Viele Schüler leiden unter Angst und Depression

Ein Viertel aller Schulkinder in Hamburg zeigt psychische Auffälligkeiten. Zu diesem beunruhigenden Schluss kommt der aktuelle Kinder- und Jugendreport Hamburg der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Im Auftrag der DAK ­haben Wissenschaftler der Universität Bielefeld die Gesundheitssituation junger Menschen deutschlandweit untersucht. Dabei werteten sie die Daten von insgesamt 800.000 Kindern und Jugendlichen aus, die in den Jahren 2016 und 2017 bei der DAK versichert waren. Darunter auch die von 22.000 jungen Hamburgern.

Die betroffenen Kinder leiden oft leise, bevor sie eine passende Diagnose bekommen. | © pixabay.com

Die Forscher legten ihren Fokus dabei auf die seelische Gesundheit. „Wir wollen das Tabu brechen, das psychische Erkrankungen noch immer umgibt“, sagt Katrin Schmieder, Leiterin der DAK-Landesvertretung in Hamburg. „Die betroffenen Kinder leiden oft leise, bevor sie eine passende Diagnose bekommen. Wir müssen aufmerksamer werden – ob in der Familie, in der Schule oder im Sportverein – und nachhaltig helfen.“

Die Studie zeigt auf, dass es insbesondere bei krankhaften Ängsten einen deutlichen Anstieg gab. Für 2017 diagnostizierten Ärzte in der Hansestadt acht Prozent mehr Angststörungen als im Vorjahr. Hochgerechnet leiden aktuell etwa 4000 Hamburger Kinder zwischen zehn und 17 Jahren unter einer Depression und 3200 Jungen und Mädchen dieser Altersgruppe unter einer Angststörung.

Insgesamt sind 25 Prozent aller Jungen und Mädchen in Hamburg von einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung betroffen. Dazu zählen etwa Sprach- und Sprechstörungen, unter denen vor allem jüngere Schulkinder häufig leiden. Ebenfalls sehr verbreitet ist die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Affektive Störungen wie Depressionen kommen zwar seltener vor, werden aber laut DAK häufiger behandelt: So waren im Untersuchungszeitraum fast drei Prozent aller bei der DAK in Hamburg versicherten Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren so stark betroffen, dass sie einen Arzt aufsuchen mussten. Im Bundesdurchschnitt belegt Hamburg damit einen traurigen zweiten Platz hinter Berlin. Und auch in Flächenländern zeigt sich, dass Stadtkinder häufiger unter bestimmten psychischen Erkrankungen leiden als Gleichaltrige im ländlich geprägten Raum.

Von Depressionen und Angststörungen sind vor allem 15- bis 17-Jährige betroffen: So befindet sich statistisch gesehen in einer zwölften Klasse mit 20 Schülern durchschnittlich ein Schüler wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO gehören Depressionen und Angststörungen zu den schwerwiegendsten seelischen Erkrankungen. Denn gerade bei schweren Depressionen haben junge Patienten Schwierigkeiten, ihren gewohnten Alltag wie gewohnt weiter zu leben. Sie ziehen sich stark zurück und schaffen es kaum noch, in die Schule zu gehen.

Bei Angststörungen gerät hingegen der natürliche Angstmechanismus des Menschen aus den Fugen. Hierzu gehören beispielsweise Panikstörungen mit plötzlich auftretenden Angstanfällen oder auch akute Todesangst, Platzangst sowie soziale Phobien, also die Angst vor negativen Beurteilungen anderer Menschen, oder auch spezifische Phobien, wie Angst vorm Fliegen oder vor Spinnen. Bei Betroffenen sind die Lebensqualität und der Alltag dadurch ebenfalls stark beeinträchtigt.

Seelische Belastungen

Der Kinder- und Jugendreport belegt darüber hinaus, wie stark bestimmte Faktoren die Entwicklung eines Seelenleidens beeinflussen. So haben Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung ein viereinhalbmal höheres Risiko für eine Depression – besonders in der Pubertät. Auch das familiäre Umfeld kann ein Faktor für die Entwicklung eines Seelenleidens sein: Kinder psychisch kranker Eltern sind deutlich gefährdeter, selbst eine depressive Störung zu entwickeln. Denn Erkrankungen von Elternteilen sind für Kinder häufig eine große seelische Belastung. Und das ist nicht selten: Jedes dritte bei der DAK versicherte Kind besitzt ein Elternteil, dass im Jahr 2017 wegen psychischen Auffälligkeiten mindestens einmal in Behandlung war.

Der Report zeigt auch die Unterschiede zum Umgang mit psychischen Erkrankungen in den Bundesländern. So leiden in Hamburg zwar deutlich mehr Kinder unter Depressionen, die jungen Patienten erhalten aber in der Hansestadt seltener Antidepressiva. Dafür überweisen Ärzte in Hamburg einen größeren Anteil der depressiven Schulkinder an ein Krankenhaus. So muss fast jedes zehnte depressive Schulkind mindestens einmal im Jahr ins Krankenhaus. Im Durchschnitt dauert ein Krankenhausaufenthalt wegen einer Depres­sion in Hamburg 56 Tage. Laut DAK fehle es nach der Entlassung aber oft an der passenden ambulanten Nachsorge. „Wir haben Versorgungslücken nach der Krankenhausentlassung, die wir dringend schließen müssen“, betont Katrin Schmieder.

Um Betroffene nach ihrer Krankenhausentlassung besser aufzufangen, hat die DAK-Gesundheit daher das neue integrierte Versorgungsangebot namens „veo“ gestartet. Damit soll depressiven Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren für drei Jahre eine vernetzte ambulante Nachsorge und Versorgung ermöglicht werden. Das Angebot hilft Kinder- und Jugendtherapeuten, Psychiatern sowie Haus- und Fachärzten dabei, die ambulante Nachsorge zu optimieren und bindet auch Beratungsstellen, Schulpsychologen und Jugendämter mit ein. Ziel ist eine bessere Vernetzung und damit eine schnelle und unproblematische Hilfe für betroffene Kinder – möglichst ohne lange Wartezeiten und komplizierte Terminabsprachen.

Das Angebot steht DAK-Versicherten zur Verfügung. Kinder ab zwölf Jahren können zudem ihre seelische Stärke mit einer neuen Software trainieren, wie die DAK mitteilte. So sei „DAK Smart4me“ kostenfrei und passwortgeschützt auf Smartphones und anderen Bildschirmgeräten nutzbar. Weitere Infos dazu unter veo-team.de und dak-smart4me.de im Internet.

Schlagworte Schüler | Angst | Depression | Kinder- und Jugendreport Hamburg | psychischen Erkrankungen

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