11. Oktober 2021

Therapie mit Ziegen stärkt Selbstvertrauen

Kinder mit Behinderung profitieren von Tier-Therapie – Selbstvertrauen spielerisch stärken

Foto eines Mädchen mit einer Ziege
Nahkontakt mit Ziegenbock Kasimir: Die Tiere fördern die positive Entwicklung der Therapieteilnehmer. | © Helfende Tiere

Kinder fassen Zutrauen zu Delfinen - das ist vielen als Therapie bekannt. Lehrerin Anna-Lena Dahm bildet drei neugierige Ziegen aus, um mit ihnen das Selbstvertrauen von Kindern mit einer Behinderung zu stärken.

Der zottelige Bock Pelle klettert flink auf ein Holzgerüst, gibt freiwillig Pfötchen und stupst Anna-Lena Dahm immer wieder an. Pferde-Leckerli gibt es zur Belohnung, da springen auch die einjährige, etwas schreckhafte Zwillingsschwester Madita und die Ziegenmutter Lotta herbei. „Ziegen sind verspielt und neugierig“, erzählt die Förderschullehrerin aus Amelinghausen. Sie wohnt auf einem Bio-Hof und hat hier ihr pädagogisches Projekt in Angriff genommen. Kinder mit besonderem Lernbedarf oder einer Behinderung sollen in der spielerischen Arbeit mit dem tierischen Trio Selbstvertrauen tanken. Auch Konzentrationsfähigkeit und motorische Fähigkeiten werden geschult.

Als Test für ihr Kursangebot richtete Dahm zunächst einen Kindergeburtstag aus. „Die Ziegen sind schlau, die wollen gefordert werden“, erzählt die Pädagogin. „Und das ist toll für die Kinder.“ Ob Gehege saubermachen, eine Schatzsuche über das Gelände in der Lüneburger Heide oder spazierengehen mit den Tieren - die Kleinen sind begeistert.

„Ziegen fordern volle Aufmerksamkeit, aber auch Grenzen ein“, berichtet die Lehrerin - da merkten Kinder gar nicht den pädagogischen Ansatz. Besonders bei therapiemüden Schülern sind schnell Veränderungen festzustellen: „Kinder lieben das, sie bekommen sofort gute Laune.“ Auch weil die jungen Tiere viel Quatsch im Kopf haben.

Doch es gilt durchaus, Regeln einzuhalten und vorsichtig zu sein. Kopf immer ruhig halten und das Tier zu hundert Prozent im Blick behalten, sind die ersten Ratschläge - die Hörner sind sonst zu gefährlich. Außerdem gilt, nicht rennen und nicht herunterbeugen.
Manchmal muss sich ein Kind auch durchsetzen und die Ziege überzeugen. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder ungemein, wenn es klappt“, sagt Dahm, die zudem bei Lüneburg in einer Schule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung unterrichtet. Sie hat auch schon erste Anfragen für Einzelunterricht mit ihren Toggenburger Ziegen.

Normalität durch Kontakt zu Tieren

Im Zentrum für tiergeschützte Therapie und Pädagogik in Bargstedt im Landkreis Stade legte die 32-Jährige im vergangenen Jahr eine „Superprüfung“ ab, wie Leiter Sebastian Cramer berichtet. 30 bis 35 Einheiten dauere die Fortbildung als Fachkraft für tiergestützte Interventionen. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sie im Zentrum alle Hände voll zu tun. „Wir können ein Stück Normalität und Alltag bieten“, erzählt Cramer. Besonders Kinder und Behinderte könnten Angst und Isolation nur schwer aushalten: „Durch die Masken fällt die Mimik bei uns Menschen weg, dabei üben wir normalerweise genau das zum Beispiel mit unseren autistischen Kindern.“ Abstand zu den Tieren - Pferde, Hunde und Ziegen - müsse nicht eingehalten werden. „Deshalb zaubert der Kontakt ein Lächeln ins Gesicht“, berichtet Cramer.

dpa, Christina Diekmann

Schlagworte Behinderung | Kinder | Tiertherapie

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