Url dieser Seite: http://vdk.de/ov-korntal-muenchingen/ID60679
Sie befinden sich hier:
  • Startseite
  • >
  • Volkstrauertag : Für den Frieden-gegen das Vergessen

Für den Frieden - und gegen das Vergessen: Volkstrauertag 2022

Worte des Gedenkens des VdK-Vorsitzenden Dr. Otto Koblinger auf dem Friedhof in Korntal

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr verehrte Vertreter der Stadt und der Kirchen, liebe Schülerinnen und Schüler, verehrte Anwesende.

Als Vorsitzender des Sozialverbands VdK Korntal-Münchingen darf ich Sie und alle Mitwirkende hier auf dem Friedhof in Korntal, auch im Namen der Stadt Korntal-Münchingen, recht herzlich zu dieser Gedenkveranstaltung begrüßen.

Der Volkstrauertag ist ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt und zugleich ein Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror reagieren, was wir heute für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit bei uns und in der Welt tun können.

Dieser Tag ist zugleich ein Tag der Trauer. Wir trauern um die Opfer von Gewalt und Krieg überall auf der Welt, um Frauen, Männer und Kinder, die ihr Leben verloren haben oder deren Leben der Krieg überschattet hat. Denn Krieg bedeutet neben Tod auch vielfach Hunger, Leid und Not. Krieg kennt keine Gewinner, sondern nur Verlierer.

Alleine die Kriege des 20. Jahrhunderts haben weit über 100 Millionen Menschenleben gefordert. Städte und Dörfer lagen in Trümmern. Hinzu kommen Millionen Menschen, die verwundet, verstümmelt, entsetzlich entstellt wurden. Unsere Vorstellungskraft versagt, muss versagen angesichts der gewaltigen Opferzahlen.

Wir gedenken den Menschen, die wegen ihres Glaubens, ihrer Abstammung, ihrer Sexualität oder ihrer politischen Gesinnung damals und heute zu Opfern wurden. Insbesondere gedenken wir den Menschen die wegen ihrer Behinderung als „unwertes Leben“ bezeichnet, verfolgt, diskriminiert und getötet wurden.

Glücklicherweise durften wir in den letzten 75 Jahren die längste Friedensperiode in der europäischen Geschichte erleben. Diese Errungenschaft müssen wir uns immer wieder bewusstmachen machen und gerade in den Zeiten bewahren, in denen es wieder Krieg in Europa gibt.

Auch wenn wir in Europa seit Jahrzehnten im Frieden leben, führen uns nicht zuletzt die vielen Bilder und täglichen Nachrichten über den brutalen Angriff von Russland auf die Ukraine, die Mobilmachung von 300.000 Reservisten in Russland für diesen mörderischen Krieg und die Androhung vom Einsatz von Atomwaffen schmerzlich vor Augen, wie nah und dringlich die Friedensaufgabe tatsächlich ist.

Nie hätten wir gedacht, dass die Zeiten des Kalten Krieges mit einem atomaren Säbelrasseln, welches die Welt in den Untergang reißen könnte, wieder Alltag wird.

Gerade für den VdK, der sich 1946 aus den Kriegsbeschädigten, Witwen und Kriegswaisen des 2.ten Weltkriegs gegründet hat, ist dieser russische Aggressionskrieg eine besondere Herausforderung. Denn aufgrund unserer Erfahrung mit Krieg haben wir gleich in den § 2 der VdK- Satzung die klare Verpflichtung hineingeschrieben, gegen jede Entfachung neuer Kriege deutlich Stellung zu nehmen und alle Bemühungen zur Sicherung des Friedens und zur Einheit Europas zu unterstützen.

In diesem Jahr gedenken wir daher im Besonderen an die Kriegstoten und ihre Angehörigen in der Ukraine: der vielen in den vergangenen Monaten gefallenen Soldaten und getöteten Zivilisten. Allein der Krieg in der Ukraine hat schon mehr als 5.000 ukrainische Zivilisten, darunter über 375 Kinder das Leben gekostet. Zudem wurden bereits über 8.400 Zivilisten, darunter 650 Kinder, verletzt. Mehr als vier Millionen Frauen und Kinder sind geflüchtet, davon alleine eine Million nach Deutschland. Diese Frauen und Kinder wurden zu Flüchtlingen, Kriegswitwen und Waisen.

Die Bilder von zerstörten Krankenhäusern, Kindergärten und Flüchtlingskonvois unter gezieltem russischem Beschuss, geplünderte und zerstörte Städte und grausame Massaker an unschuldigen Zivilisten sind verängstigend.

