8. Juli 2022

Gefühlvoll zurück ins Leben

Es ist erstaunlich, was Renate D. durch ihre Überzeugung und Hilfestellung bei ihrem Mann erreicht hat. Mit basaler Stimulation holte die gelernte Pflegerin ihren Mann nach einem schweren Gesundheitsschlag sprichwörtlich „ins Leben zurück“.

Foto von Renate D. und ihrem Mann auf einer Brücke
© privat

Alles begann im Sommer 2019 mit seinem plötzlichen Zusammenbruch. Durch das künstliche Koma und mehrere Operationen war Uwe D. stark verwirrt – im Lateinischen wird dieser Zustand als Delirium bezeichnet. Als gelernte Kinderkrankenpflegerin wollte seine Frau diese Situation aber nicht tatenlos hinnehmen. Seit gut zwei Jahren wendet sie nun schon das Konzept der „basalen Stimulation“ an, eine ganzheitliche, körperbezogene Kommunikationsform.

Hierbei werden Sinneswahrnehmung, Orientierung, Kommunikation und Bewegung eines körperlich oder geistig beeinträchtigten Menschen auf verschiedene Arten gefördert. Das kann akustisch über Musik funktionieren, visuell über das Anschauen von Bildern und Filmen oder haptisch durch das Anfassen von Gegenständen. Außerdem können die Sinne durch verschiedene Speisen, durch Aromatherapie oder Massagen angeregt werden.

Lange Spazierfahrten

Uwe D. war vor seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung beinahe täglich in der Natur unterwegs und hat mit Hunden aus dem Tierheim lange Spaziergänge unternommen. An diese Erlebnisse knüpft die Therapieform seiner Frau nun an: Mit dem Rollstuhl unternehmen sie Tag für Tag Ausflüge. „Anfangs musste ich die Richtung vorgeben und ging immer denselben Weg durch den Park, um seine Erinnerungen wachzurufen. Doch eines Tages übernahm er die Führung und versuchte die Wege zu finden, die er damals mit den Hunden gegangen war. Da wusste ich: Es funktioniert!“, erklärt Renate D.

Von Tag zu Tag wollte ihr Mann weitere Strecken unternehmen. Zuerst bekam er deshalb einen Elektrorollstuhl, dann stieg Renate D. auf ein Therapiedreirad um: „So sitze ich auf gleicher Höhe, kann für meinen Mann da sein und ihm Sicherheit geben.“ Geduldig unterstützt sie seine Bedürfnisse auf den Ausflügen: Stehen bleiben, Fotos von Tieren machen oder durchs Fernglas schauen, ob Fischreiher, Störche oder Schwäne in Sicht sind. Natürlich sei es anstrengend, als pflegende Angehörige tagtäglich für ihren Mann da zu sein. Unterstützung erhält sie von ihrer Familie und einer Betreuerin, außerdem durch Krankengymnastik und einen Pflegedienst.

„Anfangs musste ich die Richtung vorgeben,
doch eines Tages übernahm er die Führung.“

„Doch wenn ich merke, dass bei den gemeinsamen Ausflügen so langsam alte Erinnerungen zurückkommen, seine Beweglichkeit und Kommunikationsfähigkeit zunimmt, dann macht das alle Entbehrungen wett. Dann bin ich unendlich glücklich, dass mein Mann zurück ins Leben gekommen ist! Das macht Mut und gibt mir Kraft für die weitere Therapie.“ Auch wenn es wohl noch einige Zeit der Therapie brauchen wird, bis Uwe D. wieder selbstständig wird laufen können, durch die gemeinsamen Unternehmungen auf Augenhöhe werden seine Bewegung, Kommunikation und Wahrnehmung weiter gefördert. Für seine Frau ist das bereits Erreichte ein großer Erfolg und sie will weiter am Ball bleiben.

Sie ist übrigens der festen Überzeugung, dass dieser Therapieansatz auch vielen anderen Menschen helfen könnte: „In Krankenhäusern und Altersheimen kann die basale Stimulation aufgrund des Personalmangels zur Zeit leider kaum umgesetzt werden. Dabei merke ich bei meinem Mann, wie viel die gezielte Förderung der Wahrnehmung bringt, wenn man sich Zeit dafür nimmt“, sagt Renate D.

Christina Diekmann

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