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Gesundheitstag im Mai 2017 - Prävention - Fit im Alter - körperlich und seelisch

VdK Gesundheitstag im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt

Werner Wölfle plädiert für mehr Sport und lobt Angebote der Mineralbäder.

Werner Wölfle plädiert für mehr Sport und lobt Angebote der Mineralbäder.© Petra Kunert

"Gesund alt werden - physisch und psychisch - wie kann das gelingen?" Mit dieser Frage hat sich der VdK Gesundheitstag zum Thema Prävention am 19.5.2017 im "Großen Kursaal" in Stuttgart-Bad Cannstatt befasst. Zu der Veranstaltung des VdK Kreisverbandes Stuttgart mit Fachvorträgen und Informationsständen kamen mehr als zweihundert Gäste. Sie informierten sich über aktuelle Themen rund um Ernährung und Bewegung. Dabei ging es vor allem darum, wie man im Alter körperlich und seelisch fit bleiben kann.

Bewegung und soziale Kontakte
"Man bleibt gesünder, wenn man sich bewegt", betonte der Bürgermeister der Stadt Stuttgart, Werner Wölfle, zum Auftakt in seinem Grußwort. Er hob die Bedeutung der baden-württembergischen Landeshauptstadt als Bäderstandort hervor und lobte insbesondere die Angebote der Mineralbäder im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Wölfle sagte, wichtig für die Menschen seien aber auch Begegnungen mit anderen Menschen. Denn Vereinsamung sei eines der größten Probleme im Alter. Deshalb sei es notwendig Räume und Gelegenheiten zu schaffen für soziale Kontakte.

Werner Wölfle und Carin E. Hinsinger freuten sich über das große Interesse am "VdK Gesundheitstag" in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Werner Wölfle und Carin E. Hinsinger freuten sich über das große Interesse am "VdK Gesundheitstag" in Stuttgart-Bad Cannstatt.© Petra Kunert

Die Vorsitzende des VdK-Kreisverbandes Stuttgart und Vizepräsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Carin E. Hinsinger, rief in ihrer Rede dazu auf, die vielfältigen Möglichkeiten für Prävention zu nutzen und freute sich über das große Interesse der Besucher an den Informationsständen beim Gesundheitstag. Dabei präsentierte die VdK Patienten- und Wohnberatung Baden-Württemberg ihre aktuellen Angebote. Der VdK-Kreisverband Stuttgart warb mit einem "gerontologischen Testanzug" um Verständnis für die körperlichen Einschränkungen im Alter. Zu Gast waren auch Deutsche Rentenversicherung mit der Gemeinsamen Servicestelle für Rehabilitation, KISS Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen e.V., Malteser Hilfsdienst, Naturheilgesellschaft Stuttgart e.V., eine Osteoporose Selbsthilfegruppe sowie das Zentrum für Sporttherapie ZST Stuttgart.

Krebs und Ernährung
"Essen Sie sich gesund!", forderte der Onkologe Dr. med. Thomas Kuhn in seinem Vortrag. 30 Prozent der Krebsrisiken basierten auf falscher Ernährung, 30 Prozent auf Rauchen und 5 Prozent auf Übergewicht und Bewegungsmangel. Sehr gefährlich sei Adipositas (krankhafte Fettleibigkeit). Sie habe einen Anteil von schätzungsweise 16 Prozent an der Entstehung aller Krebskrankheiten. Eine große Rolle für das Krebsrisiko spiele dabei das Fettverteilungsmuster. Das gefährliche Fett sei das "viszerale Fett" und sitze im Bauchraum. Der Ernährungs- und Präventionsmediziner sagte, die heimliche Volkskrankheit sei inzwischen die "nicht alkoholische Fettleber". Jeder Dritte sei davon betroffen: 30-40 Prozent der Erwachsenen, 70 Prozent der Übergewichtigen und bis zu 90 Prozent der Typ 2-Diabetiker. 30 Prozent aller Kinder in Deutschland hätten bereits eine Fettleber.

