29. April 2020

Hilfe im Ernstfall: Zahl der Betreuungsverfahren steigt langsam

Nur wer betroffen ist, der weiß, wie schnell es zu Unfällen, lebensgefährlichen Krankheiten oder anderen Schicksalsschlägen kommen kann. Dann braucht man Hilfe - rechtliche Betreuung bereitet aber auch Sorgen.

Schwere Unfälle oder Krankheiten können dafür sorgen, dass Menschen Hilfe bei Entscheidungen zu Bankgeschäften, zum neuen Telefonvertrag oder bei Behördengängen brauchen. Die Zahl der Betreuungsfälle in Niedersachsen ist 2019 gestiegen - zwar langsam, aber entsprechend des Trends der vergangenen Jahre. Im letzten Jahr gab es landesweit 143.607 Betreuungsverfahren, wie das niedersächsische Justizministerium mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es 143.485. Zum Vergleich: 1995 gab es nur etwa 65 000 Betreuungsverfahren in Niedersachsen.

Sich im Ernstfall wichtige Entscheidungen abnehmen zu lassen - das fällt vielen Menschen schwer, vielen dürfte die Angst vor einer Entmündigung im Hinterkopf herumgeistern. „Auch jüngere Menschen können betroffen sein, zum Beispiel nach einem Unfall oder wenn sie psychisch erkrankt sind“, sagt Justizministerin Barbara Havliza (CDU). „Es liegt mir deshalb sehr am Herzen, dass die Menschen sich mit diesem wichtigen Thema befassen und rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht erstellen. Diese Fragen wegzuschieben hilft nicht.“

Häufig betroffen seien ältere Menschen, die öfters unter Demenzerkrankungen litten, teilte das Ministerium mit. Sind diese Erkrankungen fortgeschritten, könne eine Betreuung nötig werden – „soweit der Betroffene nicht zuvor eine Vorsorgevollmacht erstellt hat“.

Bei der Ersteinrichtung von Betreuung kamen Menschen im Alter von 65 Jahren und älter auf einen Anteil von 52,3 Prozent, in der Altersgruppe 75 Jahre und älter waren es 37,4 Prozent. Bei jungen Menschen bis 24 Jahre lag der Anteil bei 11,1 Prozent.

Rechtliche Betreuung kann notwendig werden, wenn sich jemand ganz oder teilweise nicht mehr um seine Angelegenheiten kümmern kann. Beispiele sind etwa eine psychische Erkrankung oder eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung. Es sollte daher jedem ein Anliegen sein, rechtzeitig und selbstbestimmt festzulegen, wer seine Angelegenheiten wie „im Fall der Fälle“ regelt, betonte Havliza.
Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, werde ein rechtlicher Betreuer vom Betreuungsgericht bestellt - und das können dann nicht nur Angehörige wie Ehepartner oder Eltern sein, sondern auch ehrenamtliche oder Berufsbetreuer.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der bestellten Betreuer auf 163.039 (2018: 161.116). Dass es mehr Betreuer als Betreute gibt, liegt daran, dass oft mehrere Betreuer bestellt werden - wenn sich etwa Angehörige die Betreuung aufteilen oder Kontrollbetreuer bestellt werden. Von den Betreuern waren im vergangenen Jahr 64.228 (2018: 65.347) Familienangehörige, die Zahl der Berufsbetreuer stieg von 65.372 auf 68.429. Zudem gebe es Betreuungsvereine sowie Behördenbetreuer. Im Durchschnitt dauere ein Betreuungsverfahren 7,3 Jahre.

Tipp:

Wer selbst über seine Betreuung entscheiden will, sollte sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigen und eine Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und/oder Vorsorgevollmacht aufsetzen.
Die VdK-Broschüre „Vorsorge für den Ernstfall“ berücksichtigt die aktuelle Rechtslage und beinhaltet alle drei Vorlagen. Sie kann für 3 Euro Schutzgebühr zuzüglich Versandkosten bestellt werden unter Telefon 0441/21029-50 oder per E-Mail an dirks@vdk.de .

dpa/cdi

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In dringenden Fällen sind persönliche Beratungen in den VdK-Geschäftsstellen in Niedersachsen und Bremen möglich. Bitte melden Sie sich dafür unbedingt telefonisch an. Außerdem besteht Maskenpflicht. Alle weiteren Beratungen finden nach wie vor telefonisch und per E-Mail statt, um die Kontakte auf ein Minimum zu beschränken.

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