1. Auswertung zeigt: Häusliche Pflege in der Pandemie vergessen

Verängstigt, alleingelassen, mit den Nerven am Ende: Pflegende und Gepflegte zu Hause hat die Pandemie besonders getroffen. Das zeigt die erste regionale Auswertung im Rahmen einer groß angelegten VdK-Pflegestudie. „Der größte Pflegedienst in Schleswig-Holstein wurde vielfach einfach vergessen“, zieht VdK Nord-Landesverbandsgeschäftsführer Ronald Manzke eine bittere Bilanz.
Mehr als 16.000 VdK-Mitglieder, die pflegebedürftig sind oder als Angehörige pflegen, haben Fragen zu ihrer persönlichen Situation während der Pandemie beantwortet. In Schleswig-Holstein haben rund 400 Personen an der Befragung teilgenommen. Ihre Erfahrungen decken sich mit den bundesweiten Ergebnissen. Viele Betroffene in Schleswig-Holstein berichten von einer Verschlechterung der häuslichen Pflegesituation durch die Corona-Krise. So waren 67,9 Prozent der Angehörigen überlastet, da ambulante Angebote wie die Tagespflege wegbrachen und die Betreuung alleine übernommen werden musste.

Gestiegene psychische Belastung

Parallel war die Angst groß, sich mit dem Virus zu infizieren. 73,6 Prozent der Pflegebedürftigen und 72,8 Prozent der Angehörigen gaben dies an. Bei den Pflegenden war die Befürchtung, selbst das Virus mit nach Hause zu bringen, mit 68,2 Prozent fast genauso groß. All diese Ängste sorgten für eine weitere zunehmende soziale Isolation und damit für eine noch höhere psychische Belastung.

Dazu Ronald Manzke: „Während der Kontaktbeschränkungen mussten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu Hause reagieren, um den Alltag zu meistern. Der Zusammenbruch kommt oftmals erst hinterher, wenn die Pandemie vorbei oder wieder sowas wie Normalität eingekehrt ist. Die Politik muss deshalb jetzt endlich handeln und Hilfsangebote schaffen, die auch greifen, wenn es wieder zu steigenden Infektionszahlen kommen sollte.“ Weiterhin fordert der VdK, dass es für die Angehörigen mehr finanzielle Unterstützung geben muss. Beispielsweise einen Anspruch für jeden auf Pflegezeit mit Lohnersatz und vor allem ein höheres Pflegegeld, mit dem Betroffene Unterstützungsleistungen bezahlen können. Dass die vorgesehene Erhöhung des Pflegegeldes für die Pflege zu Hause zugunsten der stationären Pflege komplett gestrichen wurde, sei ein Skandal und wird durch den VdK im Rahmen einer Verfassungsklage nunmehr überprüft.

Über die VdK-Pflegestudie

Der Sozialverband VdK Deutschland hat 2021 gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück die bisher größte Studie zum Thema häusliche Pflege durchgeführt. Mehr als 55.000 Mitglieder beteiligten sich daran. Die Endergebnisse werden im Frühjahr 2022 vorgestellt. Gleichzeitig startet der VdK dann eine große Pflege-Kampagne mit den wichtigsten Erkenntnissen der Pflegestudie. Weitere Informationen: www.vdk.de/pflegestudie

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