Schuld seien zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Wichtig ist nach Ansicht von Kuhn, gelegentlich eine kohlenhydratreduzierte Diät zu machen, damit das Insulinsignal wieder vom Körper gehört werden kann. Er empfahl eine ausgewogene Mischkost, die zur Hälfte aus zuckerarmem Gemüse bestehen sollte. Dagegen dürften Beilagen wie Kartoffeln, Nudeln und Reis nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Zwei kleine Hände voll Obst könne man bedenkenlos pro Tag essen - nicht mehr. Denn zu viel Fructose mache Fettleber.

Nicht alle Tumorformen ließen sich mit Ernährung vermeiden. Der Konsum von Kaffee (bis zu vier Tassen täglich) biete aber Schutz vor Leberkrebs, senke das Risiko von Nierenkrebs und dem Basalzellkarzinom. Wichtig für die Krebsabwehr seien aber auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, Selen, Omega 3 Fettsäuren und die Regulierung der Darmflora. Ernährungstherapie und Bewegungstherapie müssten Bestandteil der onkologischen Therapie sei. Zum Abschluss verwies Kuhn auf ein Zitat von Hippokrates (460 v. Chr. - 377 v. Chr.), der als berühmtester Arzt des Altertums gilt: "Lass die Nahrung deine Medizin sein, und Medizin deine Nahrung".

Altersgerechter Sport
"Altern ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Prozess", sagte der Sportwissenschaftler Markus Jedelhauser. Er verwies in seinem Vortrag auf die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland von derzeit 80 Jahren bei Männern und 84 Jahren bei Frauen. Notwendig sei deshalb eine altersgemäße Bewegung. Inzwischen gebe es zahlreiche Sportangebote auch für das höhere Alter. Ziel sei es, zu einem Leistungszuwachs beim Stütz-, Halte- und Bewegungsapparat zu kommen. Denn bei mangelnder Bewegung müsse mit 0,5 Prozent Verlust an Muskelmasse pro Jahr gerechnet werden.

Sportwissenschaftler Markus Jedelhauser animierte Gäste im "Großen Kursaal" zum Mitmachen bei Bewegungsspielen.

Sportwissenschaftler Markus Jedelhauser animierte Gäste im "Großen Kursaal" zum Mitmachen bei Bewegungsspielen.© Petra Kunert

Durch Bewegung könne Osteoporose gebremst und fortschreitende Arthrose gelindert werden. Denn Sport beeinflusse die Nährstoffversorgung der betroffenen Gelenke. Auch auf die geistige Gesundheit wirke sich Bewegung positiv aus. Das betreffe zum Beispiel kognitive Prozesse, Emotionalität, Schlaf, Demenz, Altersverwirrtheit. Die Risiken für Brust- und Darmkrebs könnten durch Bewegung gesenkt werden. Wichtig sei der Erhalt der Mobilität. Dabei gehe es vor allem um Kraft und Ausdauer - sowie darum, dass man im Alter noch drei Stockwerke hochgehen könne, ohne davor Angst zu haben. In der Reha komme man mit Geduld und richtiger Anleitung wieder gut auf die Beine. Die Krankenkassen machten immer mehr Angebote für Prävention. Einen Antrag auf Rehasport gebe es beim Hausarzt.

Nützlich sei Balance-Training zur Verbesserung des Gleichgewichts. Als gutes Beispiel im Alltag nannte Jedelhauser Zähneputzen auf nur einem Bein. Das diene auch der Sturzprophylaxe. Sehr gesund sei schwimmen oder ein Bewegungsbad nehmen. Denn der Wasserwiderstand passe sich der Muskelaktivität an. Entsprechende Angebote gebe es in öffentlichen Schwimmbädern oder auch an Volkshochschulen. Sinnvoll sei oft auch Radfahren oder zu Hause Übungen auf dem Heimtrainer zu machen. Es gelte vor allem die Körperwahrnehmung zu schulen und hierbei auch Grenzerfahrungen zu machen. Erst dann kenne man die individuelle Belastungsgrenze.

