Frauen und Kinder sind besonders betroffen

Corona belastet unseren Alltag und unser seelisches Wohlbefinden. Was viele spüren, belegen die Zahlen der Krankenkassen. Nach den Auswertungen der DAK haben sich noch nie so viele Versicherte wegen psychischer Probleme krankgemeldet wie im ersten ­Corona-Jahr. Im aktuellen Psycho-Report der DAK lag die Zahl der Fehltage für 2020 in Hamburg bei 401 je 100 Versicherte. Gegenüber 2010 ist dieser Wert um 37 Prozent, also um mehr als ein Drittel, angestiegen.

Eine Frau hockt an einer Wand und blickt auf den Boden.
Eine Folge von Corona: Junge Menschen leiden unter Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen. | © DAK-Gesundheit/Schläger

Von den Arbeitnehmern, die in diese Statistik eingehen, sind Frauen, laut DAK Hamburg, besonders betroffen. Schon seit Jahren hätten sie wegen psychischer Probleme mehr Krankheitstage als Männer, aber unter Pandemie-Bedingungen seien bei ihnen die Fehlzeiten noch weiter angestiegen, während sie bei den Männern rückläufig waren. „Unsere aktuelle Analyse zeigt, wie gerade Frauen in unserer Stadt mit psychischen Problemen unter den Pandemie-Einschränkungen und -Belastungen leiden“, sagt Katrin Schmieder, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Hamburg.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Geschlossene Schulen und Kitas setzen die Familien zu Hause unter Druck. Neben der eigenen Arbeit müssen Kinder betreut und Schüler beim Lernen unterstützt werden. Zur Entspannung fehlen Freizeitmöglichkeiten und der Platz, sich in der Wohnung aus dem Weg zu gehen. Eine Studie der TU Chemnitz zu den psychologischen Auswirkungen des ersten Lockdowns hat dies bestätigt. Besonders betroffen seien Frauen, die zu Hause wenig Unterstützung erfahren und Kinder im Homeoffice betreuen.

Auch an der Jugend geht das zu Hause Sitzen nicht spurlos vorüber. Die zweite Befragungsrunde der Universität Hamburg-Eppendorf zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat gezeigt: Ängste und Sorgen haben unter Kita-Kindern und Schülern im Vergleich zur ersten Befragung deutlich zugenommen, depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden wie Niedergeschlagenheit oder Kopf- und Bauchschmerzen betreffen inzwischen fast jedes dritte befragte Kind.

„Den Betroffenen mit passenden Angeboten und Versorgungskonzepten zu helfen sei gerade in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sehr wichtig“, betont Katrin Schmieder von der DAK Hamburg. Doch wie sehen diese Angebote aus und wo finden Betroffene Hilfe?

In Hamburg wurden im Laufe der Corona-Krise spezielle Hilfs­angebote eingerichtet. Die entsprechenden Anlaufstellen sind im Kasten „Notfall Psyche“ auf dieser Seite zu finden.

Wer sich Alltagssituationen nicht mehr gewachsen fühlt oder wen negative Gedanken und Ängste verfolgen, kann sich aber auch an das Spezialisten-Netzwerk „Veovita“ wenden. Es ist digital unter https://veovita.de für alle Versicherten der Krankenkassen kostenlos erreichbar. Dieses Netzwerk nimmt Anfragen schnell entgegen und sucht nach geeigneten Behandlungsmöglichkeiten.

Mutter und Tochter daheim beim arbeiten und lernen.
Frauen, die Kinder im Homeoffice betreuen, sind psychisch besonders belastet. | © IMAGO/Westend61

Für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen ist in Hamburg kurz vor der Corona-Krise das Pilotprojekt „Drei für Eins“ an den Start gegangen – unter Federführung der Techniker Krankenkasse (TK) und in Zusammenarbeit mit dem Asklepios Klinikum Hamburg-­Harburg, dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift und der Hamburger Schulbehörde. Maren Puttfarcken, die Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, erklärt die Idee dahinter: „Leider erhalten viele Kinder und Jugendliche mit bereits vorhandenen Problemen nicht die Hilfen, die sie benötigen und fallen durch das Raster. Das liegt daran, dass es viele Hilfsangebote gibt, die systemisch bedingt häufig nicht miteinander verknüpft sind. Auch werden bestehende Hilfsangebote aus Angst vor Stigmatisierung nicht genutzt.“ Das Projekt will das ändern: In einem der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) findet ein Erstgespräch statt, wo der Versorgungs- und Therapiebedarf ermittelt wird und die Kinder und ­Jugendlichen individuelle psychotherapeutische oder fachtherapeutische Angebote erhalten.

Aber auch online gibt es Ange­bote. Extra für Kinder und Jugendliche wurde das Infoportal www.corona-und-du.info/ von Kinder- und Jugendpsychologen entwi­-ckelt; es hält Anleitungen für den Alltag und Adressen zu Hilfsangeboten bereit. Für Erwachsene, die unter psychischen Problemen leiden, bieten die Krankenkassen eigene Unterstützungsprogramme auf ihren Internetseiten an. Kostenlos und für alle zugänglich ist das niedrigschwellige Online-Training auf https://moodgym.de, das die Psyche stärken soll. Mit Übungen kann der Nutzer ungesunde Gedankenmuster erkennen und diese durch neue ersetzen lernen. Dieses Angebot ist für Menschen geeignet, die mit ihrer Situation noch gut umgehen können.

Wer sich nicht sicher ist, ob bereits professionelle Hilfe nötigt ist oder es sich nur um eine vorübergehende Niedergeschlagenheit handelt, kann unter www.deutsche-depressionshilfe.de einen Selbsttest durchführen. Deutet das Ergebnis auf eine Depression hin, sollten Betroffene ihren Hausarzt oder einen Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie oder Nervenheilkunde aufsuchen. Die Experten raten auch, den Selbsttest zum Arzt mitzunehmen – er kann den Gesprächseinstieg erleichtern.

Notfall Psyche

Krisentelefon der Uniklinik Hamburg-Eppendorf mit Erstberatung
(Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr): (0 40) 7 41 05 32 10

eTerminservice der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg für psychotherapeutische Sprechstunden:
116 117 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr)
www.eterminservice.de

Arztsuche für die direkte Kontaktaufnahme mit einer Praxis:
https://www.kvhh.net/de/patienten.html

Liste psychotherapeutischer Privatpraxen:
https://psych-info.de

Ruth Seyboth-Kurth

Schlagworte Frauen | Kinder | Psychische Beschwerden

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