3. Juli 2020

„Familiencoach Pflege“ für pflegende Angehörige

Die AOK bietet ein neues Online-Programm zur Selbsthilfe für psychisch belastete pflegende Angehörige an: Der Familiencoach Pflege ist ein kostenloses Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen soll. Interessierte können es anonym nutzen.

© AOK

Aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zeigen den Bedarf: Danach ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zuhause pflegt, durch die Pflege „hoch belastet“. „Die Befragungsergebnisse belegen, dass die Pflege eines Familienmitglieds für viele Angehörige sehr anstrengend ist – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch“, sagt der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. „Hier bietet unser neues Programm eine leicht und jederzeit nutzbare Unterstützung.“

Online-Programm soll Isolation und Überforderung vorbeugen

Mit Hinweisen, Informationen, interaktiven Übungen, mehr als 40 Videos und 14 Audiodateien lernen die Nutzer, wie sie besser mit den seelischen Herausforderungen umgehen können. Ein Fokus liegt dabei auf besonders schwierigen Pflegesituationen in der Betreuung von Menschen mit Demenz oder in der Begleitung von Sterbenden. Die Informationen sind nicht strikt vorgegeben, sondern können nach einem kurzen Fragenkatalog auf sich persönlich zugeschnitten werden.

Der Familiencoach Pflege vermittelt unter anderem, wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, sich nicht zu isolieren. „Das Programm zeigt den Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden“, sagt Professorin Gabriele Wilz, Leiterin der Abteilung für Klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die den Familiencoach Pflege als Expertin federführend entwickelt hat. Auch der Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Trauer, Wut, Ekel oder Angst ist ein Thema im Familiencoach. Die Nutzer können sich im Programm die Themen, die für ihre Situation besonders relevant sind, individuell anzeigen lassen. In interaktiven Übungen erhalten sie ein maßgeschneidertes Feedback, können sich Interviews mit Experten-Hinweisen ansehen und Hörübungen zur Entspannung und Achtsamkeit nutzen.

Angehörige von Menschen mit Demenz zu 37 Prozent „hoch belastet“

Aufschluss über die Belastung der pflegenden Angehörigen geben Befragungsergebnisse für den „Pflege-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der im September erscheint. Auf Basis der sogenannten „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die unter anderem Fragen zu körperlicher Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychischer Belastung umfasst, befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 insgesamt 1.106 pflegende Angehörige. Die repräsentative Online-Befragung zeigt:

  • Knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen sind hoch belastet. Bei Angehörigen, die Menschen mit Demenz versorgen, knapp 37 Prozent, und bei Pflegenden, die Menschen mit sogenanntem „herausfordernden Verhalten“ betreuen, sind es sogar fast 41 Prozent.
  • Für 43 Prozent wird eine mittlere Belastung festgestellt.
  • Nur bei knapp 31 Prozent der Pflegenden ist die Belastung niedrig.

„Da die psychischen Belastungen bei der Pflege von Menschen mit Demenz besonders hoch sind, nehmen wir dieses Thema im Familiencoach auch besonders in den Blick“, betont die Expertin Gabriele Wilz. Wie gehe ich damit um, dass mein Angehöriger ständig die gleichen Fragen noch mal stellt? Was tun, wenn er immer häufiger vergisst, wo er seine Sachen abgelegt hat? Wie sollte ich auf Aggressivität, Wahnvorstellungen oder Misstrauen des Erkrankten reagieren? Zu diesen und vielen anderen Fragen aus dem Pflegealltag liefert der Familiencoach Antworten und praktische Tipps.

Deutsche Alzheimer Gesellschaft begrüßt Angebot


Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen berät und unterstützt, begrüßt das neue Online-Programm: „Der Familiencoach Pflege kann die persönliche Beratung sicher nicht ersetzen, doch ist er eine wertvolle und leicht nutzbare Unterstützung für pflegende Angehörige“, sagt Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, die beratend an der Entwicklung des Online-Angebotes mitgewirkt hat. „Das Programm der AOK und insbesondere die Filme zeigen praxisnah und nachvollziehbar verschiedene Lösungswege im Umgang mit Menschen mit Demenz auf – auch in herausfordernden Situationen“, so die Projektleiterin des Alzheimer-Telefons.

Hier gelangen Sie zum Familiencoach Pflege:
www.familiencoach-pflege.de.

AOK, Helen Alberding

Schlagworte Pflege | pflegende Angehörige | Überforderung | VdK-Tipp | Demenz | AOK

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