Psychische Gesundheit
"Was kann man tun, damit die seelischen Widerstandskräfte gestärkt werden?" Damit beschäftigte sich der Vortrag des Diplom-Psychologen Andreas Grimm. Dabei betonte der Experte für geistige Gesundheit, dass man täglich an der "Balance" arbeiten und Stress vermeiden sollte. Bei Stress komme es zu komplexen Wechselwirkungsprozessen zwischen den Anforderungen der Situation und der handelnden Person. Es gebe einerseits den positiven "Eu-Stress". Möglichst vermeiden sollte man aber den negativen "Dys-Stress", den lang andauernden Stress. Dieser erhöhe die Wahrscheinlichkeit für seelische Erkrankungen. Zu beachten seien die kognitive, emotionale, vegetativ-hormonelle und muskuläre Ebene.

Der Weg zur Stressreduzierung erfolgt laut Grimm instrumentell (durch eine Verringerung der äußeren Belastungsfaktoren), kognitiv (durch eine Veränderung Stressverschärfender Einstellungen und Bewertungen) und palliativ-regenerativ (durch eine Linderung der körperlichen und seelischen Stressreaktionen). Kurzfristige Methoden zur Stressbewältigung seien Ablenkung, "Gedanken-Stop", positives Selbstgespräch oder Dampf ablassen. Langfristig hilfreich seien Einstellungs- oder Zeitmanagement, Zufriedenheitserlebnisse, Pflege sozialer Kontakte, Entspannung, Sport und Ernährung.

Das Programm für mehr seelische Widerstandskraft umfasse folgende Faktoren: Aktuelle Situation akzeptieren, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Verantwortung für eigenes Denken und Tun übernehmen, Belastung als Chance zur Weiterentwicklung verstehen, soziale Kontakte, Ziele und Sinn finden, Lösungsorientiert denken und handeln, auf die Zukunft ausgerichtet sein.
Der Psychologe gab zudem folgende Tipps für den Alltag: "Seien Sie sich selbst Ihr bester Freund bzw. Ihre beste Freundin, Dankbarkeit zeigen, genießen ("Wer nicht genießt, ist ungenießbar!"), entspannen, lächeln und lachen, etwas Neues wagen, Grundhaltung ändern, positive gedankliche Lösungen suchen und jeden Tag üben, üben, üben?".

Fotos und Text: Petra Kunert

Prävention - Fit im Alter - körperlich und seelisch

Programm:

Eröffnung und Begrüßung: Carin E. Hinsinger, Kreisverbandsvorsitzende Stuttgart und Vizepräsidentin Sozialverband VdK Deutschland

Grußwort: Werner Wölfle, Bürgermeister der Stadt Stuttgart

Neue Erkenntnisse "Krebs - Ernährung": Dr. med. Thomas Kuhn, Onkologe Ernährungs- und Präventionsmediziner

Altersgerechte Bewegungen: Markus Jedenhauser, Sportwissenschaftler

Unsere Bäder in Stuttgart: Norbert Paydl, Leiter der Bäderbetriebe

Was kann ich tun, damit meine seelischen Widerstandskräfte gestärkt werden: Andreas Grimm, Dipl.-Psychologe

Lassen wir uns inspirieren: Lieder, Texte und Lyrik: Eine Aufführung "Dein Theater"

Weitere Termininformationen:
Zeit: Freitag, den 19. Mai 2017, von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr, Saalöffnung ab 13:00 Uhr
Ort: Großer Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt

Anfahrt: Linie U2, Haltestelle "Kursaal"
Der Eintritt ist frei!

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  1. Werner Wölfle und Carin E. Hinsinger freuten sich über das große Interesse am "VdK Gesundheitstag" in Stuttgart-Bad Cannstatt. | © Petra Kunert
  2. Sportwissenschaftler Markus Jedelhauser animierte Gäste im "Großen Kursaal" zum Mitmachen bei Bewegungsspielen. | © Petra Kunert
  3. Werner Wölfle plädiert für mehr Sport und lobt Angebote der Mineralbäder. | © Petra Kunert

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