Sozialverband VdK Hessen-Thüringen e.V.
Junioren

Reflektieren und sensibilisieren

Das VdK-Projekt ALKOR unterstützt Kitas, Schulen, Stadtteilinitiativen und Vereine auf dem Weg zur Inklusion. Ziel des Projekts ist es, Kinder und Jugendliche für Behinderungen zu sensibilisieren.

Bei einem Projekttag an einer Integrierten Gesamtschule, der IGS Süd in Frankfurt, sieht das dann so aus: Ismail Sackan sitzt vor 40 Fünftklässlern, sie dürfen ihn interviewen. Der Mittdreißiger ist seh eingeschränkt, und deswegen sind die Fragen speziell: „Was siehst du?“ – „Ich sehe nichts.“ Die Kinder können sich das nicht richtig vorstellen. Der Gefragte erklärt es ihnen: „Das ist so, als würde ich euch fragen, was ihr hinter der Wand seht.“

ALKOR-Projekttag an einer Integrierten Gesamtschule

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  • Der VdK zu Gast an der Integrierten Gesamtschule Süd in Frankfurt: Einen Schultag lang lernten etwa 40 Kinder das Inklusionsprojekt ALKOR kennen. Den Auftakt bildete ein Theaterstück, das die Einzigartigkeit jedes Menschen herausstellt.
    drei Männer und eine Frau
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  • In dem Stück geraten vier Freunde mit ganz unterschiedlichen Charakteren bei der Planung einer Geburtstagsfeier aneinander und stiften nichts als Chaos. Wie lässt sich ein solcher Konflikt nur lösen?
    eine Frau spricht, drei Männer schauen zu
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  • Dazu hieß es: Bühne frei für die Schüler! Sie durften für einen der erwachsenen Akteure einspringen und versuchen, einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden.
    ein Junge, eine Frau und ein Mann
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  • Stärken betonen statt Schwächen anzuprangern: In kleinen Gruppen sammelten die Kinder anschließend mit Begeisterung positive Eigenschaften für jeden Mitschüler - eine neue Erfahrung für viele von ihnen.
    ein Mann und mehrere Kinder
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  • Fragerunde mit einem besonderen Gast: Ismael Sackans Sehvermögen ist eingeschränkt. Das junge Publikum lauschte gespannt, als der Mittdreißiger aus seinem Alltag erzählte.
    zwei Männer und viele Kinder
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  • Leben mit einer Behinderung: Ismail Sackan berichtete zum Beispiel, wie er sich in seinem Zuhause zurechtfindet, den Weg zur S-Bahn findet und den Blindenstock benutzt.
    drei Männer
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  • Neben Projektleiter Oliver Wetz betreut auch Bettina Schmidt das Projekt ALKOR. Sie ist kleinwüchsig. Manche Kinder kämen bei einem solchen Projekt das erste Mal in Kontakt mit einem behinderten Menschen, sagt die junge Frau.
    ein Mann und eine kleinwüchsige Frau
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  • Bettina Schmidt weiß, was es heißt, mit einer Behinderung zu leben. Die Projekt-Mitarbeiterin von ALKOR erzählte den aufmerksamen Zuhörern von ihren persönlichen Erfahrungen und von ihrer Familie.
    Eine kleinwüchsige Frau mit mehreren Kindern
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  • Einschränkungen selbst erleben: Oliver Wetz und Bettina Schmidt luden die Kinder ein, auf einem Sensibilisierungsparcours zu testen, wie Menschen mit geringer Mobilität, schlechtem Seh- oder Hörvermögen ihre Umgebung wahrnehmen.
    ein Mann und eine kleinwüchsige Frau
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  • Wie findet man "blind" seinen Weg? Ausgerüstet mit einer zugeklebten Schwimmbrille und geführt von einem Mitschüler, tasteten sich die Kinder an der ersten Station des Parcours mithilfe eines Blindenstocks voran.
    zwei Mädchen
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  • Wer nicht sehen kann, muss die Ohren spitzen: An einer Station des Sensibilisierungsparcours spielten die Kinder "blind" mit einem Klingelball und orientierten sich nur mit dem Gehör.
    drei Mädchen spielen
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  • Eine weitere Attraktion für die Kinder bildete eine Punktschriftmaschine: Ismail Sackan zeigte seinen kleinen Zuschauern, wie er damit Texte schreibt.
    Ein Mann und mehrere Kinder
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Vor dem Interview hat Ismail Sackan über sein Leben erzählt, wie er sich anzieht, wie er sich zu Hause zurechtfindet, wie er zur S-Bahn geht … Danach zeigt er, wie man mit dem Blindenstock umgeht. Dann sind die Schülerinnen und Schüler dran. Mit zugeklebten Schwimmbrillen vor den Augen tasten sie sich mithilfe des Stocks durch die Räume. Da gibt es viel zu lachen, aber auch viel zu lernen. „Bei unseren Projekttagen geht es um Sensibilisierung und Reflexion“, sagt Oliver Wetz, der Leiter von ALKOR. „Sensibilisierung für den Umgang mit behinderten Menschen, Reflexion darüber, dass jeder Mensch einzigartig ist.“

Sensibilisierungsparcours

Das Tasten mit dem Blindenstock ist die erste Station des Sensibilisierungsparcours, auf dem die Kinder die Möglichkeit haben, verschiedene Behinderungen selbst zu erfahren. Sie versuchen, mit dem Rollstuhl Hindernisse zu umfahren, spielen, die zugeklebten Schwimmbrillen vor Augen, mit dem Klingelball oder greifen „blind“ in einen Sack, um Gegenstände zu ertasten. Beim Themenpunkt „Hören“ stehen Karten mit Gebärdensprache und das Fingeralphabet im Mittelpunkt. Alle machen mit, haben Spaß, und die Zeit vergeht wie im Flug.

