Vogelbeere, Petermännchen und Co.

Ob durch Pilze, Pflanzen, Putzmittel oder das Petermännchen verursacht, die Verdachtsfälle auf Vergiftungen, die das Giftinfor­mationszentrum Nord (GIZ Nord) erreichen, werden immer mehr. Insgesamt 42 692 Anfragen zu Vergiftungen haben die ärztlichen Berater am GIZ im vergangenen Jahr beantwortet. Das sind 1708 Anfragen oder rund vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Fliegenpilze stehen wie kaum etwas anderes für Vergiftungen. Doch Pilzvergiftungen sind im Norden eher selten. | © Manfredrichter-pixabay.com

Auffällig ist, dass der 24-Stunden-Service des Giftinformationszentrums im letzten Jahr vermehrt von medizinischem Personal genutzt wurde. „Die weiter gestiegene Zahl von Anfragen zeigt, wie groß der Bedarf an qualifizierter Beratung im Vergiftungsnotfall ist. Die Resonanz belegt auch, wie gut das GIZ-Nord in der Bevölkerung sowie in der Ärzteschaft bekannt und akzeptiert ist“, sagen Dr. Martin Ebbecke und Professor Dr. Andreas Schaper, die das Giftinformationszentrum Nord seit 2015 leiten.

Der Jahresbericht 2018 des GIZ-Nord analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Oft sind es Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Kinder gefährlich werden können wie etwa sogenannte Vogelbeeren oder Spülmittel. Die größte Vergiftungsgefahr geht für diese Altersgruppe von Haushaltschemikalien und Arzneimitteln aus. Besorgte Eltern rufen jedoch auch immer wieder beim GIZ an, nachdem Kinder etwa sogenannte „Vogelbeeren“ oder große Mengen Zahnpasta zu sich genommen haben. Auch Lametta oder Styropor wird laut GIZ-Nord häufig von Kindern verschluckt. Bei Erwachsenen überwiegen hingegen klar Vergiftungen mit Medikamenten. Viele Menschen melden sich bei den Giftexperten jedoch auch wegen dem Verzehr des Trockenmittels Silicagel oder nach dem „Genuss“ von Blumenwasser.

Beratung

Die Hauptaufgabe des GIZ Nord, das zur Universitätsmedizin Göttingen gehört, ist die Beratung in akuten Vergiftungsfällen. Zuständig ist das GIZ-Nord für die Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Deutschlandweit decken insgesamt acht Informations- und Beratungszentren beziehungsweise Giftnotrufe den Bedarf ab. Zu den weiteren Aufgaben des Giftinformationszentrums gehört zudem die Information von Überwachungsbehörden und Öffentlichkeit über neue Entwicklungen im Bereich der Vergiftungen.

Von Tieren und Pflanzen produzierte Toxine, also Gifte, gehören zu den gefährlichsten bekannten Giftstoffen. Vergiftungen durch Kontakt mit einem Fisch, dem „Petermännchen“, haben in den letzten 20 Jahren zu steigenden Anfragen im GIZ-Nord geführt. „Immer wieder kommt es an den norddeutschen Küsten zu Vergiftungen mit dem Petermännchen. Entweder tritt man im flachen Wasser auf den Fisch oder Angler verletzten sich beim Ablösen des Fisches vom Angelhaken. Glücklicherweise gab es bisher keine tödlichen Vergiftungen“, sagt Professor Dr. Andreas Schaper. Die Verletzungen in solchen Fällen sind sehr schmerzhaft und die Symptome können über Wochen und Monate, in Einzelfällen sogar über Jahre hinweg anhalten. Dabei können zudem lediglich die Symptome behandelt werden. Ein spezifisches Antidot oder Gegengift gibt es nicht. Gute und schnelle Ergebnisse zeigt jedoch die rasche Anwendung der Temperatur-Schock-Methode nach Kontakt mit dem Petermännchen. Denn sein Gift besteht aus hitzeempfindlichen Eiweißen.

Das Petermännchen ist der einzige in norddeutschen Gewässern heimische Giftfisch. An ihrer Rückenflosse und am Kiemendeckel verfügen sie über „Stachel“ mit Giftdrüsen. Eigentlich vornehmlich in der Nordsee beheimatet, kam es auch an den Ostseeküsten in den vergangenen Jahren immer wieder zu schmerzhaften Begegnungen von Badenden und Anglern mit dem Fisch.

Im GIZ-Nord werden derzeit rund 300 Fälle von Vergiftungen durch Petermännchen im Rahmen einer Doktorarbeit ausgewertet. Aber auch Themen wie Vergiftungen mit exotischen Gifttieren, mit sogenannten Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), mit Brand- und Rauchgasen sowie Vergiftungen im Kindesalter sind Forschungsschwerpunkte und werden regelmäßig auch auf internationalen Kongressen vorgestellt.

Die meisten Anfragen an das GIZ-Nord kommen über die Notrufnummer (05 51) 1 92 40, die rund um die Uhr erreichbar ist. Vorsorgliche Anfragen können auch per E-Mail an giznord@giz-nord.de gestellt werden. Weitere Informationen unter www.giz-nord.de im Internet.

pd/scb

Schlagworte Vergiftung | Vogelbeere | Petermännchen

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