Im Gespräch mit Arno Surminski oder Eine Reise nach Osten

Arno Surminski, geboren am 20. August 1934 in dem ostpreußischen Flecken Jäglack, gehört seit Jahrzehnten zu den meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern. Nachdem seine Eltern 1945 in den Wirren von Kriegsende und Flucht in die Sowjetunion verschleppt worden waren, musste sich der Zehnjährige im fast entvölkerten Masuren zunächst allein durchschlagen, bevor es ihn 1947 zu entfernten Verwandten nach Trittau in Schleswig-Holstein verschlug.

Geschichten aus dem alten Ostpreußen: Arno Surminski bei einer Lesung in St. Nikolai. | © VdK Hamburg

Nach Schulzeit und Lehre in einem Anwaltsbüro ging Arno Surminski von 1955 bis 1957 nach Kanada, wo er als Tellerwäscher und Holzfäller arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, arbeitete er in der Rechtsabteilung einer Hamburger Versicherung sowie als Fachjournalist, bis ihm 1974 mit seinem Debutroman „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ der literarische Durchbruch gelang. Seitdem hat er sich in über 30 Romanen und Erzählbänden immer wieder mit den Jahrhundertthemen Krieg, Völkermord, Flucht und Vertreibung beschäftigt, aber auch mit dem Neubeginn der Flüchtlinge und ihrem Finden einer neuen Heimat in Westdeutschland. Seiner ursprünglichen Heimat Ostpreußen hat Arno Surminski mit seinem Schaffen ein literarisches Denkmal gesetzt. Seine Bücher sieht er jedoch auch als Beitrag zu Frieden und Versöhnung, was nur ohne ein gegenseitiges Aufrechnen von Schuld gelingen könne.

Das Schicksal seiner Eltern blieb jahrzehntelang im Dunkeln. Erst 1998 erfuhr Arno Surminski, dass sein Vater schon 1945 und seine Mutter ein Jahr später in russischen Lagern ums Leben gekommen sind. Arno Surminski lebt heute in Hamburg und besitzt ein Wochenendhaus in dem Heavy-Metal-Dorf Wacken. In diesem Sommer feiert er seinen 85. Geburtstag. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Traute hat er drei Kinder und acht Enkelkinder.

Mit der VdK-Zeitung hat Arno Surminski über sein Leben gesprochen.

Herr Surminski, wie lange fährt man von Jokehnen nach Deutschland?
Das war eine sehr lange Zeit. Deutschland lag uns sehr fern. Man fuhr nach Deutschland mit dem Gefühl, man kommt in etwas Besseres, etwas Größeres (lacht).

Ein Regal voller Ostpreußenliteratur: Arno Surminski in seinem Hamburger Wohnzimmer. | © VdK Hamburg

Nach Ihrer Vertreibung 1945 fuhren Sie dann 13 Tage von Jäglack nach Ostdeutschland?
Ja.

Und wie lange brauchten Sie, als Sie 1974 das erste Mal wieder Ihren Geburtsort besuchten?
Da bin ich natürlich mit dem Auto gefahren, und wir hatten eine Übernachtung in Danzig. Das waren nur anderthalb Tage.

Haben Sie dort noch Spuren aus Ihrer Kindheit gefunden?
Das Elternhaus stand noch. Und es lebten auch Menschen drin, die wir besucht haben. Wir haben dort sogar Mittag gegessen. Die Schule gab es auch und den Krug. Aber sonstige Spuren oder Gegenstände habe ich keine gefunden. Und selbst wenn in meinem Elternhaus ältere Gegenstände gewesen wären, hätte ich die ja auch nicht mitnehmen können, die gehörten mir ja nicht mehr.

Besitzen Sie noch irgendetwas aus Ihrer Kindheit?
Ich habe damals nur das, was ich auf dem Leibe trug, mitgebracht. Aber als das Buch „Jokehnen“ bekannt wurde, haben viele Menschen mir Bilder geschickt, die früher mal auf einem Geburtstag oder irgendwann gemacht wurden.

Hatten Sie denn jemals das Bedürfnis, Dinge aus Ihrer Kindheit, wiederzuerlangen?
Nein. Für mich war das Kapitel Jokehnen 1945 abgeschlossen. Das ganze Dorf befand sich in einem total verwüsteten Zustand, kaum Menschen, meine Eltern nicht da. Das war eine Zäsur für mich.

War Ihre Kindheit 1945 auf einen Schlag vorbei?

Der etwa sechsjährige Arno Surminski auf dem Pferd „Osterhase“. | © Arno Surminski

So kann man das sagen. Ich musste plötzlich für mich selber sorgen. Wo kriegt man was zu essen, wo kann man schlafen? Im Nachhinein muss ich froh sein, dass wir im Dezember 1945 ausgewiesen wurden. Denn ich weiß nicht, wie wir dort den Winter hätten überleben können. In Deutschland war es auch schlimm genug, auch mit Essen und Trinken, aber es war eine Perspektive.

