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Mitgliederbetreuung mit ganzem Herzen

Wally Gerber macht sich ausgehfertig. Am Vormittag hat sie ihren Haushalt, wie jeden Tag, in Schuss gebracht, ein kleines Mittagessen gekocht und auch schon kurz die Nachbarin besucht, die täglich mit ihr einen Schwatz halten will. Heute steht ein weiterer Besuch auf ihrem Programm. Auf ihrer umfangreichen Betreuungsliste, die sie monatlich vom Ortsverbandsbüro des VdK erhält, steht ein Geburtstagsjubiläum: Walter Zinsmann (Name geändert) wird 90 Jahre alt. Er lebt alleine in seiner Wohnung, sieht schon etwas schlecht und ist darüber hinaus gehbehindert. Somit hat sich sein Lebenskreis in den letzten Jahren doch erheblich eingeschränkt. Wally Gerber läutet an Zinsmanns Wohnungstüre und wartet geduldig, bis dieser ihr öffnet.

v.l. Wally Gerber und Betty Miedtank

© HJR

"Grüß Gott, Herr Zinsmann, ich komme vom Sozialverband VdK und möchte Ihnen ganz herzlich zu Ihrem 90. Geburtstag gratulieren". Mit diesen Worten begrüßt sie den Jubilar. Man sieht ihm die Freude über die Glückwünsche und vor allem über die Abwechslung in seinem einsamen Leben deutlich an. "Kommen Sie doch bitte herein" fordert er Wally Gerber einladend auf. Sie nehmen Platz im Wohnzimmer, wo die Betreuerin ihre mitgebrachten einfachen Geschenke überreicht: Eine Geburtstagskarte mit den Glückwünschen des VdK, eine Flasche Saft und ein paar Frühlingsblumen. Doch dieses Mitbringsel ist Walter Zinsmann gar nicht so wichtig wie die Gelegenheit, mit einem mitfühlenden Menschen "auf Augenhöhe" sprechen und sich unterhalten zu können. So entspinnt sich eine angeregte Unterhaltung, bei welcher Wally Gerber dem Jubilar auch noch Tipps gibt, wo er sich wegen der Beantragung eines Rollators hinwenden kann. Auf diese unterhaltsame Weise vergeht die Zeit für das Geburtstagskind viel zu schnell.
Als sich Wally Gerber dann verabschiedet, bedankt sich Zinsmann mehrfach sehr herzlich und gerührt und meint, sie solle doch bitte ganz bestimmt wiederkommen. So verlässt die Betreuerin des VdK die Wohnung mit dem schönen Gefühl, an diesem Tag einem Mitmenschen etwas Glück ins Leben gebracht zu haben.
So gerne Wally Gerber diese Betreuungsarbeit auch ausführt, es steckt recht viel Arbeit dahinter: Monatlich die Betreuungsliste in der Ludwigstraße abholen, schauen, wer zu besuchen ist und abprüfen, welches Mitbringsel das Passende sein könnte. Schließlich trinkt nicht jeder Besuchte Wein, kann man einer Diabetikerin keine zuckerhaltigen Kekse kaufen, na ja, und auch bei den überreichten Blumen ist Fingerspitzengefühl angesagt. So greift Gerber auch öfters einmal auf Körperpflegemittel als Präsent zurück, besonders dann, wenn Besuche im Altenheim anstehen. Nach all diesen planerischen Überlegungen ruft sie dann meistens die zu Besuchenden vorher an und vereinbart einen Termin, damit sich Verwandtenbesuche nicht gerade mit ihrer Gratulation überschneiden. Ebenso verfährt sie bei den fälligen Krankenbesuchen. Hier ist sogar noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt, denn zu allem Anderen kommt noch die Frage hinzu, welche Nahrungsmittel aktuell geeignet sind und wann ein günstiger Zeitpunkt für eine Krankenvisite ist. Wenn man bedenkt, dass Gerber im Jahr circa 130 derartige Besuche abstattet und dies in einem Gebiet, das vom "Pudel" über die Füssener Straße bis in die Altstadt reicht und noch den Wohnbereich um die Ulrichskirche einschließt, kann man sich lebhaft eine Vorstellung von ihrer "Reisetätigkeit" zu Fuß und mit dem Fahrrad machen.
Wally Gerber ist nicht alleine als Betreuerin im Kaufbeurer VdK tätig. Ihre Kolleginnen Betty Miedtank, Irene Eder, Hanni Keller, Friedel Raab, Angela Mark, Brigitta Pitsch und Waltraud Brambor teilen sich die Stadtgebiete Kaufbeurens für ihre Betreuungstätigkeit einvernehmlich untereinander auf. Das Areal, welches sie betreuen, umfasst natürlich auch die Stadtteile Hirschzell, Oberbeuren, Kemnat und Neugablonz. Sie treffen sich meistens wöchentlich in der Ludwigstraße im "Büro" und tauschen sich aus über ihre Erlebnisse bei der Arbeit, geben sich gegenseitig Hinweise und suchen auch manchmal Trost, wenn bei einem solchen Besuch das erlebte Leid - was öfter vorkommt als man denkt - nicht alleine bewältigt werden kann. Trotz allem - da sind sich alle einig - diese Betreuungsarbeit mit den Alten und Kranken fordert nicht nur, nein, sie gibt auch viel, sie gibt Freude und Kraft fürs Weitermachen, sie gibt Zufriedenheit und ein kleines, ganz persönliches Glück.
Bleibt noch anzumerken, dass ohne dieses ehrenamtliche Mitarbeiten ein Verein oder Verband überhaupt nicht denkbar wäre, das öffentliche Leben in einer Stadt oder auf dem Land nicht funktionierte und unsere Gesellschaft insgesamt geistig-sittlich verarmen und "austrocknen" würde.
Text und Bild: H.Juergen Rohner


Anregungen an: gerd.wolff@gewo-digifoto.de
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