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Sonderfürsorge 2002

Soziale Gerechtigkeit muss praktiziert werden
VdK-Präsident WalterHirrlinger referierte vor über 400 Sonderfürsorgeberechtigten in Rauenberg

Die herbstlich wunderschön geschmückte Mannaberghalle in Rauenberg gab den passenden Rahmen für die vom VdK-Kreisverband Heidelberg organisierte Gemeinschaftsveranstaltung für die in Sonderfürsorge stehenden Kriegsbeschädigten ab. Zu diesem eng begrenzten Personenkreis zählen Kriegsbeschädigte mit besonders
schweren Verletzungen. VdK-Kreisverbandsvorsitzender Hans-Josef Hotz durfte neben den annähernd 400 geladenen Sonderfürsorgeberechtigten mit ihren Ehegatten oder Pflegepersonen auch hochrangige Behördenvertreter und Vertreter aus der hohen Politik begrüßen. Hotz betonte, dass sich der VdK Deutschland in den letzten 30 Jahren sehr eindrucksvoll vom traditionellen Kriegsopferverband zu einer modernen und insbesondere unverzichtbaren Lobby für ältere Menschen und für alle Menschen mit Behinderungen entwickelt habe. Mit seinen mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern sei er zwischenzeitlich die größte Selbsthilfeorganisation in der Bundesrepublik Deutschland geworden. Der VdK fühle sich auch heute - 50 Jahre nach Ende eines der schrecklichsten Ereignisse in Europa - den Kriegsopfern, den Kriegshinterbliebenen und gerade dem Personenkreis der Behinderten in besonderem Maße verpflichtet. Holz: "Daher haben diese Gemeinschaftsveranstaltungen ihren festen Platz im Veranstaltungskalender des VdK Kreisverbandes Heidelberg und finden nunmehr schon seit über 40 Jahren statt - und wir werden diese Veranstaltung ganz sicherlich auch in den kommenden Jahren durchführen, denn ich denke, die nach wie vor etwa zwei Millionen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen und die mehr als 400 anwesenden Sonderfürsorgelberechtigten sind Beweis genug dafür, dass es sich bei der Sonderfürsorge auch
weiterhin um ein unverzichtbares Element des sozialen Entschädigungsrechts handelt und keineswegs um ein auslaufendes, um ein zeitlich befristetes Problem."

Bürgermeister Werner Kummer, auch Hausherr der Mannaberghalle, ließ es sich nicht nehmen, den Sonderfürsorgeberechtigten ein Grußwort zu entbieten. Er bezeichnete den VdK Ortsverband Rauenberg als einen Sammelort für Hilfesuchende, bei dem alle Bevölkerungsgruppen willkommen seien. Rauenberg sei übrigens die einzige Stadt, welche einen Einwohner, nämlich Hermann Krug, aufgrund seiner über 50-jährigen Verdienste um den VdK zum Ehrenbürger ernannt habe.

Dann stand der Landesverbandsvorsitzende von Baden-Württemberg und Präsident des Sozialverbandes VdK Deutschland, Minister a.D. Walter Hirrlinger, im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Geschlagene 30 spannende Minuten setzte er sich mit dem Thema "Sozialstaat verpflichtet!" auseinander. Zunächst brach Hirrlinger eine Lanze für die im VdK ehrenamtlich Tätigen. Ohne das Ehrenamt würde die Gesellschaft verarmen und ohne das Ehrenamt müsste der Staat Milliardenbeträge für die Betreuung der Menschen aufbringen. An die Adresse der anwesenden Politiker gewandt, forderte der Präsident, dass mehr für die Aufwertung des Ehrenamtes getan wird als bisher. "Sozialstaat verpflichtet' bedeutet nach Hirrlingers Worten: Gravierendes Unrecht verhindern, Fortschritte für die Menschen zustande zu bringen und über soziale Gerechtigkeit nicht nur zu reden, sondern sie zu praktizieren! Dann legte der Referent in Sachen Reriten- und Krankenversicherung seine "Finger in offene Wunden". Er forderte unter anderem die Halbierung der Mehrwertsteuer für Arzneimittel, die Einführung einer Patientenkarte und transparente Arztabrechnungen. Insbesondere nahm Hirrlinger zu drei Themen Stellung: der Reform des Gesundheitswesens, der Rentenreform und der Teilnahme von behinderten Menschen als Arbeitnehmer im Berufsleben- Beim Gesundheitswesen dürfe ein Wettbewerb nur dafür sorgen, dass "die betreffenden Leistungen effizienter, also besser und kostengünstiger erbracht werden". Der Zugang zu den Leistungen dürfe für einkommensschwächere Versicherte nicht angetastet werden. Weder brauche man eine Unterscheidung zwischen «Grund und Wahlleistungen", noch eine Selbstbeteiligung von 500 Euro pro Versicherten. Recht kritisch bewertete Hirrlinger die Rentenreform der Bundesregierung. Ihre Folgen: Die jetzigen Rentner müssen ab 2003 geringere Rentenanpassungen in Kauf nehmen.