Haben Sie damals gezögert, nach Deutschland zu fahren?
Ja. Aus folgendem Grund: Ich ging wie selbstverständlich davon aus, dass meine Eltern nach Jäglack zurückkommen. Denn da hatten sie mich zuletzt gesehen und ich wollte ihnen nicht diese Enttäuschung bereiten, dass ich nicht da bin, wenn sie kommen. Aber ein paar größere Kinder mit denen ich da zusammen spielte, haben mich überredet, doch mitzukommen, mit dem Argument, deine Eltern sind schon in Deutschland, du brauchst nicht hier zu warten.

Wie übersteht man das als Kind?
Da war eine Frau mit zwei Mädchen, und bei denen habe ich mitgeschlafen und wenn die was zu essen hatten, habe ich mitgegessen. Und drei russischen Soldaten habe ich die Stiefel geputzt. Da habe ich auch etwas zu essen bekommen. Aber es ist natürlich innerlich schon ein schwerer Schlag, so allein zu sein und niemanden zu haben, dem man sich anvertrauen kann. Aber ich sagte mir: Du musst jetzt hier durch! Du musst jetzt was machen! Ich habe nicht gewartet, dass jemand mich versorgt oder betreut, ich habe das selbst machen wollen. Und dadurch wurde dieses Gefühl des Verlassenseins nicht so stark.

Wie lange haben Sie gehofft, Ihre Eltern wiederzusehen, oder auf eine Nachricht gewartet?
Als ich im Westen war und hörte, wie es anderen ergangen war, die auch nicht zurückgekommen waren, verblasste diese Hoffnung. Ab 1950 habe ich nicht mehr daran geglaubt. Da war ich 16 Jahre alt. Es bleibt natürlich immer ein Hoffnungsschimmer, aber innerlich habe ich nicht mehr damit gerechnet.

Konnten Sie trotz allem unbeschwert leben?
Unbeschwert leben heißt gedankenlos leben. Also nicht immer denken, was sagt Vater, was sagt Mutter oder kriegst du morgen was, und übermorgen. Diese Unbeschwertheit hat es natürlich nicht gegeben. Aber ich hatte als junger Mann auch meine Freuden, im Sport etwa. Insofern war es völlig normal. Es war nicht so, dass ich nur trübsinnig herumgelaufen wäre.

Kommen die Erinnerungen jetzt im Alter nochmal wieder?
Ja. Im Alter denkt man häufiger an früher. Man denkt wieder an das Zuhause. Und man verliert so ein bisschen die mittlere Zeit, man denkt entweder ganz weit zurück oder daran, was jetzt ist.

Sie haben Ihr Schicksal immer auch als Antrieb verstanden. Sind Sie in der Rückschau dem Schicksal dankbar oder hadern Sie? Anders gefragt: „Der liebe Gott hat dich bestraft“, dachten Sie als Kind. Hat Er sie für das Erduldete auch belohnt?
Ich habe in dieser Situation damals Kraft gesucht und auch gefunden. Trotzdem ich mir sagte, du hast deine Eltern nicht gut genug behandelt und deshalb sind sie dir genommen worden. Daraus erwuchs dann der Wille: Ich will es schaffen! Ich will euch zeigen, was ich kann. Auch den Eltern, die ja nicht mehr da waren. Diese Geschichte mit dem lieben Gott war eine Art Hilfseinrichtung für mich. Ich war als junger Mann sehr christlich eingestellt und bin viel in die Kirche gegangen. Ich glaubte, da ist einer, der hat gelenkt, was dir passiert ist. Und der stellt dich auf die Probe und will sehen, was du nun draus machst. Es war eine Art Herausforderung. Das Religiöse hat sich später bei mir verflüchtigt. Ich bin zwar noch in der Kirche und halte es auch für richtig, die christlichen Grundsätze aufrecht zu halten, obwohl ich keinen Glauben mehr habe.

Ganz in der Nähe Jäglacks fand genau einen Monat vor Ihrem 10. Geburtstag Graf Stauffenbergs Attentat auf Hitler statt. Wann haben Sie davon erfahren?
Also den Knall haben wir natürlich nicht gehört, der war 20 Kilometer entfernt. Und wir wussten auch nicht, dass Adolf Hitler in diesem Wald lebte. Die ganze Sache war sehr geheimnisvoll. Ein abgezäuntes Gelände, da kam nicht jeder rein. Erst später haben wir erfahren, dass wir ein bisschen im Mittelpunkt der Weltgeschichte gestanden haben.

