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„Ohne uns bricht die Pflege in Deutschland zusammen! Gesehen werden wir leider nicht.“

202 Schilder wie dieses pflastern den Domplatz in Regensburg. Sie stehen ohne Menschen da, ihre Aussagekraft ist dennoch immens, denn Menschen, die aufopferungsvoll pflegen, haben keine Zeit, um auf die Straße zu gehen. Die VdK Kampagne #naechstenpflege, die am 21. Juni in allen bayerischen Bezirken stattfand, war keine laute Demonstration, aber trotzdem öffentlichkeitswirksam.

Der Sozialverband VdK kämpft dafür, die Situation von pflegenden Angehörigen zu verbessern und auf Nöte und Sorgen aufmerksam zu machen. Bei der „Stillen Demo“ im Herzen Regensburgs steht jedes Schild für einen Menschen, der zu Hause pflegt oder gepflegt wird. VdK-Mitglieder hatten dafür Zitate geliefert und Forderungen formuliert. Denn wer seine Nächsten zu Hause pflegt, dem werden schnell Grenzen aufgezeigt – körperlich, seelisch und finanziell. Deshalb fordert der VdK von der Politik für die Pflege Zuhause mehr Unterstützungsangebote, mehr Zeit zum Pflegen und mehr Geld.

Viele Menschen, die hier in Regensburg nur den Dom anschauen wollten, bleiben stehen, lassen die Schilder auf sich wirken, stimmen mit den Forderungen überein. Sie sind VdK-Mitglieder, kommen aus Regensburg, allen Teilen Deutschlands oder aus fernen Ländern wie England, Japan oder Singapur.

„Eine ganz tolle Aktion“, sagt Renate Poeplau, VdK-Mitglied aus Sarching. Sie pflegt seit zwölf Jahren ihren Mann und hat sich auch 14 Jahre lang um ihre im vergangenen Jahr verstorbene Schwiegermutter gekümmert. „Ich weiß, was die Botschaften auf den Schildern für einen in der Pflegesituation bedeuten“, sagt sie und fühlt sich gehört und verstanden. VdK-Mitglied Johanna Pinkert aus Passau, die mit ihrem Mann den Schilderwald anschaut, betont: „Leute, die pflegen, sind die stillen Helden. Unsere Nachbarn haben mit 70 noch gepflegt, wo andere schon pflegebedürftig sind.“ Die 70-jährige Elly van Oudenaren stützt sich auf Gehhilfen und liest interessiert die vielen Schilder. Die Holländerin, die perfekt Deutsch spricht, könnte sich so eine Demonstration auch in ihrem Land gut vorstellen, wie sie erklärt, denn dort sei die Pflegesituation auch nicht gut. Die Ausführung der VdK-Aktion findet sie sehr ansprechend und hebt den Daumen.

Auch Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer findet den Schilderwald „beeindruckend“. Klare Aussagen seien besser als trockene Zahlen. VdK-Bezirksgeschäftsführer Christian Eisenried betont, dass diese vollkommen andere Art der Demonstration sehr gut ausdrücke, wie stark Leute, die pflegen, belastet sind. Jan-Philipp Nöldner, VdK-Kreisgeschäftsführer in Cham, übersetzt für Mutter und Tochter aus Singapur, die sich eifrig bei ihm nach den Plakaten erkundigen. Ursula Weigl aus München hält ihr Kind im Arm und erzählt: „Ich bin sofort auf die Schilder zugegangen. Wenn man Familie hat, kann man das gut nachempfinden. Häusliche Pflege hat keine Lobby.“

Der 15-jährige Fabian Strebl aus Regensburg erkundigt sich ebenfalls über die Absicht der „Stillen Demo“ und über den VdK. Er ist sonst eher Fan des Videoportals TikTok. Die Schilder sind ihm sofort aufgefallen. Er wollte wissen, was dahintersteckt und befindet: „optisch sehr ansprechend“ und „was Neues“.

Das Medieninteresse in Regenburg ist ebenfalls groß: TV-Teams und Zeitungsredakteure kommen auf den Domplatz und sprechen mit VdK-Vertretern und Besuchern. Viele Passanten kommen mit den VdK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern am VdK-Stand und an den Schildern ins Gespräch. Sie sehen, dass da ein Sozialverband ist, der was bewegen möchte: mit Einfallsreichtum und kompetentem Personal. Ein gelungener Aktionstag mit viel Tiefgang.

Petra J. Huschke

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