Da sich die jährlichen Rentenanpassungen künftig außerdem am Bruttoeinkommen und nicht mehr an den Nettolohnen orientieren, fielen die Erhöhungen nochmals geringer aus. Als eine wichtige sozialpolitische Aufgabe bezeichnete Hirrlinger auch die Eingliederung behinderter Menschen in das Arbeitsleben. So sei die Aktion, 50.000 schwer behinderte Menschen wieder in "Arbeit und Brot" zu bringen, bislang sehr erfolgreich verlaufen- Man dürfe es aber nicht bei dieser Aktion bewenden lassen, sondern die nächste gleich hinterher schieben. Nachdenklichkeit und Betroffenheit unter den Zuhörern erzeugte Hirrlinger mit der Feststellung, dass bezüglich der Gleichstellung von Behinderten und Nichtbehinderten eine Bewusstseinsveränderung in den Köpfen herbeigeführt werden müsse, die er mit folgender Feststellung bekräftigte: "Niemand weiß, ob er nicht schon heute Abend oder morgen ebenfalls zum Personenkreis der behinderten Menschen gehört ..."

Eine Oberraschung bot Maurice Garitan, der mit einer Delegation aus Frankreich bei der Gemeinschaftsveranstaltung des VdK- Kreisverbandes Heidelberg in Rauenberg weilte. Seine Ansprache hielt der "Zweite-Weltkrieg-Teilnehmer" in seiner Heimatsprache. Als Dolmetscher fungierte der Obmann der Sonderfürsorgeberechtigten Bernhard Wipfler aus Dielheim. Der Franzose freute sich, vor ehemaligen deutschen Wehrmachtssoldaten sprechen zu dürfen. Die feindseligen Zeiten seien endgültig vorbei. Garitan war stolz darauf, in einem vereinten Europa leben zu dürfen. Die Anwesenden quittierten Garitans beeindruckende Rede mit einem herzlichen Beifall.

Johann Habla, der neue Chef im Versorgungsamt Heidelberg, sprach für die anwesenden Behördenvertreter und bezeichnete deren Anwesenheit in Rauenberg als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Sozialverband VdK. In
kurzen Worten stellte er die Versorgungsverwaltung vor, die sich - ähnlich wie der VdK - zu einem "modernen
Sozialleistungsträger" entwickelt habe. Namens seiner übrigen Behördenkollegen sagte Habla dem VdK Kreisverband Heidelberg und dem VdK allgemein eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu.

Ein kollektives Mittagessen gab der Gemeinschaftsveranstaltung für die in Sonderführung stehenden Kriegsbeschädigten zusammen mit ihren französischen Schicksalskameraden eine besondere Note-
Am Nachmittag spielten Nicole und Andi aus Wiesloch zur Unterhaltung auf, während Gerhard Geißler aus Rauenberg Anekdoten und Weinweisheiten zum Besten gab. Die Bewirtung übernahm der VdK-Ortsverband Rauenberg mit seinem rührigen neuen Vorsitzenden Gerhard Filsinger an der Spitze.
Reinhold Stegmeier

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