29. August 2013

Bremen hat bundesweit die meisten Armen - Hannover auf Platz 4

Bremen bleibt das Bundesland mit den meisten armutsgefährdeten Menschen. Im Jahr 2012 waren dort 23,1 Prozent der Menschen betroffen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Die Quote lag damit um knapp einen Prozentpunkt höher als 2011. Für Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) ist das Ergebnis nicht überraschend. «Das ist ein Phänomen, das sich aus der Rolle Bremens als Zwei-Städte-Staat ergibt.» Große Städte erzeugten keine Armut, aber sie zögen Menschen an, die wenig Geld hätten oder von Armut bedroht seien, sagte Stahmann. «Armut ist ein Großstadtphänomen.»

Inhalt:

  • Bremen: Fast jeder vierte von Armut bedroht
  • In Niedersachsen gelten 16 Prozent als armutsgefährdet
  • Gefährdet. wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens hat
  • Bremen und Hannover bundesweit unter den "Top-Fünf"

Auch in Niedersachsen ist die Armutsgefährdung gestiegen. Sie lag 2012 bei 16,0 Prozent und damit geringfügig über dem bundesweiten Durchschnitt von 15,2 Prozent. Ein Jahr zuvor betrug die Quote in Niedersachsen 15,7 Prozent. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte, die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. «Um Armut bekämpfen zu können, müssen wir wissen, wer von Armut bedroht ist. Wir müssen wissen, wo es positive und negative Entwicklungen gibt.»

Wer gilt als arm, bzw. als armutsgefährdet?

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. 2012 waren das Einpersonenhaushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 869 Euro. Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren gelten als gefährdet, wenn sie weniger als 1826 Euro monatlich haben.

In den alten Bundesländern war die Armutsgefährdung (14,0 Prozent) dabei weiterhin deutlich niedriger als in den neuen Ländern einschließlich Berlin (19,7 Prozent). Die nach dem Land Bremen höchste Armutsgefährdung aller Bundesländer weist Mecklenburg-Vorpommern auf (22,9 Prozent), die niedrigste Baden-Württemberg (11,1 Prozent).

Unter den 15 größten deutschen Städten hat Hannover mit 22,4 Prozent die vierthöchste Armutsgefährdung nach Dortmund (26,4), Leipzig (25,9) und Duisburg (25,1 Prozent). Die Stadt Bremen kommt auf 22,3 Prozent.

Wohnungslosenhilfe betreut 1942 Menschen / 7000 essen täglich in einer Tafel

Dass es in Bremen immer mehr arme Menschen gibt, merken vor allem die Sozialeinrichtungen. Die Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission habe im vergangenen Jahr 1942 Menschen betreut, ein Drittel mehr als 2011, sagte Leiter Bertold Reetz. «Die Wohnungsnot nimmt zu. Es gibt in Bremen nicht genügend bezahlbaren Wohnraum.» Betroffen seien Ältere mit geringer Rente, Teilzeitbeschäftigte, Arbeitslose und befristet Beschäftigte. «Die Spirale geht nach unten und das wird noch eine Zeitlang so bleiben.» Auch bei der Bremer Tafel herrscht Hochbetrieb. Täglich erhalten mehr als 7000 Männer, Frauen und Kinder Lebensmittel von der Tafel.

Ein Grund für die vergleichsweise hohe Zahl der armen und armutsgefährdeten Menschen in Bremen ist für Senatorin Stahmann die Zahl der Einpendler aus dem niedersächsischen Umland: «Auf 248.000 Arbeitsplätzen in der Stadt werden 106.000 Einpendler beschäftigt.» Rechnerisch seien das mehr als die Zahl der Menschen in Bremen, die Leistungen vom Jobcenter bezögen.

Armut trotz Arbeit.
Trotz der guten Wirtschaftslage in Niedersachsen sind weiterhin viele Menschen von Armut bedroht. Dies geht aus dem veröffentlichten Sozialbericht Niedersachsen 2012 hervor. | weiter
08.02.2013 | dpa

dpa

Schlagworte Armut | Arbeitslosigkeit | Bremen | Hannover

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