Bei all den Emotionen dürfen wir nicht vergessen, dass der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine nicht von dem russischen Volk ausgeht, sondern von einer machthungrigen Elite um Präsident Putin. Unser Mitleid gilt somit genauso auch den getöteten russischen Soldaten, die diesem verbrecherischen Krieg nicht ausweichen konnten und oft sogar mit einer falschen Wahrheit in die Pflicht genommen wurden. Unser Mitgefühl gilt deren Angehörigen, die ihre Lieben nie wiedersehen werden.

Wir sind heute hier, um diesen Gedenktag als einen Tag der Trauer und der Mahnung zu begehen. Trauer bedeutet Anteilnahme am Mitmenschen. Aus dieser Trauer entsteht die Verpflichtung, alles zu tun, damit nicht erneut unschuldige Menschen zu Opfern von Krieg, Terror und Gewalt werden. Wir müssen die Botschaft der unzähligen Gräber aufgreifen. Ihre Botschaft heißt Frieden und Versöhnung.
Dafür einzutreten ist eine Mahnung, die uns die vielen Millionen Opfer, denen wir am Volkstrauertag gedenken, mitgeben.

Wir können den Frieden nur bewahren, wenn wir aktiv für ihn eintreten. Das gilt in der großen Perspektive der Weltpolitik genauso wie im kleinen Rahmen unseres täglichen Lebens. Deshalb ist es umso wichtiger, den Anfängen zu wehren, mutig einzuschreiten, wenn Mitmenschen unsere Hilfe brauchen. Denn nicht alle Menschen haben das Glück friedlich aufzuwachsen. Und viele derer, die zu uns kommen, haben alles verloren.

Unser ganz besonderer Dank gilt daher den Bürgerinnen und Bürgern, die sich um die Flüchtlinge aus der Ukraine mit Spenden oder sogar mit einer Wohnmöglichkeit kümmern. Diese Frauen, Kinder und Männer sind auf der Flucht vor dem Krieg, sie sind in existentieller Not und auf unsere Hilfe angewiesen.

Unser Gedenken gilt heute aber auch den deutschen Soldaten, den Polizisten und den vielen Helfern, die täglich bei verantwortungsvollen und riskanten Einsätzen in Situationen kommen, in denen sie ihre Gesundheit und ihr Leben für Frieden und Sicherheit in Gefahr bringen.

Erst vorgestern wurde dafür bei Potsdam im „Wald der Erinnerungen“, der aus Masar-i-Scharif mitgebrachte 20-Tonnen-schwere Ehrenhain für die 59 in Afghanistan-Einsatz gefallenen deutschen Soldaten eröffnet. Einer der denkwürdigsten und längsten Einsätze der Bundeswehr überhaupt.

Der Frieden ist ein zerbrechliches Gut, das wir mehr denn je schützen müssen. Aus dem Gedenken des heutigen Tages ergibt sich für uns alle die Pflicht zum Erhalt des Friedens. Und damit das gelingt, ist jeder einzelne von uns gefragt. Gerade wir Europäer, insbesondere wir Deutsche, sind daher aufgerufen, weltweit und immer wieder für Verständnis und Aussöhnung zu werben.

Deshalb freue ich mich ganz besonders über den Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Realschule Korntal-Münchingen bei dieser Gedenkfeier, weil sie dadurch Verantwortung übernehmen, und mit uns nachher ihre Gedanken teilen auf dem Weg in eine friedliche Zukunft.

Ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme.

Dr. Otto Koblinger

Vorsitzender Sozialverband VdK Korntal-Münchingen

Bildrechte einblenden

Bildrechte auf der Seite "https://www.vdk.de/ov-korntal-muenchingen/ID60679":

  1. Photo: Dominik Sauter Amtsblatt KoMü | © VTT 2022 Ko Gedenkfeier VdK DOK
  2. RKM VdK DOK | © VTT 2022 Ko Schülerinnen VdK DOK
  3. Photo Martin Schmid | © VTT 2022 Münchingen Denkmal MN DrW
  4. Photo Martin Schmid | © VTT 2022 Grundschüler Geschichte
  5. Photo: Martin Schmid | © VTT 2022 Münchingen Kranz tragen
  6. Photo: Martin Schmid | © VTT 2022 Teilnehmer Münchingen
  7. Photo Martin Schmid | © VTT-2022-Mue-Posaunenchor-text.jpg
  8. Teilnehmer Ko DOK | © VTT 2022 Ko Teilnehmer VdK DOK
  9. VdK DOK | © VTT 2022 Ko Musikverein
  10. VdK DOK | © VTT 2022 Ko Kranz VdK DOK
  11. Einladung Amtsblatt KoMü VdK DOK | © Einladung Amtsblatt KoMü VdK DOK

Liste der Bildrechte schließen

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.