Stauffenberg ist in den vergangenen 80 Jahren mehrfach umgedeutet worden, vom Verräter zum Helden, heute gilt er nur noch als „Jedermann“. Wie bewerten Sie ihn und die Verschwörer des 20.Juli?
Man muss trennen zwischen der Tat und der Einstellung des Täters. Er war reaktionär eingestellt. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass Hitler bei dem Attentat zu Tode gekommen wäre, dann wäre Stauffenbergs Tat noch größer gewesen. Ich finde es nicht gut, wenn heute Stauffenberg als „Jedermann“ abgewertet wird. Es gab ja auch 1939 den kommunistischen Attentäter Georg Elser in München, der auch versuchte Hitler aus der Welt zu schaffen. Den wertet man nicht ab. Man darf die innere Einstellung – hier ein Kommunist und da ein Erzkonservativer – nicht verquicken mit der Tat. Ich halte Stauffenberg für einen der wenigen Lichtpunkte in unserer Geschichte, so wie Dietrich Bonhoeffer oder auch den 17. Juni 1953 in der DDR.

Sie haben mal geschrieben: „Das Echo geht in Russland lange Wege.“ War das Grauen, das Ostpreußen 44-45 erreicht hat, das Echo von Barbarossa? Oder blendet diese Sichtweise aus, was schon im Ersten Weltkrieg in Teilen Ostpreußens geschah, als dort die Armeen des Zaren erhebliche Schäden anrichteten, mit hunderten Ermordeten und tausenden Verschleppten und Verletzten?
In Ostpreußen gab es immer die Angst vor dem, was aus dem Osten kam. Das geht bis in die Tartarenzeit zurück. Die Angst wurde natürlich durch den Russeneinfall 1914 bestärkt, obwohl der, verglichen mit dem, was nachher kam, harmlos war. Ich las gerade den Bericht einer Gutsfrau, auf deren Hof 1914 russische Soldaten kampierten. Mit denen konnte sie verhandeln und auch Forderungen stellen, von Vergewaltigungen war damals keine Rede. Und sie konnte mit den Offizieren sprechen. Bei Übergriffen sind die mit der Peitsche dazwischen gegangen. Aber es sind auch schlimme Dinge vorgekommen. In Jäglack sind drei junge Männer erschossen worden, weil man sie für Spione hielt. Aber im Großen und Ganzen ging es 1914 noch gesittet zu. Ich führe das auch darauf zurück, dass die Zaren-Armee eine christliche Armee war. Dass im Zweiten Weltkrieg das Echo zurückkam, lag an der russischen Führung, die den bösen Trieben freien Lauf ließ. Es gab von Ilja Ehrenburg Aufrufe an die Rote Armee zu Mord, Totschlag und Vergewaltigung.

Sie haben auch geschrieben: „Die Ideen sind es, die die Welt bösartig machen“. Was würde die Welt gut machen?
Gute Ideen. Mit den Ideen ist es so eine Sache. Es wird irgendetwas in die Welt gebracht: Wir müssen das Klima retten, oder dies machen, oder jenes. Das wird dann mit einem großen Elan propagiert, und alle, die der Sache nicht folgen, erscheinen böse. So entsteht die Bösartigkeit von Ideen. Das haben wir im Kommunismus, das hatten wir bei den Nazis, die Kirchen waren früher auch so eine Idee.

Also wäre es weniger die Idee, als die Idee als absolute Wahrheit?
Das ist es.

Gott, Frömmigkeit, kirchliche Szenen kommen in Ihren Werken häufig vor. Sie selber haben mindestens drei Mal die Bibel gelesen und ihre Poesie und Sprachgewalt herausgearbeitet. In einem Interview sagten Sie jedoch, Sie glauben an nichts?
Jedenfalls nicht an Gott. Andererseits brauchen die Menschen einen Anhaltspunkt. Sehen Sie sich mal diese großartigen Anforderungen der Zehn Gebote an: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen. Das sind Forderungen, die das Leben der Menschen bestimmen.

In „Amanda“ schreiben Sie: „Du bist wie eine Pusteblume, die übers Land weht und überall zu Hause ist.“ Sie sagten auch mehrfach, sie haben drei Heimaten. Geht es Ihnen wie Ihrer Romanheldin Amanda?
Nein, so geht’s mir nicht. Aber ich habe eine Vorstellung von Heimat, die die meisten nicht teilen. Für mich hat Heimat nicht unbedingt etwas mit Grund und Boden zu tun. Es beruht auf einem Wohlfühlen gemeinsam mit anderen Menschen. Insofern war mein Heimatgefühl für Jokehnen, als ich da weg fuhr, erloschen. Und es entstand dann eine neue Anhänglichkeit an andere Orte. Als ich in Kanada war, da hatte man ja manchmal in dunklen Nächten auch ein wenig Heimweh. Das Heimweh ging nicht Richtung Jokehnen, das Heimweh ging nach Trittau, wo ich damals schon zum Tanzen gewesen war, wo man schon eine Freundin gehabt hatte und so weiter.

