Sozialverband VdK Hessen-Thüringen e.V.
23. Mai 2017
VdK-Pressemeldung

VdK und DGB fordern: Niedriglohnsektor eindämmen – Altersarmut ausbremsen!

Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen und der DGB Hessen-Thüringen haben sich in gemeinsamen Gesprächen im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl u.a. mit der wachsenden Altersarmut im Land befasst. Beide fordern, dass die Talfahrt des Rentenniveaus dringend gestoppt werden muss und perspektivisch auf mindestens 50 Prozent anzuheben ist.

Der Vorsitzende des VdK Hessen-Thüringen, Karl-Winfried Seif warnt: „Zu viele Menschen bekommen so geringe Löhne, dass es ihnen immer weniger möglich ist, ihren Lebensunterhalt sorgenfrei zu bestreiten - vom Aufbau einer armutsfesten Alterssicherung ganz zu schweigen. Die Renten müssen wieder ohne Abstriche den Löhnen folgen, sonst erreichen immer weniger Menschen eine auskömmliche Alterssicherung.“
Gabriele Kailing, Vorsitzende DGB Hessen-Thüringen ergänzt: „Gerade prekäre Beschäftigungsformen wie Leiharbeit, Minijobs, Teilzeit ohne Aussicht auf die Rückkehr in Vollzeit sowie sachgrundlose Befristungen sind neben einer schlechten Bezahlung wesentliche Gründe für eine niedrige Rente, die immer mehr Menschen – vor allem Frauen – bedroht. Diese Beschäftigungsformen müssen zurückgedrängt werden. Deshalb brauchen wir beispielsweise einen Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeitbeschäftigung, das Ende der sachgrundlosen Beschäftigung und Equal Pay vom ersten Tag an.“

DGB und VdK fordern die hessische und thüringische Landesregierung auf, sich dafür auf Bundesebene stark zu machen, aber auch, die eigenen Möglichkeiten auf Landesebene zu nutzen. Dazu gehöre etwa, bei der öffentlichen Auftragsvergabe nur solche Unternehmen und Betriebe in die Auswahl zu nehmen, die sich an Tariflöhne und soziale Standards halten und in denen Mitbestimmung vorhanden ist. Die Vergabe-Kriterien selbst müssten entsprechende verbindliche Vorgaben enthalten.

Hintergrund

Bei den 65-Jährigen und Älteren ist die Armutsgefährdungsquote zwischen 2006 und 2015 in Hessen um ein Drittel von 10,2 auf 13,2 Prozent gestiegen, in Thüringen sogar um fast zwei Drittel von 7,9 auf 13,1 Prozent (Quelle: www.amtliche-sozialberichterstattung.de).
Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bezogen 2015 in Hessen 663.253 Frauen eine Rente von durchschnittlich 613 Euro im Monat, in Thüringen waren es 324.314 Frauen mit einer durchschnittlichen Rente von 835 Euro im Monat.
In Hessen lag der Anteil der Niedriglohnempfänger im Jahr 2014 nach Auskunft der Bundesregierung bei 18,4 Prozent (BT.-Drs. 18/11761). Der Anteil in Thüringen lag bei 33,7 Prozent (BT.-Drs. 18/11761).

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