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Porträt Dieter und Hannelore Seiche

„Wir könnten einen Roman schreiben“

Hannelore und Dieter Seiche haben den Ortsverband Bensheim/Schönberg fast 50 Jahre lang im Ehrenamt geführt

Über ihr bewegtes Leben könnten Hannelore und Dieter Seiche einen Roman schreiben, sagen sie. Mit dem „bewegten Leben“ meinen die beiden vor allem ihre vielen Jahre, die sie für den Sozialverband VdK tätig waren. Dieter Seiche (77), mit einer Hüftdysplasie behindert auf die Welt gekommen, war von 1972 bis Ende 2020 im VdK ehrenamtlich aktiv. Das sind nahezu 50 Jahre.

Ein Ehrenamt bekleidete er ungeachtet seiner schweren Behinderung schon seit 1967. Ab diesem Zeitpunkt fand er in seinem Freund und Mentor Walter Schebek einen Antriebsmotor, der ihn beim Sportverein Schönberg die Geschäfte führen ließ und ihn beruflich unterstützte. Das Engagement wurde Dieter Seiche wie seine Behinderung mit in die Wiege gelegt, die im tschechischen Aussig stand. Die Familie wurde nach dem Krieg vertrieben, kam nach Schönberg. Schon Vater Rudolf war 40 Jahre lang im VdK aktiv, kümmerte sich in den frühen Jahren fast ausschließlich um Kriegsversehrte und ihre Angehörige. Rudolf Seiche war in Schönberg VdK-Vorsitzender, Sohn Dieter zunächst Schriftführer, übernahm das Amt 1994. „Und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf, das Karussell fängt sich an zu drehen“, schreibt Dieter Seiche in seinem „Kurzporträt“, in dem er auch über mehrere Operationen und eine „sehr lange Leidenszeit“ berichtet.

Hannelore und Dieter wurden schon vor 55 Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sie sich zur Fastnachtszeit 1966. Hannelores Eltern hatten in Wilmshausen das Lokal „Krone“. Dieter spielte Akkordeon. Die beiden kamen sich näher. Geheiratet wurde im Mai 1967. Ein Paar für den VdK wurden die Seiches 1990. Da wurde Dieter Vorsitzender, seine Frau seine Stellvertreterin. „Wir haben den VdK gelebt“, erklärt das Ehepaar, das eine Tochter und einen Sohn hat. Beide Kinder übernahmen Funktionen im Verband. Tochter Petra und deren Man übernahmen Funktionen im und der Sohn Robert kümmerte sich um Wartung und Pflege in der EDV des VdK verantwortlich. Inzwischen gibt. Inzwischen gibt es sogar einen Urenkel. „Das macht Spaß zum Leben“, freuen sich die beiden.

Erfolgreich war das Ehepaar, weil es Ausflüge, Tagesfahrten und mehrtägige Reisen organisierte - und immer erreichbar war. Die beiden waren mit Gruppen in ganz Deutschland, in Österreich, Italien und der Schweiz unterwegs. Auch privat („Familienurlaub haben wir uns immer gegönnt“) kamen sie herum, waren in London, Rom, am Schwarzen Meer, seit 1978 regelmäßig zum Kuren in Bad Füssing.

Spaß hatten sie sicher im Ehrenamt, das sie in Bensheim und Schönberg mit vielen Veranstaltungen, ungezählten Festen, aber auch mit kompetenter Beratung betrieben. 1996 übernahm der gelernte Großhandelskaufmann und dann Verwaltungsangestellte beim Landkreis den Ortsverband Bensheim mit damals etwas mehr als 100 Mitgliedern. Heute zählt er mehr als 1000. „Wie wir das mit zwei Kindern und unseren Behinderungen geschafft haben, wissen wir auch nicht“, gestehen sie.

Hannelore kann ohne Krücken nicht mehr laufen. Die gesamte Lendenwirbelsäule bestehe zum Teil aus Kunststoff, Titan und Schrauben.

Die Bandscheibe bestehe zum Teil aus Kunststoff und Titan. Dieter hat nicht nur zwei künstliche Hüften, sondern auch eine künstliche Herzklappe. Sie bezeichnen sich als „Stehaufmännchen“, auch wenn’s im Alter nicht einfacher werde. Sie haben sich die Wohnung nach ihren Bedürfnissen eingerichtet und umgebaut. „Wenn jemand etwas von Behinderungen versteht, dann wir“, sagt Dieter Seiche schmunzelnd. Es dauerte bis ins erste Corona-Jahr 2020, bis sie kapitulierten, ihre Ämter niederlegten.

Ehrlicherweise waren es nicht allein Krankheiten und Behinderungen, die Hannelore und Dieter Seiche zermürbten. „Von oben wurden uns immer wieder Steine in den Weg gelegt“, klagt das Ehepaar, ohne konkret zu werden. Es habe von übergeordneter Stelle auch nie ein Wort des Dankes gegeben, fügen beide hinzu. „Da war Schluss“, sagt Seiche enttäuscht. Auch Tochter Petra, lange Zeit Schriftführerin, schmiss verärgert hin, nachdem ihr mangelndes Engagement vorgeworfen worden war. Bei waren die Verbands-Oberen nach dem Hessentag in Bensheim 2014 voll des Lobes für die Art und Weise, wie Hannelore und Dieter den Ortsverband präsentiert hatten.

Seine erfolgreichste Zeit hatte Dieter Seiche in den Jahren, in denen er mit seinem durch einen Aufzug barrierefreien Büro über dem Seniorentreff in der Bensheimer Hauptstraße residierte. musste der Senioren- und Behindertenbeauftragter ausziehen, musste der Senioren- und Behindertenbeauftragter ausziehen, teilte sich ein Arbeitszimmer mit städtischen Bediensteten.

„HDS Bensheim. Bergstraße“ steht groß auf dem Briefkopf von Hannelore und Dieter Seiche. Das strahlt eine eiserne Gemeinsamkeit und Selbstbewusstsein aus. Mit dem, was Seiches als „Ende der Ära“ bezeichnet, verlor der Ortsverband Bensheim/Schönberg nicht nur zwei wackere Streiter und findige Sozialberater, sondern büßte sein Büro im Bürgerzentrum ein. Die Corona-Jahre sind am VdK Bensheim/Schönberg nicht spurlos vorüber gegangen. Ende Juli fand sich endlich ein neuer Vorstand um den neuen Vorsitzenden Martin Göbel, der jetzt erst einmal ein Geschäftszimmer sucht. tra

Porträt D. und H. Seiche

Dieter und Hannelore Seiche© Reiner Trabold

Porträt Dieter und Hannelore Seiche

Dieter und Hannelore Seiche© Reiner Trabold

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  1. Porträt D. und H. Seiche | © Reiner Trabold
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