Sie sind 1946 zufällig als Flüchtlingskind in Trittau gelandet. War das „Kalte Heimat“?
Dass die Flüchtlinge unter den damaligen Umständen nicht gern gesehen waren, war völlig klar. Und ich mache den Einheimischen auch keinen Vorwurf. Denn wenn sich auf einmal die Zahl der Dorfbewohner verdoppelt, und die Polizei vor der Tür steht und sagt, sie müssen ihre Schlafstube räumen, da kommen Flüchtlinge rein. Da kann keine Freude aufkommen. So waren nun mal die Verhältnisse. Ich wehre mich dagegen, die Einheimischen zu beschuldigen. Nachher hat sich das auch alles schnell eingelebt. Wissen Sie wodurch? Durch Heirat. Wir haben in unserem Bekanntenkreis mindestens 20 Paare, sie eine Einheimische, er ein Flüchtling, oder umgekehrt. Ich finde auch, dass die Nachgeborenen, die das nicht miterlebt haben, sehr viel strenger urteilen als wir, die es wirklich erlebt haben.

Kleine Bücherei mit großem Namen: Die Trittauer Bibliothek trägt seit 2016 Surminskis Namen. | © VdK Hamburg

Als Sie in Trittau ankamen und auf der Dorfstraße gingen, und dann das einheimische Platt hörten, fühlten Sie sich eigentlich schon …
Zu Hause! Ich war überrascht. Ich kam aus einem Lager in Thüringen, aus einer ganz anderen Sprachwelt, und fand hier auf einmal diese vertraute Sprache.

Ihre Heimaten verbindet etwas Norddeutsches. Hätte auch Westfalen oder der Schwarzwald für Sie Heimat werden können?
Ich glaube ja. Das gehört eben zur Anpassungsfähigkeit, die man in solchen Lebenslagen haben muss.

Sie sind in den 50er Jahren nach Kanada ausgewandert, aber dann, ganz bewusst nach zwei Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Fransenjacke und T-Shirt: Arno Surminski nach seiner Rückkehr aus Kanada | © Arno Surminski

Die Auswanderung war ein Abenteuer. Wir waren vier junge Männer und hatten gehört, dass man in Kanada viel Geld verdienen kann (lacht). Ich erinnere mich noch an eine Schlüsselszene: In Vancouver bin ich mit einem Freund zu einer Agentur, die uns in ein Holzfällercamp vermittelte. Wir sind da hin und haben uns angemeldet. Da gab es gerade Abendbrotessen. In einer riesengroßen Halle saßen bestimmt 50 Männer zu Tisch. Und uns gingen die Augen über, was es da alles gab: Käse und Wurst, Schinken und Eier. Wir dachten, wir wären im Paradies.

Reisen, die Welt erkunden, ist heutzutage einfach und billig wie nie zuvor. Aber war die Freiheit in Ihrer Jugend, noch eher zu haben?
Dieser Titel „Als die Freiheit noch zu haben war“, war eine Überschrift, die der Verlag erfunden hatte. Die Freiheit zu reisen gab es hier auch. Vielleicht war es eher die Freiheit von den Beschränkungen, die hier noch bestanden: Was man tun muss, wie man ging, und wie man sich angezogen hat. Das war alles sehr eingeengt. Zum Beispiel kam ich aus Kanada wieder mit einer Lederjacke mit Fransen dran, und hatte ein T-Shirt mit einem Indianerkopf drauf. Das hielt ich für ganz normal, und das war dort auch häufig getragen worden. In Deutschland war ich damit ein sonderbarer Vogel. Ich wurde hier schnell wieder angepasster und habe nach drei Monaten Hemd und Jacke nicht mehr getragen. Wir haben später noch viele Reisen unternommen, auch nach Kanada, durch die USA und in Europa.

Sie leben jetzt schon seit rund 50 Jahren in Hamburg. Die Hansestadt gilt als die „schönste Stadt der Welt“. Ist sie das in Ihren Augen auch? Und was gefällt Ihnen an Hamburg?
Also für mich ist Vancouver die Schönere. An Hamburg gefallen mir vor allen Dingen die Alster und der Stadtpark. Daran sehen Sie schon, es ist mehr das Natürliche, es sind nicht die bombastischen Bauten.

Renate Schommer (r.) mit Arno Surminski und seiner Ehefrau anlässlich des Gedenktages zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar im Hamburger Rathaus. | © VdK Hamburg

2019 jährt sich ein wichtiger 9. November zum 30. Mal. Wissen Sie noch, wo Sie am 9. November 1989 waren?
Ich hab vermutlich an dem Abend Tischtennis gespielt (lacht). Uns war in dem Augenblick gar nicht so geläufig, was da passiert ist. Als wir es begriffen, war es für mich und viele andere ein Rausch. Eine tolle Freude darüber, dass sowas möglich sein konnte.

In „Polnkinken“, 1984 erschienen, gaben Sie der DDR ganz prophetisch nur noch fünf bis zehn Jahre.
Das war nur ein Gag. Das habe ich nicht wirklich geglaubt. Es ging mir bei der Wiedervereinigung auch nicht um die deutsche Nationalität, also auf keinen Fall um Großdeutschland oder so etwas. Sondern darum, dass nun die Menschen – wir hatten ja alle Verwandte drüben – jetzt eine größere Freiheit haben, mit uns zusammenkommen und dass auch der Wohlstand zu ihnen kommt.

