josef Hotz durfte neben den über 400 geladenen Sonderfürsorgeberechtigten mit ihren Ehegatten oder Pflegepersonen auch hochrangige Behördenvertreter und Vertreter aus der Politik sowie die beiden Rauenberger Ehrenbürger Hermann Krug und Karlheinz Zimmermann begrüßen. Für das leibliche Wohl sorgte der VdK-Ortsverband Rauenberg unter der Regie seines Vorsitzenden Gerhard Filsinger. Hotz betonte, dass sich der VdK Deutschland in den letzten 30 Jahren sehr eindrucksvoll vom traditionellen Kriegsopferverband und deren Hinterbliebenen zu einer modernen und insbesondere unverzichtbaren Lobby für ältere Menschen und für alle Menschen mit Behinderungen entwickelt habe.
Mit seinen mehr als 1,4 Millionen Mitglieder sei er zwischenzeitlich die größte Selbsthilfeorganisation in der Bundesrepublik Deutschland geworden. Prägten die früheren Jahre und Jahrzehnte die Auseinandersetzungen mit Weiterentwicklungen in der Kriegsopferversorgung und im Behindertenrecht, so sind es jetzt vielfach die Gebiete der Kranken- und Rentenversicherung oder die soziale Sicherung insgesamt. So ist der VdK Sprachrohr für viele oder fast alle sozial Beeinflussten oder auch beeinträchtigten Gruppen geworden. Hotz: "Das verpflichtet uns zu sozial bewusstem Handeln und muss gleichzeitig unsere Verantwortung für das Ganze verstärken." Mit Beifall wurde aufgenommen, dass sich der VdK auch 60 Jahre nach Ende eines der schrecklichsten Ereignisse in Europa den Kriegsopfern, den Kriegshinterbliebenen und gerade dem Personenkreis der Hirnverletzten und der Sonderfürsorgeberechtigten in besonderem Maße verpflichtet fühle. Deshalb haben die Gemeinschaftsveranstaltungen für die in Sonderfürsorge stehenden Personen ihren festen Platz im Veranstaltungskalender des VdK-Kreisverbandes Heidelberg und finden nunmehr schon über 40 Jahre statt. Hotz: "Wir werden diese Veranstaltungen ganz sicherlich auch in den kommenden Jahren durchführen, denn ich denke, die auch heute noch lebenden Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen und die mehr als 400 anwesenden Teilnehmer sind Beweis genug dafür, dass es sich bei der Sonderfürsorge auch weiterhin um ein unverzichtbares Element des sozialen Entschädigungsrechts handelt." Darüber hinaus wolle man den vom Krieg besonders schwer betroffenen VdK-Mitglieder wenigstens einmal im Jahr Gelegenheit geben, zusammen mit ihren Ehepartnern, Begleitungen und Pflegepersonen ein paar informative, aber auch ein paar abwechslungsreiche Stunden im Kreise Gleichgesinnter zu verbringen.

Die Rauenberger Abordnung

Dann stand ein Mann im Mittelpunkt des Geschehens, der in Rauenberg kein Unbekannter mehr ist: Walter Hirrlinger, Minister a.D. und seit 1990 amtierender Präsident des Sozialverbandes VdK Deutschland. Ungeachtet seiner Terminfülle hat er den Weg nach Rauenberg auf sich genommen. Hirrlinger hat als Repräsentant des Sozialverbandes VdK immer wieder eine Vielzahl von überzeugenden Alternativvorschläge eingebracht, die für viele Experten sowohl in der Sozialversicherung aber auch in allen Parteien eine Konsensgrundlage darstellen, um ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln und um verlässliche Grundlagen für die Zukunft der Sozialsysteme in der Bundesrepublik zu schaffen.

