24. Februar 2021
Presse

Inklusive Teilhabe in NRW weiter lückenhaft

VdK-Landesverband fordert Gesamtkonzept für Schule, Ausbildung und Beschäftigung

Zum Jahresende 2019 lebten in Nordrhein-Westfalen rund 1,91 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Dass ihre Bildung, Ausbildung und Beschäftigung immer noch weit von einer gleichberechtigten, inklusiven Teilhabe entfernt sind, machte der VdK-Landesverband zuletzt in einer entsprechenden Pressemitteilung deutlich.

Zwei junge Frauen arbeiten am PC, eine Frau sitzt im Rollstuhl.
Mit Blick auf kürzlich veröffentlichte Zahlen kritisierte der VdK NRW, dass es für die inklusive Teilhabe am Arbeitsplatz und in der (Aus-) Bildung immer noch an entsprechenden Gesamtkonzepten fehlt. | © Andi Weiland | Boehringer Ingelheim, Gesellschaftsbilder.de

„Dass es bei allen Stationen einer üblichen Bildungsbiografie Mängel gibt, bestätigte zuletzt insbesondere der Teilhabebericht NRW“, so der VdK-Vorsitzende Horst Vöge. „Trotz zahlreicher guter Programme und Initiativen fehlt es demnach weiterhin an einem Gesamtkonzept für diese zukunftsweisenden Bereiche.“

Während beispielsweise die Zahl der Auszubildenden zwischen 2010 und 2016 insgesamt um rund 31 Prozent zugenommen hat, sank die derjenigen mit Behinderung im gleichen Zeitraum um 25 Prozent. Zudem liegt der Anteil beim Erwerb eines Abiturs oder Fachabiturs um mehr als 50 Prozent unter dem der Klassenkameradinnen und -kameraden ohne Beeinträchtigungen. „Neben dem Abbau von Barrieren in den Schulen setzen wir uns daher vor allem für eine verpflichtende Vorbereitung der Bildungsfachkräfte auf den inklusiven Unterricht wie auch für eine umfangreichere Einbindung sonderpädagogischen Personals ein“, erklärte Horst Vöge gegenüber den Medien.

Der Vorsitzende des VdK NRW betonte außerdem, dass sich die Anzahl und Dauer der Arbeitslosigkeit – entgegen des allgemeinen Trends – erhöht hat. „Während die Erwerbsbeteiligung von Menschen ohne Behinderung 75 Prozent beträgt, sind es bei ihren Kolleginnen und Kollegen mit Beeinträchtigungen gerade mal 51 Prozent.“ Um die Chancen auf eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern, forderte Horst Vöge zum einen den stärkeren Ausbau von Inklusionsbetrieben und deren nachhaltige Finanzierung. „Darüber hinaus sollte die Beschäftigungsquote ebenso wie die Ausgleichsabgabe erhöht werden – und erstere zukünftig als Pflichtkriterium bei der Vergabe öffentlicher Aufträge gelten.“

Andrea Temminghoff

Schwerbehinderte Menschen
in Nordrhein-Westfalen

Wie „IT.NRW“ als Statistisches Landesamt mitteilt, hat etwa jeder neunte Einwohner Nordrhein-Westfalens einen gültigen Schwerbehindertenausweis (10,6 Prozent). Insgesamt ist die Zahl der Betroffenen zwischen 2017 und 2019 um 5,1 Prozent gestiegen und war mit zuletzt rund 1,91 Millionen sogar um 15,3 Prozent höher als 2009 (1,66 Millionen).

Etwas mehr als die Hälfte (50,6 Prozent) der Menschen mit einer Schwerbehinderung hatten 2019 körperliche Behinderungen, 10,9 Prozent eine geistig-seelische Behinderung und 7,9 Prozent zerebrale Störungen. Überdurchschnittlich gestiegen ist die Zahl der älteren Menschen mit einer Schwerbehinderung (von 2009 bis 2019 um 17,1 Prozent auf rund 1,1 Millionen). Auch bei den unter 65-Jährigen gab es eine Zunahme – um 13 Prozent auf rund 820 000 Betroffene.

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