In der Wendezeit soll kurz das Angebot Gorbatschows im Raum gestanden haben, Ostpreußen wieder an Deutschland zurückzugeben?
Ich halte diese Geschichte für ein dummes Gerücht. Ich hätte es auch nicht für gut gehalten. Denn dort lebten nun auch andere Menschen, die nicht vertrieben werden durften.

Ostpreußen spielt heute eine fast paradoxe Rolle: Einerseits ist es bis auf Königsberger Klopse, Pillkaller Schnaps, und Tilsiter Käse fast vollständig vergessen. Andererseits ist es viel bekannter als die anderen Ostgebiete. Wie kommt das?
Ostpreußen war schon früher, schon zu Kaisers Zeiten, immer etwas Besonderes. Die Provinz hatte einen großen kulturellen Hintergrund: mit Kant und den anderen großen Dichtern und Denkern. Zudem war Königsberg nach Berlin die zweitgrößte Stadt in Preußen. Und dann der Erste Weltkrieg. Durch die Abtrennung des Korridors wurde Ostpreußen zu einer fernen Welt, ungefähr eine Station vor Sibirien. Und es wurden gewaltige Anstrengungen für die Provinz unternommen: Besucht Ostpreußen! Lasst das Land nicht untergehen! So entstand ein Ostpreußenmythos.

Über Ostpreußen haben natürlich auch sehr viele prominente Schriftsteller geschrieben: Sie, Siegfried Lenz, Gräfin Dönhoff, trägt das auch dazu bei? Sogar Kempowski als Mecklenburger schrieb über Ostpreußen.
Weil Ostpreußen so populär wurde, haben viele darüber geschrieben.

Können die alten deutschen Ostgebiete für junge Generationen, deren eigene Wurzeln ja immer öfter in verschiedenen Weltgegenden liegen, überhaupt noch eine Bedeutung haben?
Die Jüngeren sind die Nachkommen der Leute, die da herkommen, und man interessiert sich doch dafür, wo Oma und Opa mal lebten, und was die gemacht haben. Für viele ist diese Verbindung über die Angehörigen noch vorhanden. Aber dass natürlich eine türkische Familie kein Interesse daran hat, das ist völlig klar.

Ostpreußen ist nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Russland und Polen geteilt worden. Interessieren sich die Menschen dort noch für die deutsche Geschichte ihrer jetzigen Heimat und für das Schicksal ihrer einstigen Bewohner?
Mein Eindruck ist, dass sich viele Polen dafür interessieren. Das liegt auch daran, dass viele von den Russen aus Ostpolen vertrieben worden sind und mit den vertriebenen Deutschen mitfühlen können. In Russland wird die ganze Geschichte eher negiert. Mit Mühe und Not, dass man noch Immanuel Kant anerkennt.

Sie haben vor einigen Jahren den heutigen Bewohnern ihres Heimatdorfes, das nun Jeglawki heißt, ein Buch über das alte Jäglack gewidmet. War das Interesse dafür im Ort vorhanden? Und wie werden Sie in Jeglawki aufgenommen, wenn Sie zu Besuch sind?
Wir haben in Jäglack eine Familie, die kenne ich noch sehr gut von meinem ersten Besuch 1974. Mit der haben wir immer noch Kontakt und kehren bei ihr ein. Als ich das Jäglack-Buch geschrieben habe, fragte mich der polnische Übersetzer, was ich dafür haben möchte. Ich sagte: „Ich will gar nichts haben. Aber wenn das Buch fertig ist, musst du 100 Exemplare nach Jeglawki fahren und dort verteilen.“ So ist das alte Jokehnen zu den heutigen Jokehnern gekommen.

Aktuell ist wieder die Debatte um deutsche Kriegsentschädigungen im Gange. In Polen werden diese Forderungen Umfragen zufolge sogar von zwei Dritteln der Einwohner unterstützt. Kann so Versöhnung funktionieren?
Ich bin darüber sehr traurig! Von polnischer Seite ist das nur eine politische Geschichte. Dort will man noch ein bisschen mehr Geld und irgendwelche Zugeständnisse haben, etwa die, dass die neue Ostsee-Pipeline nicht gebaut wird.

Sie werden häufig als „Autor der Versöhnung“ bezeichnet. Sehen Sie sich selber auch so? War das ein Antrieb, den Sie beim Schreiben hatten?
Anfangs nicht. Aber als ich merkte, wie die anderen darüber schrieben und wie sie anders dachten, habe ich schon überlegt, in Richtung Versöhnung zu schreiben, damit Osteuropa keine Angst mehr vor uns hat.

Doch haben Sie sich immer für ein Gedenken auf Augenhöhe eingesetzt. Was meinen Sie damit genau?
Niemand sollte sich überlegen fühlen über andere. Man sollte auch nicht aufrechnen, was haben die gemacht und was haben die anderen gemacht. Augenhöhe heißt, wir sind alle gleich.

