6. November 2014

Borchers-Siebrecht: „Armut darf nicht zur Normalität werden“

Der Sozialverband VdK Niedersachsen-Bremen warnt immer wieder vor dem sich verschärfenden Trend der Altersarmut und sieht seine Befürchtungen erneut bestätigt. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter und bei Erwerbsminderung stieg in Niedersachsen von 2012 bis 2013 um 6,4 Prozent auf 101 439.

© Uschi Dreiucker / pixelio.de

„Die Vermeidung und Bekämpfung von Armut in allen Altersgruppen muss weiterhin ganz nach oben auf die politische Tagesordnung. Armut darf nicht zur Normalität werden“, fordert VdK-Landesvorsitzende Ute Borchers-Siebrecht anlässlich der aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen.

„Arbeitslosigkeit, nicht bedarfsgerechte Grundsicherungsleistungen, vielfach niedrige Löhne, mit denen man keine Familie ernähren kann, Renten, die kaum zum Leben reichen, Frauen, die ungewollt in Teilzeit arbeiten, all das hat die Armutstendenzen in den letzten Jahren verstärkt und wird Armut weiter verfestigen, wenn nicht gegengesteuert wird“, mahnt Borchers-Siebrecht.

Alarmierend sei vor allem, dass der Trend der Altersarmut unter Frauen (63,1 Prozent) nicht gestoppt werden kann. Die Mütterrente sei nur ein kleiner Baustein im Kampf gegen bestehende Altersarmut. Borchers-Siebrecht: „Die vollständige Angleichung der Mütterrenten muss kommen. Das heißt, dass auch bei älteren Müttern drei Erziehungsjahre für die Rente angerechnet werden müssen. Und das Mehr an Rente muss auch für Frauen spürbar sein, die so wenig Rente bekommen, dass sie auf Grundsicherung angewiesen sind. Sie haben im Moment nichts von der Mütterrente, weil sie auf die Grundsicherung angerechnet wird. Wir fordern daher einen Freibetrag von 100 Euro“.

„Die Zahlen machen erneut klar“, so die VdK-Landesvorsitzende, „dass Armut nach wie vor ein großes Problem ist und nicht mehr wegdiskutiert werden darf. Wer Armut im Alter vermeiden will, muss für ordentlich bezahlte Arbeit und gute Arbeitsbedingungen sorgen. Denn wer von seinem Lohn nicht leben kann, wird auch eine Armutsrente haben.“
Der Sozialverband VdK sieht zwar den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn als wichtigen Schritt. Er allein reiche jedoch bei weitem nicht aus. Der VdK fordert regulierende Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt. „Leih- und Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse sowie Teilzeit- und Minijobs leisten der Armut, vor allem bei Frauen, Vorschub. Wenn wir Armut vermeiden wollen, dann müssen prekäre Beschäftigungsverhältnisse eingedämmt werden“, fordert Borchers-Siebrecht.

Hans-Gerd Finke