Schwerbehindertenstatus und EM-Rente erstritten

Nach einer Familientragödie erkrankte VdK-Mitglied Beate T. (Name von der Redaktion geändert) so schwer, dass sie ihren Beruf als Hochbauingenieurin nicht mehr ausüben konnte. Die Sozialrechtsberaterinnen des VdK-Landesverbands Nord halfen der 61-Jährigen, eine Erwerbsminderungsrente und den Schwerbehindertenstatus durchzusetzen.

Auf dem Rentenbescheid liegt Geld.
VdK erstreitet Schwerbehindertenstatus und EM-Rente. | © Uwe Schlick/pixelio.de

Als der Sohn von Beate T. vor fünf Jahren erblindete, war das ein Schock für die ganze Familie. Die Ärzte stellten fest, dass der damals 16-Jährige an der sehr seltenen Augenerkrankung Lebersche Hereditäre Optikus Neuropathie (LHON) litt. Das ist eine erblich bedingte Erkrankung des Sehnervs, die ausschließlich mütterlicherseits weitergegeben wird.

Beate T. wusste bis zu jenem Zeitpunkt nicht, dass sie Erbträgerin dieser Gen-Mutation ist, und machte sich fortan große Sorgen. „Die Angst, dass die Erbkrankheit bei einer meiner drei Töchter oder mir noch ausbricht, hat mich sehr beschäftigt und sicher mit dazu beigetragen, dass ich so krank wurde“, sagt die 61-Jährige heute.

Klage, dann Funkstille

Im Sommer 2018 ging es ihr so schlecht, dass sie nicht mehr arbeiten konnte. Sie litt unter wiederkehrenden Depressionen, Schmerzen an vielen Stellen des Körpers, Schlafstörungen und Tinnitus.

Im Oktober desselben Jahres stellte sie schließlich einen Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 (Schwerbehinderung). Das zuständige Landesamt für soziale Dienste in Schleswig lehnte den Antrag ab und stellte lediglich einen GdB von 30 fest. Der wurde auf 40 erhöht, nachdem der VdK Widerspruch einlegte.

Der VdK klagte daraufhin im Juli 2019 vor dem Sozialgericht Schleswig. Monatelang passierte dann erst einmal nichts mehr. Es drohte ein langjähriges Verfahren. Als Beate T. nachfragte, teilte das Gericht mit, „dass es durch Corona zu Verzögerungen kommen kann“. Sie litt unter der Ungewissheit, schlief kaum noch, ihre Depression verschlechterte sich.

Im Mai 2020 stellte Janna Rohm, Sozialrechtsreferentin in der VdK-Geschäftsstelle in Kiel, bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente für Beate T. Sie bekam zu dieser Zeit schon kein Krankengeld mehr, und im Verfahren um den GdB ging es auch nicht weiter voran.

DRV lehnt ab

Doch die DRV lehnte den Antrag ab. „Nach unseren Einschätzungen können Sie noch mindestens sechs Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes erwerbstätig sein“, so die Begründung.

Rohm legte im Oktober 2020 Widerspruch ein. Darin beharrte sie auf einer vollen Erwerbsminderung. Sie verwies auf die mittlerweile „schwer ausgeprägte Depression mit vielen somatischen Folgen“ und reichte psychologische Befundberichte ein.

Die DRV gab dann Anfang 2021 zwei Gutachten über den gesundheitlichen Zustand von Beate T. in Auftrag. Damit brachte sie neuen Schwung in beide Verfahren, die unabhängig voneinander liefen. Denn: „Die Gutachter attestierten Beate T. einen deutlich schlechteren Gesundheitszustand, als bislang angenommen“, sagt Rohm. Der Erwerbsminderungsrente wurde daraufhin zugestimmt.

Diese neuen Gutachten der Rentenversicherung nutzte Rohm dann auch gleich für das ins Stocken geratene Verfahren am Sozialgericht. Sie teilte dort mit, dass es neue Erkenntnisse zum Gesundheitszustand ihrer Mandantin gibt. Das Sozialgericht forderte die Gutachten bei der Rentenversicherung an und übersandte sie an die VdK-Sozialrechtsreferentin sowie an das Landesamt für soziale Dienste. Daraufhin entschied das Amt, dass ab der Gutachtenerstellung nun doch ein Grad der Behinderung von 50 vorliegt.

Einige Zeit später erhielt Beate T. ihren Rentenbescheid, der ihr eine monatliche Erwerbsminderungsrente von 959,80 Euro bescheinigte. Außerdem wurde ihr eine rückwirkende Nachzahlung in Höhe von 25 672,56 Euro gewährt.

Große Erleichterung

„Ich bin froh, dass die Gutachten so ausfielen, obwohl sie von der DRV in Auftrag gegeben wurden“, sagt Rohm rückblickend. Ansonsten hätte sich die Klage viel länger hingezogen. „Vom Gericht waren zu dem Zeitpunkt noch keine Gutachten in Auftrag gegeben worden.“ Für Beate T. ging es um jeden Monat, da sie ja kein Krankengeld mehr erhielt. Wegen der Schwerbehinderung kann sie nun zwei Jahre früher in Rente gehen, da Rohm für sie auch einen Nachteilsausgleich durchsetzte.

Nach all den Jahren der Angespanntheit sieht Beate T. nun endlich wieder positiver in die Zukunft. Ihr Sohn geht sehr offen mit seiner Erblindung um. Er engagiert sich in einem Selbsthilfe-Verein, der sich dafür einsetzt, über die seltene Krankheit LHON zu informieren.

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