Jeder Mensch ist einzigartig

Die Reflexion darüber, dass jeder Mensch einzigartig ist, stand schon zu Beginn des Projekttags auf dem Programm. Nach ein paar Lockerungsübungen, die den Schulalltag vergessen ließen, gab es ein Theaterstück über vier Freunde, die eine Geburtstagsfeier planen wollen, aber nicht recht zusammenfinden. Jeder hat so seine Eigenart, der eine spricht sehr langsam, der andere will seine Meinung unbedingt durchsetzen, der Dritte ist total schüchtern, der Vierte zappelt rum. Kurzum: Die unterschiedlichen Charaktere können sich nicht einigen, und die Planung der Feier führt zu nichts als Chaos.

Was tun? Erst einmal überlegen, wie sich jeder Einzelne der vier Freunde fühlt und was sie brauchen, damit die Planung der Feier gelingt. Um die Sache zum Positiven zu wenden, dürfen sich die Schulkinder in das Theaterstück einwechseln, einen der Vier ersetzen und versuchen, den Konflikt zu lösen. „Es geht darum, die Stärken jedes Einzelnen zu sehen und sich nicht an seinen Schwächen festzubeißen“, sagt ALKOR-Mitarbeiter Pedram Aghdassi. In Kleingruppen wird das anschließend vertieft. Die Kinder sammeln positive Eigenschaften ihrer Mitschüler. „Er ist vertrauenswürdig, er ist mutig.“ Für viele ist es neu, auf diese Weise etwas Positives über sich zu erfahren.

Einsätze von ALKOR gibt es nicht nur in Schulen wie der IGS Süd, sondern auch in Horten und Kitas, bei Sportvereinen und Stadtteilveranstaltungen. Und so unterschiedlich die Orte, so verschieden sind Dauer und Gestaltung der Projekttage. Ein- oder mehrtägig, eine ganze Woche lang oder über fünf Wochen hinweg regelmäßig jeden Montagnachmittag – die ALKOR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind flexibel.

Noch viel zu tun

Manche wissen sogar aus eigener Erfahrung, was es heißt, mit einer Behinderung zu leben. So wie Bettina Schmidt, die kleinwüchsig ist und darüber wie Ismail Sackan mit den Kindern und Jugendlichen spricht, ihnen aus ihrem Leben erzählt und Fragen beantwortet. Da erfahren die Fragesteller viele interessante Einzelheiten, aber auch Bettina Schmidt lernt immer noch etwas dazu: „Wenn ich ein Projekt in einer Kita mache, kommen manche der Kinder so zum ersten Mal mit einem behinderten Menschen in Berührung.“ Es gibt also noch viel zu tun für ALKOR.

Team ALKOR
Ehrenamtsreferat (Förderwesen)

Oliver Wetz
Gärtnerweg 3
60322 Frankfurt
Telefon: 069 714002-35
Telefax: 069 714002-22
alkor.ht@vdk.de


Junioren
Ein kleiner blauer Stern hält sich an einem Sternenzacken eines größeren gelben Sterns fest.
Das Projekt ALKOR des VdK Hessen-Thüringen bietet Unterstützung auf dem Weg zur Inklusion. Projektleiter Oliver Wetz erklärt Grundlagen und Ziele.
Junioren
Plakat zu Käpt'n Kork
Mit einer Geschichte um einen ausgebüxten Papagei für Barrierefreiheit werben – das funktioniert perfekt. Die Aktionen der VdK-Junioren rund um das Kinderbuch „Käpt’n Kork fliegt davon“ ziehen alle in den Bann.

Logo der Aktion Mensch
Das Projekt ALKOR wird durch die Aktion Mensch gefördert.

"Inklusion in 80 Sekunden erklärt."

Ein Video der Aktion Mensch zeigt, was unter dem schwierigen Wort zu verstehen ist.

Aktion Mensch – Was ist Inklusion?


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3 Figuren
Die Versorgung mit Hilfsmitteln, Umbaumaßnahmen zur Wohnraumanpassung und Barrierefreiheit im öffentlichen Raum sind die Beratungsbereiche der VdK-Fachstelle für Barrierefreiheit.
Barrierefreiheit
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Eine Behinderung entsteht, wenn ein Mensch mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung auf Barrieren in seiner Umwelt trifft. Barrierefreiheit ist dann das Instrument, um dem Betroffenen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
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Symbolfoto: Ein Mann im Rollstuhl überquert eine Straße.
In den Vorständen der VdK-Gremien vertreten die Juniorenvertreter die Belange und Interessen der jüngeren Mitglieder.
Alter Mann mit einen Strohhut lächelt entspannt auf seinen Garten
Im Sozialverband VdK ist das Ehrenamt schon immer die Basis aller Aktivitäten. Seit jeher leisten sozial engagierte Menschen unentgeltlich ihren Beitrag im VdK.
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Zwei Frauen, von Links: Anne Katrin Olischläger und Claudia Koeppen-Rokstein
Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderungen auch im Beruf ihre Rechte und die bestmöglichen Hilfestellungen erhalten.
INKLUSION
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Das Projekt ALKOR soll Vereine, Jugendzentren und Schulen auf dem Weg zur Inklusion unterstützen. Kinder werden für die Themen Behinderung und Barrierefreiheit sensibilisiert.
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