30 spannende Minuten lang setzte sich Hirrlinger mit dem Thema "Der Sozialstaat in der Bewährung" auseinander. Zunächst brach er eine Lanze für die im VdK ehrenamtlich Tätigen. Ohne das Ehrenamt würde die Gesellschaft verarmen und ohne das Ehrenamt müsste der Staat Milliardenbeträge für die Betreuung der Menschen aufbringen. An die Adresse der anwesenden Politiker Bernd Schmidbauer (CDU) und Gert Weisskirchen (SPD) gewandt forderte der Präsident, dass mehr für die Aufwertung des Ehrenamtes getan wird als bisher. Hirrlinger: "Wir leben in einer schwieriger gewordenen Welt. Die Solidarität nimmt ab, der Egoismus nimmt zu." Viele versuchen ihre Probleme auf Kosten der Allgemeinheit zu lösen. Dabei ist die Verständigung der Menschen untereinander die Voraussetzung dafür, dass es auch zu einer Verständigung der Völker untereinander kommt, denn Intoleranz, Hass und Feindschaft sowie Diskriminierung von Minderheiten behindern nach Hirrlingers Worten ein vertrauensvolles Miteinander. Dabei zitierte er auch Bundespräsident Horst Köhler, der in seiner Rede Ende Juli 2005 zur Auflösung des damaligen Bundestages sagte: "Unser Land steht vor gewaltigen Aufgaben, Millionen von Menschen sind arbeitslos, viele seit Jahren. Die Haushalte des Bundes und der Länder sind in einer nie dagewesenen kritischen Lage. Die bestehende föderale Ordnung ist überholt. Wir haben zu wenige Kinder, und wir werden älter. Und wir müssen uns im weltweiten scharfen Wettbewerb behaupten." Dass in den öffentlichen Haushalten ein Riesenloch klafft, ist ein offenes Geheimnis. Der VdK wird darüber wachen, dass die Politiker dieses Riesenloch nicht auf Kosten der Rentner sanieren werden. Der Sozialexperte wandte sich auch vehement dagegen, dass auf Jahre hinaus keine Rentenanpassungen mehr zustande kommen werden. "Wer mit dem Gedanken spielt, man könne auch noch die Klausel im Nachhaltigkeitsgesetz streichen, dass es keine Minusanpassungen geben darf, dem werden wir auf die Finger klopfen, " so Hirrlinger mit Nachdruck. Bei dieser Gelegenheit räumte der Redner auch mit dem Vorurteil der so genannten reichen Rentner auf. Hirrlinger: "Man muss wissen, dass die Hälfte der männlichen Rentner eine monatliche Rente bis zu 1.000 Euro hat. Die Höchstrente bei den Männern, die ein Leben lang die höchsten Beiträge gezahlt haben, liegt bei 2.200 Euro. Und diese Rente bekommen in ganz Deutschland gerade mal 2.000 der männlichen Rentner." Bei den Frauen sieht es noch anders aus. Über zwei Millionen Frauen haben eine Rente bis zu 650 Euro. Weitere 1,8 Millionen haben zwischen 650 und 1.100 Euro Rente. "Das sind Realitäten, die jeder wissen muss, der falsche Vergleiche anstellt!" , so Hirrlinger unter dem Beifall der Betroffenen. Im Hinblick auf die geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre sagte er: "Die Wirtschaft sollte zunächst dafür sorgen, dass auch die über 50- und 55-jährigen im Betrieb arbeiten dürfen. Denn mehr als 50 Prozent der Betriebe beschäftigen heute keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 50, geschweige denn über 55 Jahren." Die Regelarbeitszeit liegt aber bei 65 Jahren. Ein großer Teil muss mit 60 bis 62 Jahren ausscheiden. Deshalb sollte nach Hirrlingers Worten zunächst diese Regelarbeitszeit von 65 Jahren wieder erreicht oder wenigstens angepeilt werden, bevor man die 67 Jahre ins Visier nimmt. So legte Walter Hirrlinger seine Finger noch in viele andere offene Wunden des heutigen Sozialstaates und durfte am Ende seiner beeindruckenden Rede herzlichen Beifall entgegennehmen. Die Ausführungen des Präsidenten des Sozialverbandes VdK haben sehr eindrucksvoll verdeutlicht: Das deutsche Volk kann die Herausforderung der kommenden Zeit bestehen. Es muss dies nur wollen!

Bundesvorsitzender Walter Hirrlinger

Den Reigen der Grußworte eröffnete der Bundestagsabgeordnete Bernd Schmidbauer. Dieser erinnerte sich mit Dankbarkeit an die Arbeit des VdK’s in den Nachkriegsjahren. Schmidbauers Vater musste 1942 sein Leben lassen. Mit Hilfe des VdK’s erhielt er von der Versorgungsverwaltung eine Halbwaisenrente. In Übereinstimmung mit seinem Kollegen Gert Weisskirchen stellte Schmidbauer klar, dass die Renten nicht angetastet werden dürfen. Die Grundaussage der beiden Politiker: "Bei den Renten gibt es keine Einsparung im Koalitionspapier!" Sowohl Schmidbauer als auch Weisskirchen machten klar, dass die Deutschen zwar Opfer werden bringen müssen, der Sozialstaat als solcher aber nicht beerdigt werden dürfe. Als Resümee der Ausführungen von Schmidbauer und Weisskirchen ist festzuhalten: Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist auf dem richtigen Weg. Jetzt muss erst einmal die Wirtschaft in Ordnung kommen. Und wenn sich die beiden großen Volksparteien gemeinsam der Sache verschreiben, wird sich die Zweckehe bewähren.

Schmidbauer und der 1.Vorsitzende Gerhard Filsinger

Nach diesem Ausflug in die Bundespolitik ging es mit Johann Habla, Leiter des Versorgungsamtes beim Landratsamt Heidelberg, in die Niederungen der Verwaltung zurück. Er sprach für die ebenfalls anwesenden Behördenvertreter und bezeichnete deren Anwesenheit in Rauenberg als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Sozialverband VdK. Über die Eingliederung des Versorgungsamtes in das Landratsamtes Heidelberg zeigte sich der Leitende Regierungsdirektor weniger glücklich. Den Anwesenden gab er den Ratschlag, ihren Anträgen auf Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft oder Erhöhung des Grades der Behinderung wegen eingetretener Verschlimmerung ärztliche Unterlagen beizufügen. Habla: "Das spart uns Kosten und trägt zur beschleunigten Bearbeitung Ihrer Anträge bei." Wegen der hohen Mietkosten in der Maaßstraße 32 wird das Versorgungsamt in absehbarer Zeit in das ehemalige Telekomgebäude in die Eppelheimer Straße 15 umziehen. Dem Sozialverband VdK versprach der Behördenleiter auch weiterhin eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit.

Johann Habla, leiter des Versorgungsamts Heidelberg

Mit dem Grußwort von Bernhard Wipfler, Obmann der Sonderfürsorgeberechtigten, fand die Vormittagsveranstaltung ihren offiziellen Abschluss.

Obmann Bernhard Wipfler

Nach einem gemeinsamen Mittagessen boten Jochen und Anita von der ehemaligen Band des Versorgungsamtes Heidelberg den Besuchern der Gemeinschaftsveranstaltung mit schönen alten Schlagerevergreens einen bunten Melodienstrauß.

Reinhold Stegmaier

Jochen und Anita

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