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Manfred Brüssel: Das Helfer-Gen wurde im vererbt.

Im elterlichen Haus von Manfred Brüssel suchten Menschen Rat. Jahrzehnte später hat er als Ortsverbands- und Kreisvorsitzender des VdK diese Aufgabe seines Vaters übernommen. Er wünscht sich eine größere Bekanntheit des VdK.

M.B.

Manfred Brüssel, Kreischef im VdK Tübingen© Jan Boden

Autorin: Lisa Maria Sporrer, Schwäbisches Tagblatt.

"Was für mich jung ist? Jeder unter 60 Jahren“, sagt Manfred Brüssel und formuliert damit ein Problem, das dem Sozialverband VdK schon längere Zeit Sorgen bereitet: die Altersstruktur. Brüssel selber ist bereits 71 Jahre alt. Das durchschnittliche Alter des Ortsverbands Pfrondorf, dem er vorsteht, ist 63 Jahre. "Bei uns ist alles ehrenamtlich organisiert", erklärt er den Umstand, dass Ämterbesetzungen in Orts- und Kreisverbänden üblicherweise einigen Vorlauf brauchen.

Dabei ist der VdK, der sich 1950 unter dem Namen "Verband der Kriegsbeschädigten und Sozialrenter Deutschlands" gründete, mit rund 1,9 Millionen Mitgliedern mittlerweile der größte Sozialverband Deutschlands. Wenn es um Altersversorgung geht, um Armut und Ausgrenzung bezieht der VdK meist als erstes Stellung. Etwa als Gesundheitsminister Jens Spahn kürzlich vorschlug, dass Kinderlose höhere Beiträge für die Sozialversicherungen entrichten sollen. Da regte Verena Bentele, die Präsidentin des VdK an, den steuerfinanzierten Familienleistungsausgleich auszubauen. Kinderlose müssten ohnehin schon nach geltendem Recht bei der Pflegeversicherung einen Zusatzbeitrag von 0,25 Prozentpunkten entrichten.

Für solche Themen sei aber der Bundesvorstand in Berlin zuständig, sagt Brüssel. Ortsverbände hingegen kämpfen immer noch damit, sich erstmal bekannt zu machen. "Viele wissen nicht, was wir überhaupt machen. Wir sind eben kein Sportverein, der Sonntagmittag für Unterhaltung sorgt", so Brüssel. Als er 2009 den Kreisvorsitz übernahm, gab es im Kreis noch 31 Ortsverbände. Mittlerweile sind es 25. "Sie haben sich zwar nicht aufgelöst, mussten aber mit anderen Ortsverbänden fusionieren, weil sich keine Vorstände gefunden haben."

Die Kreisgeschäftsstelle des VdK ist in der Tübinger Südstadt, in der Eugenstraße. Darin befindet sich auch die Rechtsberatung. "Hauptsächlich suchen uns die Leute auf, wenn sie in die Rente kommen, wenn ein Reha-Antrag abgelehnt wird oder sie Probleme mit den Krankenkassen haben", sagt Brüssel. "Solche Probleme hat man eben nicht, wenn man 30 ist." Nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich regional ab 1946, noch vor dem Bundesverband, die ersten Ortsverbände gründeten, war das anders.

Brüssel weiß das, denn er ist mit dem VdK aufgewachsen. Sein Vater, der noch vor Kriegsende mit einer Verwundung aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, gründete 1949 den Ortsverband Pfrondorf. 32 Jahre lang, bis zu seinem Tod, blieb er der Vorsitzende. Als Kind, erinnert sich Brüssel, seien immer ganz viele fremde Menschen bei ihnen Zuhause gewesen. Männer, die von seinem Vater Hilfe bei Anträgen brauchten. Und Frauen, die bei seiner Mutter in der Küche Kaffee getrunken und gewartet hätten, bis sein Vater auch sie berät.

Früher habe der VdK noch andere Aufgaben bewältigen müssen als heute, sagt Brüssel. Da ging es um die Versorgung von Frauen, deren Männer in Kriegsgefangenschaft waren. Es ging um Verwundete, um Existenznöte. Die Menschen hätten damals nicht nur jemanden gesucht, der ihr Recht vertritt. Sie wurden vom VdK gesellschaftlich eingebunden, es gab gemeinsame Unternehmungen und große Veranstaltungen. Heute sei das nicht mehr so familiär. In seiner Küche habe noch niemand Kaffee trinkend darauf gewartet, von ihm beraten zu werden.

Brüssel ist ein ruhiger Gesprächspartner. Er redet nur, wenn er gefragt wird. Auf vier DIN-A4-Blättern hat er sich Punkte notiert, die ihm wichtig sind. Erst nach dem Gespräch geht er seine Liste durch und schaut, ob etwas nicht angesprochen wurde. Die Mütterrente wolle er noch erwähnen, sagt er. Denn noch immer bekommen Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben, geringere Rentenvorteile. Schon seit Jahren habe der VdK das moniert, sagt Brüssel. 2014 sei Müttern bereits ein zusätzlicher Rentenpunkt zuerkannt worden. "Das wurde, denke ich, schon auf Druck des VdK politisch umgesetzt. Aber es gibt bei diesem Thema noch viel zu tun."

Obwohl die großen Sozialthemen vom Bundesverband aus gesteuert werden, bleiben die einzelnen Ortsverbände nicht untätig oder begnügen sich allein auf Veranstaltungen und Feiern. "Ich behaupte, wir sind ein sehr aktiver Ortsverband", sagt Brüssel, der nicht mehr in Pfrondorf, sondern seit Längerem in Unterjesingen lebt. Rund zehn Veranstaltungen plant er im Jahr: Feiern, Vorträge, Sitzungen. "Es ist noch immer in der Satzung verankert, dass es beim VdK auch gesellige Veranstaltungen geben soll", sagt Brüssel.
Vor einigen Jahren etwa, als der Bundesvorstand des VdK die Kampagne "Weg mit Barrieren" ausgerufen hatte, habe Brüssel und sein Ortsverband alle Gemeinderatsfraktionen angeschrieben, die Neckargasse behindertengerechter zu bepflastern.

Seine Aufgabe versteht Brüssel aber primär darin, Ortsverbände in ihrer Arbeit zu unterstützen.Etwa die Ergenzinger, die seit Jahren für einen barrierefreien Bahnhof kämpfen. Zwei Tage in der Woche widmet sich Brüssel seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim VdK. Was der pensionierte Bankkaufmann, der sein Leben lang bei der Volksbank Tübingen in der Firmenkundenbetreuung gearbeitet hat, in seiner Freizeit macht? "Früher war ich jahrelang dem Reitsport verbunden", sagt er. Ob er noch reite?"„Nein." Auch ein Buch habe er lange nicht mehr gelesen. "Das war vor zwei Jahren. Da hatte ich eine Knieoperation und viel Zeit. Damals habe ich ein paar Krimis verschlungen. Jetzt kümmer ich mich aber um den VdK. Da bin ich voll ausgelastet."

Wir drucken den Beitrag mit freundlicher Genehmigung des "Schwäbischen Tagblatt" ab. In der Printausgabe ist der Beitrag als Erstveröffentlichung am 17.11.2018 erschienen.

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