Url dieser Seite: http://vdk.de/ov-hohenau/ID194661
Sie befinden sich hier:

VdK Ortsverband Hohenau informiert über Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz II

Referent Alfred Achatz mit einigen Vorstandsmitgliedern

Referent Alfred Achatz mit einigen Vorstandsmitgliedern© Isabella Weber

Der Vorstandsvorsitzende Helmut Weber konnte am Freitagabend 20 Gäste beim Kirchenwirt in Hohenau zum Vortrag Pflegestärkungsgesetz II willkommen heißen. Herr Alfred Achatz, Bereichsleiter Pflege, von der AOK Bayerwald berichtete in seinem eineinhalbstündigen Vortrag ausführlich über die verschiedenen Leistungen aus der Pflegeversicherung und vor allem über die Neuerungen durch das Pflegestärkungsgesetz II, das seit 01.01.2017 Gültigkeit hat.
Achatz erklärte, dass durch die Gesetzesreform auch der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert wurde. So sind demnach Personen pflegebedürftig, bei denen gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die auf Dauer, voraussichtlich für mindestens 6 Monate, bestehen.
Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist ein neues Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit verbunden, so Achatz. Nach dem neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden keine Minuten mehr gezählt, sondern Bewertungspunkte vergeben. Maßstab soll der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen sein. Die 6 Module des Begutachtungsinstrumentes und deren Gewichtung wurden von dem Referenten ausführlich mit Beispielen aufgezeigt. Maßgebend sind die Bereiche Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Probleme, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen und Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Die höchste Gewichtung für die Berechnung des Pflegegrades hat das Modul ?Selbstversorgung? mit 40 Durch das Pflegestärkungsgesetz wurden aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade, auf die Achatz näher einging. Der Pflegegrad 1 ist neu und ermöglicht auch Pflegebedürftigen mit geringen Beeinträchtigungen Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beantragen. Dieser Personenkreis hat einen Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro, der für eine Pflegeberatung oder Pflegekurs in Anspruch genommen werden kann. Achatz erklärt, dass bisherige Leistungsempfänger durch die Reform nicht schlechter gestellt werden und der Bestandsschutz greift. Bei der Überleitung aus den Pflegestufen in die neuen Pflegegrade werden Pflegebedürftige mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz zwei Pflegegrade höher eingestuft.
Sehr ausführlich wurde auf die verschiedenen Leistungen eingegangen, zu denen auch viele Fragen von den Zuhörern kamen. Zu unterscheiden ist zwischen Pflegesach- und Pflegegeldleistungen. Bei Pflegesachleistungen muss die Pflege ausschließlich durch ambulante Pflegedienste erfolgen. In diesem Bereich gab es durch die Reform finanzielle Verbesserungen. Der Entlastungsbetrag wurde durch die Reform für alle fünf Pflegegrade für Pflegebedürftige im häuslichen Bereich auf 125 Euro festgesetzt. Dieser Betrag kann verwendet werden für zum Beispiel Aufwendungen aus der Kurzzeitpflege. Die Beträge können angespart werden und dürfen nach Jahresende auch bis ins darauffolgende halbe Jahr mitgenommen werden.
Im ambulanten Bereich gibt es ab Pflegegrad 2 noch weitere Leistungen. Diese sind zum einen die Möglichkeit einer Kombinationspflege. Hier werden Pflegesachleistungen und Pflegegeld kombiniert. Sollte die Pflegeperson vorübergehend ausfallen, gibt es die Möglichkeit der Verhinderungspflege für bis zu 6 Wochen mit einer Leistung bis zu 1.612 Euro im Kalenderjahr. Allerdings ist zu beachten, dass die Pflegeperson nur Anspruch darauf hat, wenn sie mindestens 6 Monate die Person im häuslichen Bereich gepflegt hat. Die Kurzzeitpflege kann nur in einer vertraglichen Einrichtung erfolgen für die Dauer von maximal 8 Wochen. Hier werden ebenfalls im Kalenderjahr 1.612 Euro zur Verfügung gestellt. Achatz bemerkt, dass bei Nichtausschöpfung der Kurzzeit- bzw. Verhinderungspflege ein bestimmter Betrag zwischen den beiden Pflegemöglichkeiten übertragen werden kann. Die Tages- und Nachtpflege ermöglicht den pflegendenden Angehörigen ebenfalls eine Entlastung im häuslichen Bereich. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege können mit ambulanten Pflegesachleistungen und/oder dem Pflegegeld ohne eine Anrechnung kombiniert werden.
Als weitere Leistungen führt Achatz die Pflegehilfsmittel auf. Dazu zählen Verbrauchsmittel, technische Hilfen sowie Verbesserungen des Wohnumfeldes. Es werden auch die Kosten für Pflegekurse übernommen.
Ab dem Jahr 2017 werden durch die Pflegeversicherung Rentenversicherungsbeiträge für einen deutlich größeren Personenkreis entrichtet. Dafür gibt es aber bestimmte Voraussetzungen. Die pflegebedürftige Person muss mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft sein und die Pflegeperson muss mindestens zehn Stunden wöchentlich an 2 Wochentagen in der häuslichen Umgebung pflegen. Die Pflegepersonen sind auch in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert.
Im Anschluss wurden die Änderungen im stationären Bereich erläutert. Seit 2017 wird für jedes Pflegeheim ein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil für den Anteil an pflegebedingten Aufwendungen und evtl. Ausbildungszuschlag ermittelt. Das bedeutet, alle pflegebedürftigen Bewohner in den Pflegegraden 2 bis 5 bezahlen den gleichen Eigenanteil an den pflegebedingten Aufwendungen.
Um die Pflege auch finanzieren zu können, wurden die Beiträge in der Pflegeversicherung ab 2017 auf 2,55 Prozent angehoben. Kinderlose Versicherte ab dem vollendeten 23. Lebensjahr müssen noch zusätzlich den sogenannten Kinderlosenzuschlag zahlen, sodass der Beitragssatz dann bei insgesamt 2,80 Prozent liegt.
Abschließend wies Achatz auf die Angebote einer Pflegeberatung sowie des Pflegenavigators auf der AOK-Homepage hin.
Der Vortrag fand großes Interesse bei den Zuhörern und wurde mit vielen Fragen zu einer kurzweiligen Veranstaltung.

Bildrechte einblenden

Bildrechte auf der Seite "https://www.vdk.de/ov-hohenau/ID194661":

  1. Referent Alfred Achatz mit einigen Vorstandsmitgliedern | © Isabella Weber

Liste der Bildrechte schließen

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.