22. Juni 2020

Abstand halten? So helfen Sie blinden Menschen im Corona-Alltag

Wer sehbehindert oder blind ist, steht seit März 2020 vor ganz neuen Problemen im Alltag. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat deshalb eine Umfrage gestartet: Welche Unterstützung wünschen sie sich in Corona-Zeiten von den sehenden Mitmenschen? Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie im Alltag helfen können.

© DBSV/Ziebe

Mehr als 200 Betroffene sind dem Aufruf der Umfrage gefolgt und haben ihre Wünsche und Tipps eingesandt. Die am häufigsten genannten wurden anlässlich des Sehbehindertentages 2020 veröffentlicht. „Zwei Informationen nehme ich aus den Antworten mit“, sagt DBSV-Präsident Klaus Hahn. „Viele Menschen mit Seheinschränkung leiden ganz enorm unter der neuen Situation – und oft wäre die Lösung verblüffend einfach.“ Mit Sätzen wie „Die Dame mit dem weißen Stock – kann ich Ihnen helfen?“ seine Hilfe anzubieten, sei grundsötzlich ein erster, willkommener Schritt.

Busfahren

© DBSV/Ziebe

Das absolute Top-Thema bei den Einsendungen wird für viele eine Überraschung sein: Es geht ums Busfahren. Seit der vordere Bereich in Bussen abgesperrt ist, können sehbehinderte und blinde Menschen nicht mehr wie gewohnt beim Fahrer einsteigen, ihn fragen, auf welcher Linie er fährt, und sich dann auf die vorderen Plätze für schwerbehinderte Menschen setzen. Deshalb ist es hilfreich, wenn jemand anbietet, die an der Haltestelle ankommenden Buslinien anzusagen und bei der Suche nach Bustür und Sitzplatz als „Navi“ zu dienen.

Warteschlangen

Ein weiteres oft genanntes Problem sind die neuartigen „Corona-Schlangen“ mit Abstand zwischen den Wartenden – für viele sehbehinderte und blinde Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Sie würden sich freuen zu erfahren, dass es eine Schlange gibt, ob sie zur Post oder zum Bäcker führt, wo man das Ende der Schlange findet und wann man vorrücken soll.

Miteinander reden

Vielen Betroffenen macht es zu schaffen, dass im öffentlichen Raum seit Beginn der Kontaktbeschränkungen mehr geschwiegen wird als vorher. Dabei sind sehbehinderte und blinde Menschen in Zeiten des Abstandhaltens noch mehr als sonst darauf angewiesen, dass man mit ihnen spricht. „Ich sag Ihnen gern Bescheid, wenn Sie dran sind.“ „Einen Meter rechts von Ihnen ist ein Spender für Desinfektionsmittel.“ „Wenn Sie einen Schritt zurückgehen, stehen Sie hinter der Markierung.“ Ein Großteil der Befragten kann gar nicht genug von freundlichen Hinweisen dieser Art bekommen.

Mehr Gelassenheit im Supermarkt, Fußbodenmarkierungen mit mehr Kontrast, etwas sagen, wenn der Abstand nicht eingehalten wurde, ... - weitere Tipps finden Sie beim Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband auf www.dbsv.org/corona-tipps.

DBSV, Helen Alberding

Schlagworte Corona-Pandemie | Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) | Blinde | Sehbehinderte | Abstand halten | Hygiene-Regeln | VdK-Tipp

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