15. Juni 2020
PRESSE

So hilft der VdK: Kasse muss Insulinpräparat zahlen

Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, benötigen eine kontinuierliche medizinische Versorgung. Dabei steht im Vordergrund, dass durch ärztliche Betreuung gewährleistet wird, dass sich die Krankheit nicht lebensbedrohlich verschlimmert, die Lebenserwartung vermindert oder die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wird.

Insulinspritzen
Typ1-Diabetiker sind auf Insulin angewiesen. | © pixabay

Wer an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt ist, dessen Körper kann die aufgenommene Menge an Kohlenhydraten in Form von Stärke und Zucker nicht verwerten, da in der Bauchspeicheldrüse kein Insulin produziert wird.
Das VdK-Mitglied Angelika S. aus der Nähe von Grevesmühlen* leidet seit 1982 an dieser Krankheit. Sie wurde unter ärztlicher Betreuung auf die Insulintherapie eingestellt. Von 1982 bis 1990 erfolgte diese mit dem ersten Insulin. Dennoch litt Angelika S. häufig unter Hypoglykämien, sogenannten Zuckerschocks, zum Teil zwei bis drei Mal pro Woche. Nicht jede konnte mit der Zufuhr von Traubenzucker reguliert werden. Mehrfach waren Notarzteinsätze notwendig.
Die darauffolgenden 19 Jahre lebte sie mit den Insulininjektionen einer anderen Sorte, die Hypoglykämien blieben in ihrer Häufigkeit. Das dritte Insulinpräparat wurde von 2009 bis 2015 ausprobiert. Es stellte sich keine Besserung ein. Hinzukamen zwei kurzzeitige Insulintests, die ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg brachten. 2015 begann Angelika S. die Therapie mit dem Insulinpräparat Tresiba®. Die Zahl der schweren Hypoglykämien senkte sich deutlich. Der Vertrieb des Medikaments wurde von Anfang 2016 bis Dezember 2018 allerdings in Deutschland eingestellt. Angelika S. bezog es in dieser Zeit aus dem Ausland und stellte bei ihrer Krankenkasse den Antrag auf Kostenerstattung – Streitwert: 907 Euro. Die Krankenkasse lehnte ab.
Mithilfe des VdK ging die damals noch in Nordrhein-Westfalen beheimatete Frau in Widerspruch, der ebenfalls abgelehnt wurde mit der Argumentation, dass sie nicht belegen konnte, dass sie nicht genügend Vergleichstherapien oder Analoginsuline testete und zum Teil zwölf Blutzuckermessungen der Patientin pro Tag rückwirkend in den zurückliegenden Jahren nicht ausreichend gewesen seien. Daraufhin erhob der VdK für die inzwischen in die Nähe von Grevesmühlen gezogene Frau Klage.
Ein durch das Sozialgericht Schwerin eingesetzter Gutachter stellte fest, dass sie mit dem Präparat Tresiba® keine nennenswerten Nebenwirkungen zeigte. Während der Testungen litt sie an Ausfallerscheinungen durch Unterzuckerungen, einhergehend mit häufiger Arbeitsunfähigkeit durch ihren labilen Stoffwechsel und der darauf zurückführenden Untauglichkeit Auto zu fahren vorweisen konnte. Weitere Tests mit unterschiedlichen Insulinen seien auch ethisch nicht vertretbar.
Die Krankenkasse lenkte daraufhin aufgrund des Gutachtens ein, allerdings nur ab Dezember 2018. Streitgegenstand der Klage waren weiterhin die angefallenen Kosten von 907 Euro. Das Sozialgericht Schwerin entschied, dass die Krankenkasse diese Kosten übernehmen muss und Angelika S. künftig mit dem für sie passenden Insulinpräparat versorgt wird.

*Name der Redaktion bekannt

J. Thiede/flau

Schlagworte Sozialrechtsberatung | Sozialgericht | Diabetes mellitus | Sozialrechtsberatungsstelle Schwerin | Hilfe | Klage

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