Kurzzeitpflege endlich ermöglichen

Kurzzeitpflege

VdK-Mitglied Ingeburg Groß pflegt ihren Mann seit 17 Jahren. Auch sie hat es schwer einen Kurzzeitpflegeplatz für ihn zu finden, wenn sie eine geplante Kur antreten soll.
Über 70 Prozent der Pflegebedürftigen im Land werden zuhause von ihren Angehörigen versorgt – und diese waren schon vor Corona am Ende ihrer Kräfte angelangt. „Es kann nicht sein, dass die Menschen in einer Krisensituation keinen Kurzzeitpflegeplatz in ihrer Nähe finden, obwohl sie ihn dringend benötigen und einen Anspruch darauf haben“, kritisiert Landesverbandsgeschäftsführer Ronald Manzke.

Kurzzeitpflege soll immer dann genutzt werden, wenn die häusliche Pflege nicht möglich ist, etwa bei Urlaub oder eigener Krankheit. Die Kurzzeitpflege macht so in vielen Fällen die häusliche Pflege überhaupt erst auf Dauer möglich. Tatsächlich ist die Situation für Angehörige aber extrem angespannt, wie der VdK Nord aus Gesprächen mit betroffenen Mitgliedern immer wieder erfährt.

Eine planbare Auszeit scheitert für sie am Mangel der verfügbaren Plätze vor Ort. In Schleswig-Holstein gab es zuletzt keine Einrichtung mehr, die ausschließlich Kurzzeitpflege anbietet. Plätze befinden sich nur in normalen Pflegeheimen – und das sind wenige. Dies hat vor allem finanzielle Gründe: Mit einem langfristig belegten Heimplatz lassen sich deutlich mehr Einnahmen erwirtschaften als mit freizuhaltenden Betten. Daher gibt es Kurzzeitpflege in den Pflegeheimen als Zwischennutzung. Und Pflegeheime sind vielerorts ganzjährig vollbelegt. Für pflegende Angehörige ist das ein Desaster. Sie reiben sich im wahrsten Sinne des Wortes komplett auf und sehen sich nun vor dem Dilemma, den geliebten Angehörigen gegen dessen und den eigenen Wunsch in dauerhafte stationäre Pflege zu geben, weil es einfach nicht mehr geht. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ wird so zur Plattitüde.

Der VdK Nord appelliert deshalb an die Politik, die Kurzzeitpflege endlich dauerhaft flächendeckend zu ermöglichen. Dafür braucht es eine breite Palette vielfältiger, klug miteinander vernetzter Angebote und Strukturen. Das Zehn-Millionen-Euro-Programm des Landes, um solitäre Kurzzeitpflege wieder anzuschieben, ist ein erster richtiger Schritt. Es müssen aber weitere folgen. Dazu gehört, dass sich das Land stark macht für eine verbindliche Quote in allen Pflegeeinrichtungen für Kurzzeitpflege. Dafür ist in der Pflegeversicherung eine entsprechende Finanzierung einzuführen. Weiter braucht es geeignete Strategien zur Gewinnung von weiteren Pflegekräften sowie ein Umdenken, Pflegeeinrichtungen als Investment zur Gewinnerzielung zu betrachten und zu bewirtschaften. Wünschenswert ist darüber hinaus der Ausbau von Portalen, in denen zuverlässig freie Kurzzeitpflegeplätze im Umkreis angezeigt werden.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist die Politik gut beraten, alles nur erdenklich Mögliche zu unternehmen, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der angespannten Situation führt und den Menschen mit seinen Bedürfnissen wieder in den Mittelpunkt des Handelns stellt. „Unser Gesundheitssystem darf – gerade auch unter dem Eindruck der Corona-Pandemie – hier nicht länger wegschauen und die Probleme ignorieren“, so Manzke.

Ingeburg Groß auf der Suche nach einem Kurzzeitpflegeplatz für ihren Mann. | © .

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...Kurzzeitpflegeplätze Mangelware...

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