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100 Jahre Frau Lina Ritschle

Lina Rietschle 100 Jahre alt

Besuch VdK

Rotensol 23.10.2019 von Winnie Gegenheimer

Ihren 100sten Geburtstag hat Lina Rietschle am Montag, 21. Oktober gefeiert. Über 40 Gäste kamen zu Sektempfang und Abendessen im Rotensoler Sportheim zusammen. Die Schwestern der Sozialstation hat die Jubilarin eingeladen: „Die versorgen mich so gut! Und der Fahrer, der mich zur Tagespflege bringt. Der hat sich richtig gefreut!“ Zuallererst aber war es die Familie, in deren Kreis die Urrotensolerin feiern durfte. Sohn, Schwiegertochter, vier Enkelinnen, eine Urenkelin. „…demnächst sind es drei! Ich freue mich drauf!“ Sogar die älteste lebende Nichte, selbst 93 Jahre alt, sei zur Überraschung aus dem Saarland gekommen. Und „weil unsere Mutter meinte, ihre Lebenschronik hätten wir schon zum 99sten ausführlich berichtet, haben wir ihr dieses Jahr einen Musiker eingeladen, der eine Stunde lang ihre Wunschlieder mit uns sang“, berichtet Sohn Rolf. „Das war schön, mit Schunkeln“, lächelt die alte Dame, „danach gab’s Schnitzel – auch die waren sehr gut!“ Ein Riesenpensum, was sie da bewältigt hat. Und über den Tag kamen natürlich Nachbarn, Freunde, Pfarrer Matthias Ahrens zur Gratulation vorbei.
Am Donnerstag wird in der Tagespflege gefeiert – und am Mittwoch freut Lina Rietschle sich über den persönlichen Besuch von Christl Hoffacker und Monika Sander vom VdK-Vorstand. Sie bringen ein Geschenk mit und Zeit für ein Schwätzchen. „Schön, dass Sie noch Zeit für uns alte Menschen haben!“ sagt die Jubilarin und erzählt, dass sie und ihr verstorbener Ehemann Karl bereits 1950 dem Sozialverband beigetreten sind. „Mein Mann kam erst 1949 aus dem Krieg zurück. Der VdK hat viel Schriftliches für ihn erledigt.“ Kennengelernt hatte sie ihren Karl während ihrer Zeit als Buffet- und Servicekraft im Dobler Hotel Funk noch während des Krieges. Er sei mit seiner Einheit dort einquartiert gewesen. „Wir hatten eine Kriegstrauung.“ Lina Rietschle blieb im elterlichen Haus in Rotensol. Drei Kinder hat sie geboren, eines starb früh, ein Sohn vor zehn Jahren. Ihre eigenen Eltern hat sie noch versorgt, als jüngste von acht Geschwistern. Unglaublich flink und genau ist ihr Gedächtnis bis heute. „Wenn nur die Füße noch so gingen wie der Kopf“, fügt sie an. Dabei bewegt sie sich noch ganz selbständig. Sohn Rolf hat 2018 eine komfortable Rampe ans Haus gebaut, so dass die Mutter mit dem Rollator auch in den Garten gelangt. Die Schwiegertochter hat ihr dort jüngst 320 Feldsalatsetzlinge gepflanzt. Dass Enkelin Tanja, selbst an diesem Mittwoch Geburtstagskind, mit Urenkelin Ronja zusammen im Haus wohnt, „ist eine Win-Win-Situation“, sagt Sohn Rolf. „Solange sie in die Grundschule ging, hab ich noch täglich für Ronja und mich Mittagessen gekocht“, erzählt die alte Dame. Kochen tut sie heute noch gern für alle – auf Wunsch Bubespitzle oder Spätzle, selbstverständlich selbstgekratzt. Dafür stellt sie sich samt Rollator in die Küche. „Meine Enkelinnen haben mich auf Trab gehalten“, lacht sie, „ich durfte gar nicht alt werden! Und so wie ich vor Jahren unterstützt habe, ist Tanja jetzt für mich da“, sagt die Jubilarin. „Die Familie im Alter zu haben, das ist was wert. Darüber unterhalte ich mich manches Mal mit meiner Freundin Hildegard Hädinger.“ Die Wertschätzung in der Familie ist gegenseitig. „Dass du so alt werden darfst, ist durchaus dein Verdienst“, stellt Sohn Rolf fest, „du warst immer diszipliniert. Ein Vorbild für uns.“ Wo sie geboren wurde? „Hier im Nebenzimmer!“ lacht Lina Rietschle. „Wenn ich gefragt wurde in Rotensol, wohin ich gehöre“, schmunzelt Sohn Rolf, „dann hab ich gesagt: Ich bin der Enkel vom Öl-Burkhardt. Denn mein Großvater zog noch mit dem Handkarren seine Schmierstoffe zu den Kunden.“ Das erste Haus an der Straße – damals noch Krummholz- und nicht Beerfeldweg – sei das ihres Vaters, eben des Öl-Burkhardt, gewesen, weiß Lina Rietschle und erinnert sich: „Im Krieg sind wir hinüber zum Wald unterhalb von Bernbach und haben Bucheckern gesammelt. Mit dem Handwägele brachten wir sie zur Ölmühle. Für acht Pfund Bucheckern gab‘s einen Liter Öl.“ Zur Schule gegangen ist Lina Rietschle im Erdgeschoss des alten Rathauses: „Alle sieben Klassen in einem Zimmer.“ Dass das Rathaus verkauft wurde, darüber kann sich die alte Dame heute noch echauffieren!
Lange Jahre war Ehemann Karl Kirchenpfleger und sie selbst Mesnerin der Friedenskirche. „Wenn wir sonntags mit dem Schwarzwaldverein wandern gingen, musste der Rolf in der Kirche einspringen!“ schaut sie mit einem Zwinkern zu ihrem Sohn hin. Ihr großes Hobby heute ist das Stricken. „Die Augen wollen nicht mehr so – aber Rolf hat mir schön helle Lampen angebracht!“ Erstaunlich, welche Kunstwerke Lina Rietschle da noch zaubert: ein Schlafsack mit Zopfmuster für das nächste Urenkelkind ist ihr derzeitiges Projekt. Morgens bereitet sie sich noch selbständig ihr Frühstück und freut sich auf den Schwarzwälder Boten: „Ich muss ja schließlich wissen, was so in der Welt passiert!“

100 Jahre

Freude über den Besuch: Die Gäste Monika Sander und Christl Hoffacker vom VdK, von links, sowie Urenkelin Ronja und Sohn Rolf, von rechts, nehmen Jubilarin Lina Rietschle in die Mitte.© Gegenheimer

100 Jahre

Die Luftballon-100 will nicht so recht herschauen – dafür Jubilarin Lina Rietschle mit Urenkelin Ronja und Sohn Rolf.© Gegenheimer

100 Jahre

Geburtstags“kind“ Lina Rietschle führt mit Sohn Rolf ihre neuesten Strickereien fürs nächste Urenkelkind vor.© Gegenheimer

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