Was wäre der Weg zur wirklichen Versöhnung?
Nicht die Geschichte verschweigen, ruhig darüber schreiben, aber das wäre dann auch genug. Ich möchte keine großen Versöhnungsfeiern machen, das wäre mir ein zu falsches Pathos.

Vertreibung, der Begriff war für Sie immer ungenau. Haben Sie denn einen besseren, einen umfassenderen Begriff?
Ich habe als Ersatz „Heimatverlust“ anzubieten. Von den Schrecken des Krieges, von Vertreibung, Massenvergewaltigung, Verschleppung, ist Vertreibung der einzige, der mit Grund und Boden zusammenhängt. Die Vertreibung war, verglichen mit den anderen schlimmen Taten, eigentlich noch das geringste Übel. Mir hat die Vertreibung das Leben gerettet. Und deshalb bin ich gegen jeden Vertreibungsmythos.

Sie sind sehr oft als Vertriebenen- oder auch Heimatdichter etikettiert worden. Fühlen Sie sich dadurch verkannt?
Am Anfang habe ich sehr viele gute Rezensionen bekommen. Aber ich fühlte mich von der herrschenden Literaturszene nicht richtig anerkannt. Das hat mich nie so richtig geschmerzt, weil ich meine große Leserschaft im Rücken hatte. Da war es mir egal, was die anderen dachten.

In einer Online-Rezension zu Ihrer „Vogelwelt von Auschwitz“, fragt ein Rezensent, ob jemand wie Sie so ein Buch schreiben dürfte.
Ein Flüchtling aus Ostpreußen schreibt über Auschwitz. Das geht gar nicht (lacht). Solche Probleme haben wir in unserer Literatur.

Die Vertreibung ist literarisch fleißig bearbeitet worden, aber erst 2002 rückte Günter Grass‘ „Im Krebsgang“ alles kurz in den öffentlichen Fokus. Warum spielte das Thema, trotz der gewaltigen Dimensionen, nie eine angemessene Rolle?
Weil es nicht gewollt war. Man wollte nichts haben, das als Vorwurf gegen Kommunismus, Sozialismus oder Russland oder Polen ausgelegt werden konnte. Es war ja auch bezeichnend, dass irgendjemand mal gesagt hat, Grass sei der erste, der sich damit beschäftigt hat.

Grass selber sagte dazu 2002: „Das ist ein Versäumnis der Literatur gewesen, ich schließe mich da nicht aus.“
Es gibt eine Stelle bei Grass in der „Blechtrommel“, wo geschildert wird, wie russische Soldaten in eine Wohnung eindringen und randalieren. Die wurde nicht übersetzt, nicht ins Russische und auch nicht ins Polnische. Selbst der große Grass ist zensiert worden.

Schämt man sich dessen in Russland und Polen?
In St. Petersburg habe ich mal meine Geschichte „Irina oder Die Uhr“ gelesen, wo das weit verbreitete Plündern von Armbanduhren durch die Rote Armee angedeutet wird. Jahre später wurde ich bei einer Lesung in Kaliningrad gebeten, diese Geschichte nicht vorzulesen. Das ist der Geist, der da herrscht.

Wie hat 1974 die Öffentlichkeit auf Ihr „Jokehnen“ reagiert?
Für die, die aus dem Osten kamen, war das etwas Besonderes. Es ist zwar schon vorher viel geschrieben worden, aber eben nicht in dieser Form.

Sie schreiben ja ganz oft kurz und fast schon lapidar. Können Jüngere heute die ganze Tragik oder die historischen Hintergründe noch nachvollziehen?
Das gilt ja für jedes historische Buch. Da muss man manchmal erklären, wo die Völkerschlacht bei Leipzig stattgefunden hat (lacht). Man kann nicht wegen der Unkenntnis der heutigen Generation diese Dinge weglassen.

War Ostpreußen für Ihre eigenen Kinder und Enkelkinder je von Interesse?
Als sie noch kleiner waren, haben wir sie natürlich mitgenommen auf Reisen dorthin. Sie liebten vor allem die Natur, Kahnfahren und Schwimmen. Die Geschichte als solche kann man ihnen natürlich nicht aufzwingen. Bei den Enkelkindern nimmt das noch mehr ab. Aber auch die haben wir schon mitgenommen nach Jeglawki.

Ihre Frau und Sie haben sich schon sehr früh, noch in Trittau, kennengelernt. Auf einer Schweinemaskerade?
(Lacht) Das war auf der Sportlermaskerade. Aber die Schweinemaskerade gab es auch. Das wird so ein bisschen abwertend gesagt: Schweinemaskerade. Früher gab es eine Schweinegilde, wo man sich versicherte, denn es starben ja viele Schweine, an Rotlauf oder Schweinepest, und dann bekam man aus dieser Kasse eine Entschädigung. Diese Gilde veranstaltete einmal im Jahr ein Fest. Dann gab es noch eine Sängermaskerade, vom Gesangsverein, das war das Feinste von allem. Schließlich noch die Sportlermaskerade.

Ist Ihre Frau eine „richtige“ Schleswig-Holsteinerin?
Meine Frau ist eine Ausgebombte aus Hamburg. Die Rangfolge der Menschen war damals: Einheimische, Ausgebombte, Flüchtlinge.

Als Hamburg 1943 brannte, ist ihr ganzer Stadtteil zerstört worden. Aber meine Frau hatte Verwandte in Hamfelde bei Trittau. Da ist sie mit ihrer Mutter untergekommen. Sie sind nachher, als mein Schwiegervater aus dem Krieg kam, nach Trittau gezogen. Und da haben wir uns dann kennengelernt.

War Ihre Herkunft als Flüchtlingskind ein Problem für die Schwiegereltern?
Ich weiß nicht, ob die gedacht haben: „Kind, Kind, du willst doch keinen Flüchtling heiraten!“ Ich glaube es nicht. Außerdem war das schon die Zeit, wo die Flüchtlinge schon auf gleicher Ebene mit den Einheimischen standen.

Ihr Durchbruch als Autor kam 1974 mit „Jokehnen“. Waren die siebziger Jahre die richtige Zeit für dieses Buch?
Ich dachte nicht, nun musst du schreiben, das ist jetzt die Zeit dafür. Man braucht für solche Geschichten einen gewissen Abstand. Man kann nicht ankommen, aus dem Zug springen und sagen, jetzt schreib ich die Geschichte auf. So wird das nichts. Ich hatte vorher schon ein paar Erzählungen geschrieben und auch veröffentlicht. Die erste Geschichte, die überhaupt erschien, hing mit Kanada zusammen: „Die Reise nach Manitoba“. Den Titel habe ich nur gewählt, weil Manitoba so ein schöner Name ist. Namen spielen eine große Rolle, der Klang der Sprache, der Namen ist wichtig. Bei „Jokehnen“ habe ich hin und her überlegt, wollte das anfangs aus der Sicht von Erwachsenen schreiben oder auch als Sachbuch. Aber dann hatte ich die glückliche Idee, einen Roman zu schreiben! Und aus der Sicht von Kindern. Ein Roman lässt einem Schriftsteller mehr Möglichkeiten. Alles muss wahrscheinlich und möglich sein. Beim Sachbuch muss alles wahr sein.

In Ihren Büchern stellen Sie die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft stets ebenbürtig nebeneinander. In der Realität liegen die Toten meist auf getrennten Friedhöfen. Wären gemeinsame Friedhöfe nicht ein Ausdruck von Versöhnung?
Das hat es früher gegeben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Marggrabowa ein riesiger Friedhof angelegt, wo Russen und Deutsche lagen. Da hatte man überhaupt keine Hemmungen. Später übertrug sich der Hass gegeneinander auch auf die Toten. Man wollte mit denen nicht mehr gemeinsam ruhen. Und von gemeinsamer Ehrung war schon gar keine Rede. Ich meine übrigens, in Russland ist die Gemeinsamkeit heute noch vorhanden. Da gibt es einen Friedhof in der Nähe von St. Petersburg, wo Deutsche und Russen gemeinsam liegen. Es wäre natürlich wunderbar, wenn es gemeinsame Friedhöfe gäbe für die gemeinsamen Opfer der Kriege.

Sie engagieren sich auch schon seit langem für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Warum muss sich heute noch jemand um tote „Mörder“, denn „Soldaten sind Mörder“, kümmern?
Weil sie größtenteils eben keine Mörder sind. Und weil wir ja zu den meisten irgendwelche Beziehungen haben. Verscharren und vergessen, was ist das für eine Kultur? Es muss doch irgendwie an die Geschichte erinnert werden.

Sie haben auch mal geschrieben: „Aus der Geschichte haben nur diejenigen gelernt, die unter der Erde liegen.“ Wenn Sie heute in die Welt blicken, war Ihr ganzes Bemühen um Frieden dann nicht vergeblich?
Es ist natürlich sehr lapidar zu sagen, nur die Toten lernen. Aber es ist tatsächlich so. Und wenn man sich umschaut in der Welt, dann sind wir ja schon wieder mitten im Krieg. Neuerdings führt man auch noch Handelskriege. Dass es noch nicht wieder so eskaliert ist wie in den Weltkriegen, liegt allein an der Atombombe. Sie einzusetzen, haben viele Angst.

In den letzten Jahren sind auch Dutzende Bundeswehrsoldaten gefallen. Sind diese Einsätze etwas anderes als die Kriege früher?
Natürlich. Es ist etwas anderes, aber die Soldaten sind den gleichen Gefahren ausgesetzt. Dass die Bundeswehr in diese Einsätze muss, ist nur eine Verneigung vor den Partnern, die das verlangt haben. In Wirklichkeit hat das keiner von uns gewollt.

Natur ist Ihnen wichtig, sie spielt in Ihren Büchern eine große Rolle. War das schon immer so?
Mir ist das selbst nicht ganz klar. Bis 1945 war die Natur nichts Berauschendes für mich. Man lebte in ihr wie der Fisch im Wasser. Dass es nachher, in Trittau, anders wurde, hängt vielleicht auch mit meinem Schicksal zusammen. Ich war in der Natur ein bisschen mehr allein, mehr unbeobachtet. Ich konnte meinen Gedanken nachhängen. In Trittau gibt es die große Hahnheide. Und da haben sich einige Leute sicher gewundert, dass da einer so allein rumläuft. Aber die Natur hat mir viel gegeben.

Haben Sie deshalb in Wacken auch Ihren eigenen Wald gepflanzt?
Naja, das mit dem Wald in Wacken, das ist nun 30 Jahre her. Damals gab es schon die Umweltschutzdiskussion. Und der Wald in Wacken war eigentlich mein Beitrag zum Umweltschutz. Ich habe einen Acker gekauft und 10.000 Laubbäume gepflanzt. Da sind inzwischen einige eingegangen. Jetzt zu meinem Geburtstag werde ich mir Geld wünschen und damit werden wir für die eingegangenen Bäume Ersatz kaufen. Der Wald in Wacken ist mir schon viel wert.

Und die Kartoffel ist Ihnen eigentlich fast sogar heilig?
Das haben Sie in „Kudenow“ gelesen. Ja, die Kartoffel, das war damals die Hauptnahrung, gerade für die Flüchtlinge. Es gibt dieses wunderbare Bild: Der Bauer arbeitet auf dem Acker und holt die Kartoffeln aus der Erde. Rundum, in den Knicks, lungern hunderte von Leuten und warten darauf, dass der Bauer fertig ist und sagt: Jetzt könnt ihr rauf. Und dann stürzen sie sich mit Hacken und Forken und Körben auf den Acker und wühlen alles nochmal um. Das ist ein unvergessliches Bild. So war sie, die heilige Kartoffel (lacht).

In den 80er Jahren sind drei Ihrer Romane verfilmt worden. Waren Sie mit den Filmen zufrieden?
Im Großen und Ganzen ja. Vor allen Dingen mit der Besetzung. Aber da kommt wieder diese andere Geschichte hinein, dass man dem Osten nicht zu nahe treten wollte. Es sind im letzten Augenblick einige Änderungen vorgenommen worden, die sehr aufschlussreich sind. Im Buch, auch im Drehbuch, gibt es eine Szene, wo ein Soldat einen Raum voller Flüchtlinge betritt, um sich Frauen rauszunehmen. Im Film kommt ein Offizier und sagt: „Stop!“ Dann gibt es im Film die Szene, die finde ich besonders schlimm, weil sie meinen Vater betrifft. Die Rote Armee überholt den Flüchtlingstreck. Mein Vater hat das Parteiabzeichen noch am Revers und meine Mutter sagt: „Mein Gott, nun mach das Ding weg, was soll das hier nun!“ Er sagt zu ihr: „Was soll der Junge von mir denken, wenn ich das abmache?“ So eine Szene bringen die natürlich nicht in einem Film. Dort sagt der Vater: „Och, hab‘ vergessen, das abzunehmen.“ Die Sache ist in Wirklichkeit gut ausgegangen, der russische Soldat fand das Abzeichen sehr witzig und hat es dann in den Schnee geworfen.

Gibt es heute noch gute deutsche Literaturverfilmungen?
Viele schaue ich mir nicht mehr an. Die Filme sind klamaukig, selbst die Krimis. Man kann die Guten nicht mehr von den Schlechten unterscheiden, alle sind Ganoven. Das Umfeld ist immer düster und schrecklich.

In Polen soll „Die Vogelwelt von Auschwitz“ verfilmt werden?
Vor einem halben Jahr ist jemand damit an mich herangetreten, und ich war einverstanden. Aber seitdem habe ich nichts mehr gehört. Ich habe mich ein bisschen gewundert, denn gerade in Polen gab es einen gewissen Vorbehalt gegen „Die Vogelwelt von Auschwitz“. Die Polen haben den Eindruck, es wird zu viel über das Schicksal der Juden geschrieben und ihr eigenes Leid kommt zu kurz.

Wenn Ihr Werk verfilmt wird, können Sie als Autor dann nachträglich noch etwas mitbestimmen?
Man muss vorher das Drehbuch kriegen. Dann kann man noch Änderungen erreichen.

2002 haben Sie auf die Frage nach der Bedeutung des Todes mal geantwortet: „Finale ... Rien ne va plus“, also, nichts geht mehr. Hat sich Ihre Sicht geändert?
Nein (lacht leise).

Die Fragen stellte Sascha Borck.

Anfang 2019 erschien Surminskis jüngstes Werk „Der lange Weg – Von der Memel zur Moskwa“. Der Antikriegsroman erzählt vom Schicksal eines jungen Ostpreußen in den Wirren des napoleonischen Russlandfeldzuges. (Bild: Langenmüller)

Schlagworte Interview | Arno Surminski

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